Eindeutiger liegt die Sache für Altmeiers Amtskollegen von der SPD, Thomas Oppermann. Der sagte zu sueddeutsche.de, Jasper habe die Bürger "im Wahlkampf über seine akademischen Verdienste getäuscht. Er sei gut beraten, wenn er sein Mandat niederlegt".

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Eigenwerbung im Wahlkampf: Dieter Jasper (© Darstellung: oh)

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Das rät ihm auch der renommierte Düsseldorfer Rechtsprofessor Martin Morlock. "Als Bürger will ich da nicht beschummelt werden", sagte er zu sueddeutsche.de.

Wer sich dagegen Hoffnung macht, der Wahlprüfungsausschuss des Bundestages könnte bald eine Wahlwiederholung im Wahlkreis Steinfurt III empfehlen, muss diese wohl wieder begraben. Morlock: "Seit Bestehen der Bundesrepublik hat der Wahlprüfungsausschuss noch nie eine Wahlanfechtung für begründet erklärt." Das werde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch diesmal nicht passieren.

Das Problem: Es muss belastbar nachgewiesen werden, dass Jasper ohne seinen Doktortitel den Wahlkreis nicht gewonnen hätte. So etwas aber lässt sich "praktisch nie nachweisen", sagt Morlock.

Freispruch zweiter Klasse?

Entsprechend vorsichtig äußert sich Michael Hartmann, der für die SPD in dem Ausschuss sitzt, im Gespräch mit sueddeutsche.de: Auch wenn er den Fall für durchaus gravierend hält, wolle er ihn aus dem Parteiengezänk heraushalten. "Herr Jasper hat das Recht auf eine faire Prüfung."

Die parlamentarische Geschäftsführerin der Linken-Fraktion, Dagmar Enkelmann, die ebenfalls im Wahlprüfungsausschuss vertreten ist, sieht die Chance ebenfalls als eher gering an, dass der Ausschuss eine Wahlwiederholung empfiehlt. Allerdings werde das nach Lage der Dinge sicher nur "ein Freispruch zweiter Klasse" sein.

Ihr sind die Hürden für eine Wahlwiederholung zu hoch. Sie plädiert dafür, "dass eine Wahl künftig schon dann wiederholt werden kann, wenn eine Wählertäuschung vorliegt, wie jetzt beim falschen Dr. Jasper", sagte sie zu sueddeutsche.de.

Jasper ist derweil abgetaucht. Die Fraktionssitzung am Dienstag hat er nicht besucht, auf telefonische Anfragen hat er tagelang nicht reagiert. Zuletzt ließ er von einer Mitarbeiterin ausrichten, er wolle sich zu der Sache nicht mehr äußern, bis der Bundespräsident entschieden habe.

"Neu bewerten"

In seinem CDU-Kreisverband Steinfurt lässt man Jasper noch gewähren. Auch wenn es fassungslose Gesichter gegeben haben soll, als Jasper im Vorstand zur Beichte antrat. Wegnehmen kann ihm das Abgeordnetenmandat niemand. Der Druck könnte aber steigen, sein Mandat freiwillig zurückzugeben.

Im Moment spricht aus Sicht des Kreisverbandes dagegen, dass dann der Wahlkreis Steinfurt III in Berlin von der CDU nicht mehr vertreten wäre. Wenn aber Jasper wegen Titelmissbrauchs verurteilt werden würde, dann wäre wohl auch für den von NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann geführten Kreisverband eine Grenze erreicht.

"Wir müssten die Sache dann sicher neu bewerten", sagte CDU-Kreisgeschäftsführer Johannes Machill zu sueddeutsche.de.

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(sueddeutsche.de/gba)