BVB Anschlag in Dortmund: Zwei Verdächtige, eine Festnahme

  • Nach dem Anschlag auf den BVB-Bus geht die Bundesanwaltschaft von einem terroristischen Hintergrund mit möglichem islamistischem Bezug aus. Das Motiv sei noch unklar.
  • Die Polizei hat bei einer Wohnungsdurchsuchung einen 25-jährigen Iraker als Verdächtigen festgenommen. Ein 28-jähriger Deutscher ist ebenfalls verdächtig.
  • Drei am Tatort gefundene Schreiben werden kriminaltechnisch untersucht. Bei einem Schreiben aus der linken Szene haben die Ermittler erhebliche Zweifel an der Echtheit.

Die Polizei hat im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus einen Verdächtigen festgenommen. Dabei handelt es sich um einen 25-jährigen Iraker. Insgesamt gebe es zwei Verdächtige, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler, am Mittwoch in Karlsruhe. Der zweite ist ein 28-jähriger Deutscher aus Fröndenberg im Kreis Unna. Die Wohnungen der beiden Verdächtigen seien nach Angaben der Bundesanwaltschaft durchsucht worden. Es wird geprüft, ob ein Haftbefehl beantragt wird. Köhler sprach von einem terroristischen Hintergrund der Tat und möglichen islamistischen Bezügen. Das genaue Motiv sei noch unklar.

Erstmals nannte sie auch Details zu den Sprengsätzen. Diese seien mit Metallstiften bestückt gewesen und hätten eine Sprengwirkung von mehr als 100 Metern gehabt. "Wir können froh sein, dass nicht mehr passiert ist", so Köhler. Ein Metallstift bohrte sich in die Kopfstütze eines Sitzes. Es werde noch untersucht, um was für einen Zündmechanismus und welche Art des Sprengstoffes es sich gehandelt habe.

Am Dienstagabend waren gegen 19.15 Uhr drei Sprengsätze am BVB-Mannschaftsbus auf dem Weg zum Stadion explodiert. Dabei wurden der Spieler Marc Bartra sowie ein Polizist verletzt. Die Ermittler haben am Tatort drei textgleiche mögliche Bekennerschreiben mit islamistischen Inhalten gefunden, bestätigte Köhler. Diese würden weiterhin kriminaltechnisch untersucht, insbesondere unter islamwissenschaftlichen Gesichtspunkten.

In den Schreiben, wird Köhler zufolge gefordert, Tornados aus Syrien abzuziehen und die "Ramstein Air Base" zu schließen. Nach Informationen von Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR nimmt eins der Schreiben auch Bezug auf den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt.

Ein weiteres Schreiben, das am Dienstagabend im Internet auftauchte und einen linksextremen Hintergrund suggeriert, wurde ebenfalls geprüft. "Nach einer ersten Bewertung bestehen erhebliche Zweifel an der Echtheit dieser Bekennung", so Köhler.

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