Von Christian Wernicke

Die sonst so öffentlichkeitsscheue Tochter des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy hat ein Signal für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Obama gesetzt.

Sie ist die Tochter einer Legende, und die Bürde ihres ermordeten Vaters ist ihr oft genug eine Last gewesen. Caroline Kennedy, als einzig überlebendes Kind des US-Präsidenten John F. Kennedy inzwischen die Gralshüterin einer amerikanischen Familiensaga, scheut normalerweise die Öffentlichkeit.

Barack Obama; Caroline Kennedy; AP

Caroline Kennedy: Die 50-jährige Tochter des US-Präsidenten John F. Kennedy glaubt an den jungen Senator aus Chicago. (© Foto: AP)

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Jetzt aber, da die Demokraten so erbittert wie selten um ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen streiten, hat ausgerechnet sie ein Signal gesetzt: Im Kampf zwischen Hillary Clinton, der angestammten Favoritin, und Barack Obama, dem schwarzen Senator, wird der Kennedy-Clan fortan den Neuling unterstützen. Also jenen jungen Senator aus Chicago, dessen Leidenschaft dieser Tage so viele Menschen an JFK, ihr unsterbliches Idol, erinnert.

Es sind persönliche, fast rührende Zeilen, mit denen die 50 Jahre alte Mutter dreier Kinder ihre Wahl begründet. "Zeit meines Lebens haben mir Menschen erzählt, dass mein Vater ihr Leben verändert hat," schreibt Caroline Kennedy in der New York Times, "und manchmal dauert es eine Weile, bis wir erkennen, dass da jemand diese besondere Gabe hat, uns den Glauben an uns selber zu geben."

Nun aber sei wieder ein solch befreiender Moment gekommen, endlich. Weshalb sie öffentlich einen politischen Erbschein ausstellt: Wie einst ihr Vater könne Obama ein Präsident sein, der inspiriere - "nicht nur für mich, sondern für eine neue Generation von Amerikanern."

Das sind große Worte. Zumal für eine Frau, die spektakuläre Gesten sonst meidet. Schlagzeilen macht Caroline Kennedy allenfalls, wenn sie Memorabilien der Familie bei Sotheby's versteigert. Oder als sie sich zuletzt als Spendensammlerin engagierte, um das Elend von New Yorks öffentlichen Schulen zu lindern (die eigenen Töchter und ihren Sohn schickte sie freilich auf private Lehranstalten).

Den Beinamen ihres Ehemanns Edwin Schlossberg hat sie inzwischen abgelegt. Freunde tuscheln, die Beziehung sei unter anderem an Depressionen gescheitert, die sie seit dem traumatischen Tod ihres Vaters und zumal nach dem Flugzeugabsturz ihres geliebten Bruders John F. Jr. im Jahr 1999 plagen.

Caroline war knapp sechs Jahre alt, als 1963 in Dallas die Schüsse auf den Vater fielen. Die blonde Tochter des charismatischen Präsidenten und einer obendrein vergötterten First Lady zählte damals zu den am meisten fotografierten Kindern auf dem Globus. Das machte sie scheu, flößte ihr seit jeher Misstrauen ein, ob all die Zuneigung wirklich ihr oder nur ihrer Abstammung galt.

Sie studierte Jura, ehe sie sich der Kunst und der Literatur verschrieb. Als Vorsitzende einer Stiftung verleiht sie Preise für Zivilcourage. Und ihr "Handbuch eines Patrioten", das berühmte amerikanische Lieder, Gedichte und Anekdoten bündelte, wurde ein Bestseller.

Jetzt jedoch hat sich Caroline Kennedy aufgerafft und befreit aus ihrem Dasein im Schatten. Tausende Demokraten jubelten ihr am Montag in Washington zu, als sie nach einer kurzen Rede ihrem Onkel Ted den Vortritt ließ. Der ergraute US-Senator gab Obama feierlich den Segen der Kennedys. Caroline strahlte und wirkte selig.

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(SZ vom 29.1.2008/ckn)