Von Von Arne Boecker

Unerwartet früh haben Atomkraftgegner den Castor-Transport nach Gorleben blockiert: Bereits in Frankreich ketteten sich am Montag Umweltschützer an Schienen und hinderten den Zug an der Weiterfahrt.

(SZ vom 11.11.2003) Dannenberg/Metz (dpa/AFP) - Die zwölf Behälter erreichten mit dreieinhalbstündiger Verspätung die Grenze zu Deutschland.

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Nach Polizeiangaben passierte der Zug um 16.14 Uhr bei Lauterbourg im Elsass die Grenze. Am Bahnhof von Wörth in Baden-Württemberg sollte der Zug an eine deutsche Lok angekoppelt werden und anschließend nach Informationen deutscher Atomkraftgegner über Karlsruhe, Heilbronn und Würzburg nach Norden fahren.

Gegen Mittag hatte eine Gruppe von AKW-Gegnern aus Frankreich und Deutschland den Zug nahe der lothringischen Stadt Lunéville zum Stehen gebracht. Dort gelangten nach Angaben der Gendarmerie einige Demonstranten bis zu den Gleisen; ein Franzose und ein Atomkraftgegner aus dem niedersächsischen Wendland ketteten sich mit Hilfe von Rohren an den Gleisen an und mussten mit Schneidbrennern befreit werden. Acht Demonstranten wurden vorübergehend festgenommen.

In Niedersachsen rechneten Polizei und Bundesgrenzschutz mit vereinzelten Störaktionen an der Transportstrecke. Insgesamt stehen etwa 13.000 Beamte bereit, um die Atommüllfracht zu sichern. Am Nachmittag sperrten zwölf Landwirte bei Groß Gusborn im Wendland mit ihren Traktoren die Strecke, die in Richtung Gorleben führt.

Der Atommüll wird voraussichtlich am Mittwoch das Zwischenlager erreichen. Kernkraftgegner kündigten in Gorleben an, trotz des Demonstrationsverbots Sitzblockaden abzuhalten. "Der zivile Ungehorsam und das Demonstrieren auf Straßen und Schienen gehört für uns zum Protest dazu", sagte der Sprecher der Anti-Atom-Initiative "X-tausendmal quer", Jochen Stay.

Der Landkreis Lüchow-Dannenberg konnte sich mit einem Verbot mehrerer Sankt-Martins-Umzüge an der Castor-Transportstrecke nicht durchsetzen. Das Verwaltungsgericht Lüneburg urteilte, Laternenumzüge seien Brauchtumspflege und hätten nichts mit öffentlicher Meinungsbildung zu tun. Der Landkreis habe keine Anhaltspunkte vorgelegt, dass es sich bei den Umzügen möglicherweise um getarnte Demonstrationen handle.

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