Nach außen hält die Unions-Spitze eisern an Angela Merkel und ihrem Anspruch aufs Kanzleramt fest. Einer ihrer größten parteiinternen Gegner hat Merkel nun ziemlich unverhohlen in Frage gestellt.

Der CDU-Spitzenpolitiker Friedrich Merz hat Kanzlerkandidatin Angela Merkel indirekt für das schlechte Wahlergebnis der Union verantwortlich gemacht. Vor dem neuen Sondierungsgespräch zwischen Union und SPD schrieb Merz in der Wirtschaftswoche: 2,6 Millionen Wähler hätten der Union nur die Erst- und nicht die Zweitstimme gegeben. "Das Potenzial der CDU kommt in den Erststimmen mit 40,8 Prozent zum Ausdruck. Nur 35,2 Prozent bei den Zweitstimmen sind eine überdeutliche Antwort der Wähler an Wahlprogramm und personelles Angebot der Union", erklärte Merz.

Merz, dpa

Merz kritisiert Merkel scharf (© Foto: dpa)

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Trotzdem habe die Union jetzt - "wenn auch erheblich geschwächt in ihrer Position - den Auftrag zur Regierungsbildung", schreibt Merz weiter.

In der Union war bereits zuvor das fehlende soziale Profil im Wahlprogramm von CDU und CSU bemängelt worden. Derart prominente öffentliche Kritik an Merkel hatte es aber noch nicht gegeben.

Die Chancen einer großen Koalition sieht der CDU-Finanzexperte und frühere Unions-Fraktionschef sehr kritisch. Die entscheidenden Arbeitsmarktfragen seien zwischen Union und SPD höchst strittig. "Wenn abzusehen ist, dass der neuen Regierung die Lösung des Beschäftigungsproblems nicht bald gelingt, dann sollte man ihr schon am Anfang ein schnelles Ende wünschen. Alles andere kostet nur noch mehr Zeit."

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(sueddeutsche.de/AP/dpa)