1000 Demonstranten versuchten bis zuletzt den Atommülltransport mit Sitzblockaden und Zementblöcken aufzuhalten. Der von 15.000 Polizisten begleitete Transport erreichte das Zwischenlager am Morgen.
Rund 60 Stunden nach dem Start in Frankreich hat der Castortransport mit hochradioaktivem Atommüll am Dienstagmorgen sein Ziel im Zwischenlager Gorleben erreicht. Die zwölf Tieflader passierten gegen am früher Morgen das Zufahrtstor zum dem Zwischenlager in Niedersachsen. Der Konvoi war gut eine Stunde zuvor im Verladebahnhof Dannenberg gestartet und über die nördliche der beiden möglichen Straßenverbindungen ohne Störungen nach Gorleben gerollt.
Das größte Hinderniss im Weg des Castortransports: Betonklotz an Traktor. (© Foto: AP)
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In den Nachtstunden hatte die Polizei Blockaden von Atomkraftgegnern auf der Straße zum Zwischenlager geräumt. Besondere Probleme bereitete den Beamten eine Aktion von Landwirten, die sich in der Ortschaft Grippel an einen Traktor und an einen großen Betonblock gekettet hatten. Mit einer Hebevorrichtung schob die Polizei Trecker, Stein und Demonstranten schließlich von der Straße. "Wir mussten besonders vorsichtig vorgehen, um die Blockierer nicht zu verletzen", sagte ein Polizeisprecher.
Einziger Zwischenfall: ein Kieferbruch
An einer anderen Stelle in Grippel hatten sich Demonstranten an einen Zementblock und einen alten Leichenwagen angekettet. Bei der Auflösung dieser Blockade durch die Polizei erlitt ein Atomkraftgegner nach Angaben von Bürgerinitiativen einen Kieferbruch. Im Dorf Gorleben räumte die Polizei mehrere Sitzblockaden. An den Blockadeaktionen hätten sich insgesamt 1000 Menschen beteiligt, erklärte die Anti-Atom-Initiative Widersetzen.
Geschützt wurde der Transport von annähernd 15.000 Beamten der Bundes- und Landespolizei. Transporte aus den Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague (Frankreich) und Sellafield (Großbritannien) nach Gorleben sind noch bis etwa 2015 geplant. Aller dings will Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) wegen der Fußballweltmeisterschaft 2006 die Transporte nach Gorleben aussetzen. "Wir haben großes Interesse daran, im Jahr 2006 keinen Castortransport nach Niedersachsen zu bekommen", sagte der Minister der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.
Schünemann regte auch an, die nächsten Transporte stärker zu bündeln. 2007 könnten 18 statt bislang zwölf Castorbehälter auf einmal transportiert werden. Er wolle seinen Vorschlag demnächst der Bundesregierung präsentieren und dabei auch ein anderes Verfahren für die Kostenverteilung bei den Transporten vorschlagen. Bislang werde Niedersachsen dabei "über Gebühr" belastet, erklärte Schünemann. Im vergangenen Jahr hatte Niedersachsen rund 21 Millionen Euro für den Polizeieinsatz beim Castortransport bezahlt.
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(dpa)
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