Ungeachtet des Todes eines Anti-Atom-Aktivisten in Frankreich sind die wütenden Proteste gegen den Castor-Transport in Deutschland fortgesetzt worden. Auf dem Weg nach Gorleben gab es weitere Blockaden.
Der Zug mit hochradioaktivem Müll erreichte am Montagnachmittag den niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg, wo die zwölf Castor-Behälter zum Weitertransport auf Tieflader gehievt wurden. Mehrere hundert Gegner blockierten am Abend beide Routen in das Zwischenlager Gorleben. Zuvor war der Zug unter starkem Polizeischutz quer durch Deutschland gerollt.
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Die Gleisblockaden gehen trotz des tödlichen Unfalls in Frankreich. (© Foto: AP)
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Bei der Blockade in Groß-Gusborn beschlagnahmten Polizisten die Trecker und schlossen die Maschinen kurz. Wegen der dazwischen sitzenden knapp 400 Demonstranten konnten sie die Fahrzeuge aber zunächst nicht bewegen. Nach Angaben der Demonstranten saßen Polizisten in den Traktoren und obendrauf Aktivisten. An der Blockade bei Langendorf nahmen laut Polizei rund 100 Demonstranten teil.
Eine Polizeikette trennte nach Angaben der Gegner dort eine Sitzblockade von den rund 30 Traktoren. Die Castoren sollten vermutlich bis Dienstagmorgen ins 20 Kilometer entfernte Gorleben gefahren werden.
In Harlingen bei Hitzacker hatte am Nachmittag eine Sitzblockade auf den Gleisen mit knapp 200 Demonstranten den Zug gestoppt. Laut Polizei war die Aktion nach 30 Minuten beendet.
In Splietau erinnerten unterdessen nach Polizeiangaben rund 500 Castor-Gegner an den 21-jährigen Sebastien Briat, der am Vortag im französischen Lothringen vom Castorzug überrollt und getötet worden war. Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg gab die Teilnehmerzahl mit 2.000 an. Der Sprecher der Bürgerinitiative, Dieter Metk, betonte, dass die Proteste weiter gingen.
Er kritisierte, dass der "Todeszug im doppelten Wortsinn" nicht spätestens an der deutschen Grenze gestoppt worden sei. Robin-Wood-Sprecher Jürgen Sattari sagte, der tragische Tod Briats werfe einen "dunklen Schatten auf den Castor-Transport, die Nutzung der Atomenergie und auch auf die Aktionen, die wir hier geplant haben".
Umweltminister Jürgen Trittin rief beide Seiten zur Besonnenheit auf. Zu einem solch tragischen Vorfall dürfe es in Zukunft nicht noch einmal kommen, sagte der Grünen-Politiker. Parteichein Claudia Roth appellierte an alle Demonstranten, jede Selbstgefährdung zu vermeiden. Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms sagte, die Lehre aus dem Unfall müsse sein, dass "auf normal schnell befahrenen Bahnstrecken solche Aktionen zu riskant sind".
Polizeigewerkschaft kritisiert fanatische Atomkraftgegner
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) übte dagegen scharfe Kritik an den Blockadeaktionen. DPolG-Funktionär Hans-Joachim Zastrow erklärte, wer die Gleise betrete, riskiere sein Leben und verantworte folgenschwere Unfälle. Der Tod des jungen Franzosen "gehe zu Lasten fanatischer Atomkraftgegner".
Der 660 Meter lange und 2.900 Tonnen schwere Castor-Zug, der in der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague gestartet war, war in der Nacht zu Montag durch Rheinland-Pfalz und Hessen gefahren.
Dabei hatte die Polizei mindestens 14 Atomkraftgegner kurzzeitig in Gewahrsam genommen. Gegen 06.00 Uhr hatte der Zug in Göttingen kurz anhalten müssen, weil sich zehn Atomkraftgegner an der Bahnstrecke aufhielten.
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(sueddeutsche.de/AP)
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