Spitzenkandidat de Jager im Interview "Wir sind keine konservative Partei mehr"

SZ: Sie wollen mit der FDP regieren, aber für Schwarz-Gelb wird es wohl nicht reichen. Wer ist denn sonst noch kompatibel?

de Jager: Wir gehen ohne Koalitionsaussage in diese Wahl. Wir werben für die eigene Stärke und sehen hinterher, mit wem es passt. Ich stelle mich darauf ein, dass die Regierungsbildung ziemlich lange dauern wird, mit vielen Sondierungsgesprächen hin und her.

SZ: FDP-Mann Wolfgang Kubicki sagt, er könne sich eine Koalition mit der SPD unter Landeschef Ralf Stegner nicht vorstellen, das sei so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto. Sagen Sie das auch?

De Jager: Parteien koalieren und nicht Menschen. Entscheidend wird am Ende nicht sein, wer mit wem koalieren will - sondern wer mit wem koalieren kann.

SZ: Was schätzen Sie denn am SPD-Spitzenkandidaten Torsten Albig?

de Jager: Er ist sympathisch und ein guter Kommunikator. Aber sein Wahlkampf bleibt wolkig: Da meidet er konkrete Aussagen. Das ist schwach für einen Mann, der Ministerpräsident werden will. Die Bürger wissen bei ihm nicht, was sie bekommen.

SZ: Und was schätzen Sie an den schleswig-holsteinischen Grünen?

De Jager: Die Grünen haben in Schleswig-Holstein viel Substanz aufgebaut, die zu soliden Positionen geführt hat. Die haben viel gearbeitet - auch an sich. Das erkenne ich an.

SZ: Das sagt der Kandidat Jost de Jager, aber wie steht es denn um Ihre Landespartei? Wie konservativ ist die Nord-CDU noch?

de Jager: Die Grünen sind im Norden anders, genauso wie die CDU besonders ist. Die Konservatismus-Debatte spielt hier keine Rolle mehr. Wir sind keine konservative Partei mehr. Wir haben uns in der Energiepolitik früh entwickelt und auf regenerative Energien gesetzt. Das ist ein Anknüpfungspunkt von CDU und Grünen. Auch in der Finanzpolitik liegen wir nicht so weit auseinander.

SZ: Es sieht so aus, dass es Wolfgang Kubicki mit seiner FDP doch noch über die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Geht das auf Kosten der CDU?

de Jager: Nein, es freut mich, dass die Chancen der FDP wieder besser aussehen. Eine starke FDP-Fraktion im Landtag ist in unserem Interesse. Denn bei aller Offenheit für andere Bündnisse: Wir dürfen uns in keine babylonische Gefangenschaft mit einer Partei begeben, die mit uns eigentlich lieber nicht koalieren will. Wir brauchen die Liberalen als strategischen Partner.