Es gibt kein Konzept für die sichere Entsorgung des Atommülls. Wer deshalb Angst hat und das - wie viele Menschen im Wendland - auch kundtut, der verdient den Respekt der Politik.
Vielleicht ist es nach dreißig Jahren einmal Zeit, danke zu sagen: Da haben die Menschen in einem ganzen Landstrich genau das getan, was Politiker sonst gern von ihnen fordern.
Demonstranten bei Gorleben (© Foto: Reuters)
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Sie haben sich hineingearbeitet in eine hochkomplizierte Materie, sie haben sich organisiert, sie haben zusammengehalten, ihre Freizeit geopfert - sie haben sich einer wichtigen Sache verschrieben und weder Geleise verbogen noch sich sonst strafbar gemacht.
Kinder sind aufgewachsen mit dem Protest gegen Gorleben, der Widerstand ist gewachsen, er ist zur Volksbewegung geworden, getragen von Hausfrauen, Pfarrern, Lehrern und Bauern. Doch dieses Engagement ist nie gewürdigt worden, im Gegenteil. Die Regierungspolitik hat den bürgerlichen Protest oft genug in einen Topf mit kriminellen Anschlägen geworfen.
Doch der Widerstand gegen das Zwischenlager Gorleben, der Widerstand gegen den Castor ist ein wertvoller Widerstand. Warum?
Rollende Ratlosigkeit
Der Castor ist nicht einfach nur eine große Kiste zum Transport von radioaktivem Müll, sechs Meter lang und 120 Tonnen schwer. Der Castor ist vor allem das Symbol für das ungelöste Kernproblem der deutschen Energiewirtschaft: Es ist nämlich nicht damit getan, das Zeug in eine Kiste aus Sphäroguss zu sperren, diese dann auf die Bahn zu verladen und nach Gorleben oder sonstwohin zu verfrachten.
Der Atommüll muss sicher entsorgt werden - und dafür gibt es kein Konzept. Der Castor ist keines; er ist bestenfalls die rollende Ratlosigkeit. Die Proteste gegen den Castor, die heute kräftiger sind denn je, haben es der Politik und der Energiewirtschaft nicht erlaubt, das Problem zu verdrängen oder vom Tisch zu wischen.
Es gibt kein Konzept für die sichere Entsorgung des Atommülls. Wer deswegen Angst hat und das auch kundtut, jahrelang, jahrzehntelang, der verdient den Respekt der Politik - solange er friedlich demonstriert und sich von Chaoten und Gewalttätern distanziert und separiert.
Aber man darf bei dieser Gelegenheit den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1995 in Erinnerung rufen: Sitzblockaden sind keine Gewalt, Sitzblockaden können seitdem nicht mehr als Nötigung bestraft werden. Dieser Beschluss - er erging damals zu den Demonstrationen gegen die Nachrüstung - war und ist so etwas wie die Magna Charta der Zivilcourage.
Er besagt für Gorleben: Wer sich auf Schienen und Straßen setzt, ist allein deswegen noch nicht kriminell. Er macht sich möglicherweise, wenn ein wirksames Demonstrationsverbot verhängt worden ist, einer Ordnungswidrigkeit schuldig: Die Geldbuße dafür kann und muss er ertragen. Aber: Er ist nicht kriminell.
Seit 1995 hat ziviler Widerstand die Achtung der Rechtsordnung. Der verstorbene große Rechtsphilosoph Arthur Kaufmann hat einmal davon gesprochen, dass der "kleine" Widerstand beständig geleistet werden muss, "damit der große Widerstand entbehrlich bleibt".
Das Bundesverfassungsgericht hat diesen Satz anerkannt - und im Wendland wird er praktiziert.
Hier können Sie den Kommentar von Heribert Prantl anhören.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de/plin/bosw)
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Angeblich hat der Polizeieinsatz 20 Millionen Euro gekostet! Aber man muss eines berücksichtigen: Die Poilizisten hätten sowieso in der Zeit Geld bekommen, auch wenn die nur abends in ihrer Heimat Streife gefahren oder in ihrem Büro gesessen und Kaffee getrunken hätten! Also wären die 20 Millionen Euro eh ausgegeben worden!
Beschweren tut sich lediglich die Landesregierung des Landes Niedersachsen, denn sie müssen Geld für "ausgeliehene" Polizisten an andere Bundesländer zahlen! Aber wer ist denn so unbedingt der Meinung, dass der Atommüllnach Gorleben ins eingene Bundesland geholt werden soll? Ministerpräsident Wulff und Innenminister Schünemann (beide CDU)! Genau die, die sich darüber beschweren, wollen dass der Atommüll nach Niedersachsen kommt...
Da fragt man sich, Herr Wulff überhaupt in der Lage ist, das Land Niedersachen zu regieren! Denn eigentlich ist es die Aufgabe eines Ministerpräsidenten, das eigene Bundesland zu schützen! Dies tun alle anderen Ministerpräsidenten, nur nicht Herr Wulff! Ein Armutszeugnis!
wirtschaft.t-online.de und in der Berliner Zeitung können Sie es finden. Dem Bericht zufolge beläuft sich der Exportüberschuss allein im ersten Halbjahr 2008 auf 14,4 Terawattstunden - das entspräche etwa der Jahresleistung zweier Kernkraftwerke. Das macht im Jahr 4 Kraftwerke... Brunsbüttel und Krümmel sind schon abgeschaltet, wären zusammen schonmal sech AKWs weniger! Baut man bis die erneuerbaren Energien aus und benutzt Energiesparende elektrische Geräte, können bis 2020 alle AKWs abgeschaltet werden! auch die großen Stromkonzerne setzen ja bereits vielfach auf erneuerbare Energien, es ist bloß längst nicht so lukrativ wie die Kernenergie! und die Konzerne hätten einem Ausstieg bis 2020 nur zugestimmt, wenn dies auch ohne Stromknappheit möglich wäre...
...ich glaube nicht, dass sich die Leute sich zum Spass 50 Std. hinsetzen und soweit ich weiß habe ich das mit "Hut ab vor der Courage" auch kundgetan.
Weiterhin bin ich auch kein Befürworter der Kernkraft, aber die von Ihnen erwähnten Argumente, von wegen wir können alles abschalten, wenn wir aufhören zu exportieren, hätte ich dann gerne schriftlich (eine passende Internetseite - bitte nicht von Aktivisten - genügt mir vollkommen). Meines Wissens nach IMPORTIEREN wir nämlich zusätzlich Strom.
Und als letztes habe ich behauptet, dass eine Endlagerung sicher ist.
Vielleicht auf eine sachlichere Diskussion beim nächsten Mal. Vielen Dank
Super Beitrag! Ich habe lange keinen Kommentar mehr gelesen, der soviel hintergrundwissen über die Geschichte des Atomwiderstandes beeinhaltet!
Und Befürwortern der Kernenergie sei gesagt: Alleine durch die Produktion von energiesparenden Elektrogeräten und durch den Verzicht auf den Stromexport (!!!) von Deutschland in andere Länder könnten alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden, ohne dass es jemand merken würde!
Und: Die AKWs Krümmel und Brunsbüttel sind seit Juni 2007 abgeschaltet und niemand hats gemerkt! Außer vielleicht Vattenfall...
Denken die Befürworter der Kernernergie, diese Menschen setzen sich zum Spaß 50 Stunden auf die Straße um dann von Polizisten die Nase und den Arm umgebogen zu kommen und reichen dafür noch 2 Tage Urlaub ein?
Gucken wir einmal auf die Landkarte Europas? Wo liegt die Wiederaufbereitungsanlage La Hague? Am Äußersten Zipfel Frankreichs? Wo lieg die Wiederaufbereitungsanlage Sellafield? Am Äußersten Zipfel Groß Britaniens? Wo liegt Gorleben? In den 70ger Jahren, als mit dem Bau begonnen wurde, noch der äußerste Zipfel Westeuropas! Warum tut man das, wenn die Wiederaufbereitung und die Endlagerung ach so sicher ist?
...es geht hier immer noch um die Lösung eines 50 Jahre alten Problems:
Wie erhalte ich Energie mit den bestmöglichsten Ausbeuten und dem geringstmöglichen Abfall. Erstens: Deutschland ist eine Industrienation und wird es bleiben: wir verbrauchen VIEL Energie. Da kann man gerne in privaten Haushalten Energie einsparen, wo ich sehr zustimme und es auch selber vorlebe und praktiziere, jedoch braucht alleine unser produzierendes Gewerbe doch VIEL Energie. Wo soll die herkommen? Kohlekraftwerke? CO2 produzieren? Wind- / Solar-energie? Und was ist bei Spitzenbelastungen??? Wir brauchen nun mal eine sog. Grundlast und wir sind eben nicht ein skandinavisches Land wie Norwegen, dass 99 % durch Wasserkraft decken kann!
Was also schlagen sie vor? Es ist doch immer leicht gegen etwas zu sein, wenn man dann keine Alternative anbietet. Und jetzt kommen sie mir BITTE nicht mit Speicherung von Energie! Es ist zum jetzigen Zeitpunkt meines Wissens nach kein Speicher bekannt, der mit hoher Effizienz die durch Sonnen- oder Windkraft gesammelte Energie speichert; wenn doch, dann würde wohl kaum so intensiv daran geforscht werden. Zweiter Punkt: haben sie sich mal die Gesamteffizienz (von Produktion, Aufstellung) von Windkraft- und Solaranlagen genauer angesehen. Sie müssen Silizium nämlich auch erst einmal anständig verarbeiten um irgendwie Energie zu erzeugen?! Es wird deshalb an "Plastiksolarzellen" geforscht, die selbst bei optimistischer Kalkulation noch 5-10 Jahre bis zur Markteinführung brauchen.
Also wo stehen wir? Demonstrieren wir fleissig ohne Alternativen anzubieten und der Steuerzahler darf dann die Polizeieinsätze bezahlen oder stellen wir unsere Forscher mal lieber ins Labor statten sie verdammt nochmal von diese Geldern anständig aus und hoffen, dass sie das Problem WIRKLICH gelöst kriegen und eines Tages eine Alternative Energiequelle bieten können?
Paging