Cameron über Antikorruptionstreffen Cameron lästert vor laufender Kamera

Im Gespräch mit der Queen zeigt sich der britische Premier begeistert über den Besuch aus "unglaublich korrupten Ländern". Nigerias Präsident verlangt in seiner Reaktion keine Entschuldigung, sondern Geld.

Die kleine Lästergruppe hat sich mitten in einem stuckbesetzten Saal des Buckingham-Palastes zusammengefunden: Premierminister David Cameron, der Erzbischof von Canterbury und die Queen. Wobei Letztere während des gesamten Gesprächs nur stumm vor sich hin schaut. "Wir hatten ein sehr erfolgreiches Kabinettstreffen diesen Morgen, wir sprachen über die Anti-Korruptions-Konferenz", sagt Cameron. Am Donnerstag kommen in London Staats- und Regierungschefs aber auch Vertreter der Zivilgesellschaft zusammen, um über den Kampf gegen Korruption zu diskutieren.

Nach der sehr nüchternen Einleitung Camerons arbeitet der Premier nur noch mit Superlativen: Man erwarte Staatsführer aus "unglaublich korrupten Ländern", darunter Vertreter aus Nigeria und Afghanistan, den korruptesten Staaten der Welt. "Darf man annehmen, sie kommen auf eigene Kosten?", fragt John Bercow, der Sprecher des Unterhauses. "Dieser Präsident hier ist eigentlich nicht korrupt; er tut sein Bestes", sagt der Erzbischof von Canterbury wohl über den neuen nigerianischen Präsidenten Buhari. Cameron redet begeistert weiter: Nichts solle hinter verschlossenen Türen geschehen, sagt er. "Es wird ... es könnte interessant werden."

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Das Gespräch hat ein Kamerateam mitgeschnitten. Gerüchten zufolge hatte Cameron das Thema absichtlich angeschnitten, als die Kamera in der Nähe war, um Werbung für das Anti-Korruptions-Treffen zu machen. Allerdings ist die Queen wenig interessiert. Und konservative Parlamentsmitglieder nutzen den Mitschnitt, um Cameron vorzuführen. Sie erklärten, Nigeria und Afghanistan hätten 2014 mehrere Hundert Millionen Pfund an Hilfsmitteln erhalten. Die Kritiker sind grundsätzlich gegen die Auszahlung solcher Hilfen. Camerons scharfsinnige Analyse bezüglich der Korruption in den jeweiligen Ländern kommt ihnen da gelegen. So sagte der Politiker Philip Davies: "Ich bin sicher, der Premierminister hat recht. Deswegen ist es unverzeihlich, dass wir so viele Steuergelder an Länder geben, von denen er weiß, dass sie korrupt sind."

Nigerias Präsident reagierte auf die Vorwürfe, indem er Cameron zustimmte. Die BBC zitiert ihn mit den Worten, Korruption sei ein "vielköpfiges Monster" und gefährde die Sicherheit von Staaten. Er verlange keine Entschuldigung von Cameron, sondern stattdessen die Rückgabe gestohlenen Vermögens, das in britischen Banken liege.