Ex-Landesminister gegen Bundesminister: Im Kampf um den Vorsitz der NRW-CDU präsentiert sich Armin Laschet als loyaler Thronfolger. Sein Rivale Norbert Röttgen schießt gegen Ex-Ministerpräsident Rüttgers - und kommt bei der Basis an.
Die Bühne erinnert entfernt an eine Castingshow: Sie ist mit Postern dekoriert, mit Bildern von schönen Menschen. Junge und alte, Krawattenträger und Krankenschwestern, Großeltern mit ihren Enkeln. Menschen, denen die CDU eine bessere Zukunft verspricht. Dazwischen steht, in einem schwarzen Anzug, die Vergangenheit: Jürgen Rüttgers.
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Bewerbungsrede für den CDU-Vorsitz an Rhein und Ruhr: Norbert Röttgen spricht , während sein Rivale Armin Laschet (Mitte) sowie der noch amtierende CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers (re.) zuhören. (© dpa)
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Er ist zuletzt ein bisschen in Vergessenheit geraten, obwohl er die CDU in Nordrhein-Westfalen elf Jahre als Vorsitzender anführte und fünf Jahre Ministerpräsident war. Doch die zehn Prozentpunkte, die seine Partei bei der Landtagswahl im Mai verloren hat, waren der Beginn eines langen Abschieds. Doch jetzt geht er noch einmal auf eine Tournee durch acht Städte.
Den Anfang macht Münster, genauer gesagt Hiltrup, ein Stadtteil mit großen Autohäusern und einer kleinen Stadthalle, in der sich 700 Menschen um zu wenige Stühle streiten. Sie gehören zu den 160.000 Parteimitgliedern der NRW-CDU, die an den Castingshows der CDU teilnehmen dürfen, die "Regionalkonferenzen" heißen und in eine Mitgliederbefragung münden.
Zwei Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge von Jürgen Rüttgers: Norbert Röttgen, Bundesumweltminister im Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel. Und Armin Laschet, ehemals Integrationsminister unter Rüttgers. Für beide ist es eine heikle Angelegenheit: Eine zweite Chance gibt es nicht.
Verliert Laschet, ist seine politische Karriere so gut wie beendet. Er war schon in der Wahl des Fraktionschefs dem münsterländischen Bezirksvorsitzenden Karl-Josef Laumann unterlegen, der ihn nun unterstützt. Röttgen hingegen hat sich in der Atomkraft-Debatte viele Feinde gemacht. Kann er sich in NRW nicht durchsetzen, wird das seine Autorität empfindlich schwächen.
Groll über das "Sommertheater"
Der bundesweit größte CDU-Landesverband muss nun entscheiden, ob sein neuer Vorsitzender ein einflussreicher Berliner sein soll, der in Düsseldorf eher zu Gast ist. Oder ein lokal verwurzelter NRW-Fachmann, der in Berlin womöglich nicht gehört wird. Und dann ist da noch eine andere Frage: Wie viel Rüttgers darf es in Zukunft noch sein?
Bisher wurde die Debatte in Hinterzimmern und den Medien ausgetragen. Laschet preschte mit seiner Kandidatur vor, unterstützt vom neuen Fraktionschef Karl-Josef Laumann und Generalsekretär Andreas Krautscheid. Röttgen zog nach und warf seinem Kontrahenten ein "Sommertheater" vor. In Münster treffen sie sich erstmals auf einer Bühne.
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Wird Röttgen mit seiner Kritik, die möglicherweise auf mehr stille Zustimmung stösst als vermutet wird, mutige Menschen antreffen oder wird er die Angst von Parteigängern mobilisieren, die sich zusammendrängen, wenn es gefährlich aussieht.
In unserem Land hat der Mut zur Wahrheit immer die schlechteren Karten gehabt. Die Mutigen im Land haben ja auch keine Presse. Die gehört den Sarrazins.
und landet auf dem Friedhof für gescheiterte Politiker.
Auferstehung ist erst in 10³³ Jahren.
Die NRW-CDU braucht keine Fernsteuerung aus Berlin, die müssen sich täglich mit der rot-grünen Landesregierung beschäftigen: beider auswahl führt an Laschet kein Weg vorbei. Er hätte nur schon am Wahlabend den Verlierer Rüttgers beiseite schieben müssen, dann wären auch andere Regierungsmodelle möglich gewesen.