Castro-Kritiker Payá stirbt bei Verkehrsunglück Mysteriöser Unfall eines politisch Unbequemen

Oswaldo Payá, einer der einflussreichsten kubanischen Oppositionellen der vergangenen Jahrzehnte, ist tot. Der 60-Jährige starb, als sein Auto nahe der ostkubanischen Stadt Bayamo gegen einen Baum prallte. Angehörige bezweifeln, dass es sich um einen Unfall handelt.

Von Peter Burghardt

Über Jahre empfing er Gäste in seinem Haus im Stadtteil Cerro von Havanna, schimpfte auf die kubanische Regierung und predigte von der Demokratie. Oswaldo Payá war ein sehr gläubiger Mensch, vor allem aber ein sehr entschiedener Gegner der Führung von Fidel Castro und dessen Bruder Raúl. Mit langsamer Stimme erläuterte Payá besonders ausländischen Besuchern immer wieder stundenlang, wieso sich die Politik der Insel dringend verändern müsse.

Nach offiziellen Angaben war es ein Verkehrsunfall, der dem kubanischen Oppositionellen Oswaldo Payá das Leben kostete.

(Foto: AFP)

Er brachte es auf diese Weise zu einem der bekanntesten Dissidenten des Landes, 2002 ausgezeichnet mit dem Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments. Nur auf Kuba selbst spielte Payá wie die meisten Regimegegner kaum eine Rolle. Nun ist Payá tot, im Alter von 60 Jahren tödlich verunglückt.

Laut offiziellen Angaben war es ein Verkehrsunfall. Nahe der ostkubanischen Stadt Bayamo kam Payás Mietwagen von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum, Payá und der Aktivist Harold Ceper neben ihm starben. Im Fond wurden die jungen Politiker Ángel Carromero aus Spanien und Jens Aron Modig aus Schweden verletzt, Payá hatte enge Kontakte zu konservativen europäischen Parteien wie der spanischen Partido Popular (PP).

Angehörige jedoch zweifeln an der Version der Behörden. Die überlebenden Mitfahrer hätten berichtet, dass ein anderes Fahrzeug versucht habe, den PKW von der Straße zu drängen, berichtete seine Tochter Rosa María der Kuba-kritischen Zeitung El Heraldo in Miami. "Wir glauben nicht, dass das ein Unfall war. Sie wollten ihm Schaden zufügen und haben ihn am Ende getötet."

Angeblich war Payá vor wenigen Wochen in Havanna in einen ähnlichen Zwischenfall verwickelt gewesen. Wobei Kubas Andersdenkende zwar immer wieder verhaftet und ansonsten von KP-Leitung und Staatsmedien geschnitten werden, aber kaum körperlich bedroht.

Schon als 17-Jähriger im Arbeitslager

In jedem Fall verlieren die versprengten Castro-Gegner eine ihrer prominentesten und umstrittensten Figuren. Payá war schon als 17-Jähriger zu drei Jahren Zwangsarbeit auf der Gefangeneninsel Isla de Pinos verurteilt. Später studierte er in Havanna Physik und Ingenieurwesen und arbeitete in einer staatlichen Fabrik an medizinischem Gerät. 1988 gründete der Katholik die Christliche Befreiungsbewegung MCL, eine illegale Oppositionsvereinigung. 1996 begann er, Stimmen für ein Referendum über wirtschaftliche und soziale Reformen zu sammeln.

Die Initiative nannte sich "Varela-Projekt", benannt nach einem Geistlichen, der im 19. Jahrhundert an Kubas Unabhängigkeit mitgewirkt hatte. "Die treibende Kraft der Gesellschaft sollte die Souveränität des Volkes und nicht die Kommunistische Partei sein", forderte Payá. Trotz aller Hürden bekam er die erforderlichen 11 000 Unterschriften zusammen, allerdings wurde der Vorstoß im Abgeordnetenhaus vor zehn Jahren unter Fidel Castro gestoppt.

Payá reiste nach Straßburg zum EU-Parlament und nach Rom zum Papst. Zuletzt hatten sich Payá und der regierungsfreundliche Klerus auf Kuba jedoch entzweit. Auch moderate Oppositionelle wendeten sich von ihm ab. Seine Überreste werden jetzt in Havanna beerdigt.