Die Berliner CDU hat es nicht leicht gehabt bei der Suche nach einem Spitzenkandidaten. Im Landesverband gibt es niemanden mit entsprechendem Format. UN-Direktor Klaus Töpfer wollte nicht. Jetzt tritt ein schillernder Mann aus der Bundespolitik an.

Der künftige Berliner CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger hat sich acht Monate vor der Abgeordnetenhauswahl am 17. September betont optimistisch gegeben. Bei seinem ersten offiziellen Auftritt in der neuen Rolle betonte Pflüger am Montag: "Ich bin nicht hergekommen, um Oppositionsführer zu werden. Ich bin hergekommen, um Regierender Bürgermeister zu werden."

Friedbert Pflüger soll die Berliner CDU zurück an die Macht führen (© Foto: AP)

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So etwas muss ein Spitzenkandidat sagen, im Falle Pflügers ist aber der erste Satz von großer Bedeutung. Im Falle eine Niederlage will er in der Bundespolitik bleiben. Erst vor zwei Monaten ist Pflüger Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium geworden.

Die Aufgabe ist schwierig, denn momentan liegt die CDU in Meinungsumfragen bei gerade einmal 21 Prozent - weit abgeschlagen hinter der SPD von Bürgermeister Klaus Wowereit. 2001 hatte die Berliner CDU unter dem Spitzenkandidaten Frank Steffel 23,8 Prozent der Stimmen erhalten - das schlechteste Ergebnis überhaupt.

Der Berliner CDU-Vorsitzende Ingo Schmitt sagte bei der Präsentation des Kandidaten, die Landes-CDU stehe geschlossen hinter Pflüger. Der Verteidigungs-Staatssekretär sei als Mitglied der Bundesregierung und seinen internationalen wie Berlin-Kenntnissen "hervorragend geeignet", den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) herauszufordern. Mit Blick auf die lange offene Kandidatenfrage der Berliner CDU sagte Schmidt: "Ab heute wird nicht mehr getöpfert, sondern umgepflügt."

Pflüger verteidigt inzwischen den Regierungsumzug

Der Landesverband hatte sich lange um den Direktor des UN-Umweltprogramms Klaus Töpfer bemüht. Seit dem Sturz Eberhard Diepgens 2001 fehlt der Berliner CDU ein zugkräftiger Spitzenkandidat. Schon zur Wahl 2001 wurde über einen Mann von außen nachgedacht. Damals war der jetzige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble im Gespräch.

Vor 15 Jahren war Friedbert Pflüger für Bonn als Hauptstadt, jetzt verteidigt der designierte CDU-Spitzenkandidat in Berlin den Regierungsumzug. Man müsse auch dazu lernen, erklärt er seinen Meinungswandel. Die Berliner CDU akzeptiert Pflüger (50) nach anfänglichen Vorbehalten inzwischen. Pflüger ist derzeit noch stellvertretender Vorsitzender der CDU in Niedersachsen, will aber im September nicht erneut für das Amt antreten.

Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister (SPD) hatte sich kürzlich über Pflüger mokiert: "Ich finde es gut, dass er kommt. Er ist Hannoveraner, hat sich dazu immer bekannt, war ein bekennender Bonner und will jetzt sein Glück in Berlin machen."

Aller Kritik zum Trotz hat Pflüger durchaus Bezug zur Hauptstadt. Seine politische Karriere begann Pflüger 1981 als Referent des damaligen Regierenden Bürgermeisters Richard von Weizsäcker.

Nach dessen Wahl zum Bundespräsidenten 1984 wechselte der gebürtige Hannoveraner als Sprecher ins Präsidialamt. 1990 zog der studierte Politikwissenschaftler in den Bundestag ein.

Durch Distanz zur Regierung Helmut Kohls machte Pflüger in den 90er Jahren auf sich aufmerksam. Im Jahr 2000 kritisierte er das Verhalten seiner Partei während der Spendenaffäre. In die Schlagzeilen geriet er auch durch seine 1987 geschlossene Ehe mit der Politikwissenschaftlerin Margarita Mathiopoulos, die Willy Brandts Wunschkandidatin als Parteisprecherin war.

Das Ehepaar trennte sich 2003 und stritt sich anschließend öffentlich um einen Versorgungsausgleich in Höhe von rund 158.000 Euro. Im August 2004 bekamen Pflüger und seine neue Lebensgefährtin einen Sohn.

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(sueddeutsche.de/dpa/AP)