SZ-Serie: Der Weg nach Berlin Er heißt eigentlich Karl-Heinz Huber

Auf Wikipedia steht eine kleine Geschichte über seinen zweiten Vornamen, der immer nur mit "M." abgekürzt wird. Wenn man ihn fragt, ob sie stimmt, holt Huber seinen Geldbeutel hervor. Er zückt den Personalausweis, vorne steht sein richtiger Vorname "Karl-Heinz". Hinten, bei Künstlername: "Charles Muhamed". So hat er sich selbst genannt, nach Charly, seinem Spitznamen als Kind in Niederbayern - und nach Muhammad Ali, "das war auch ein Kämpfer", sagt Huber. "Ich habe mir gesagt, ich steh' zu dem, ich war Fan der Black-Panther-Bewegung." Je länger er aus seinem Leben erzählt, umso abenteuerlicher wird es, da hat er noch gar nicht von seinem Job als Berater einer afrikanischen Regierung gesprochen, und den Kindersoldaten, denen er begegnete. Ja, sagt Huber, er habe keine glatte Biografie, er wolle nicht glatt sein. "Ich bin selbst überrascht, dass die CDU das offenbar gut findet."

Seine Kandidatur ist ja nicht nur für die Partei ein Risiko, für den Schauspieler steht noch viel mehr auf dem Spiel. Er hat schon eine Menge Geld investiert, es wird noch viel mehr werden. Er ist ja kein Beamter, der später einfach zurückkehren kann in seinen solide bezahlten Job. Ihm entgehen gerade lukrative Projekte, zum Beispiel ein Werbevertrag für ein "Sicherheitsprodukt", genaueres verrät er nicht. Der Auftrag wurde plötzlich abgesagt, als seine Kandidatur bekannt wurde. Auch den Roman, den er schreiben will, muss er verschieben, "das tut mir in der Seele weh", sagt er. Stattdessen sitzt er jetzt in der CDU-Zentrale und lässt sich die Sitzverteilung im Darmstädter Magistrat erklären, bald will er auch zu den Fraktionssitzungen gehen. Warum tut er das?

"Dieser Weg macht mir Spaß", sagt er. Mehr Spaß als Promiboxen oder Dschungelcamp, derlei Anfragen hat er abgelehnt. Politik bewegt ihn schon lange, sagt er, vor allem die Entwicklungspolitik, so kam er auch zur SPD. Mit dem Bundestagsabgeordneten Hans Büttner habe er zusammengearbeitet, "das war ein Supertyp", schwärmt Huber. Doch Büttner starb früh, und die SPD wurde Huber zusehends fremd. "Sie können dort nicht so sein, wie Sie sind", sagt er, "wenn Sie eine eigene Meinung haben, werden Sie unter dogmatischen Gesichtspunkten gleich in der Pfeife geraucht." Das klingt so, als habe er am Ende oft eine andere Meinung gehabt. Und Gerhard Schröders Auftreten, dieses Dröhnende und manchmal Herablassende, nennt er "ein Unding".

Von Angela Merkel aber schwärmt er. Sie ist wohl sein Vorbild, wenn er sagt: "Ich bin niemand, der polarisiert." Er will einen höflichen Wahlkampf führen, ganz galant, Wohlstand für alle. Mal sehen, wie weit er damit kommt.

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