Um das russisch-amerikanische Verhältnis ist es nicht gut bestellt. Präsident Bush will den zornigen russischen Staatschef bei einem privaten Treffen milde stimmen. Die Chancen stehen schlecht.
Nur keine falschen Hoffnungen! Dieser Parole gehorcht Tony Snow seit Tagen. Wer immer den Sprecher des Weißen Hauses zuletzt fragte, was sein Chef denn Bahnbrechendes vorhabe mit dem Gast aus Moskau, erhielt einen Dämpfer: "Falls Sie irgendeine große Initiative erwarten, eine kühne Erklärung - nein!"
"Thumbs up": George W. Bush bei Angeln. (© Foto: Reuters)
Anzeige
Die Begegnung von George W. Bush und Wladimir Putin sei nicht mehr als "eine Gelegenheit, miteinander ehrlich und offen zu reden." Das sind Adjektive, die Diplomaten und PR-Experten ansonsten nur ex post wählen - wenn's so richtig Streit und Zank gegeben hat zwischen den Vorgesetzten.
Washington baut vor, senkt die Erwartungen an den Gipfel gleichsam auf das Niveau des Meeresspiegels. An der malerischen Atlantikküste von Kennebunkport zu Maine hat der Bush-Clan seinen Sitz, stammrechtlich ist eigentlich Vater und Ex-Präsident George Herbert Walker Bush der Gastgeber des längst "Lobster Summit" getauften Ereignisses.
Die exklusive Einladung an diesen heimischen Ort soll Putin als persönliche Geste von Bush Jr. begreifen - ein kleines Lichtsignal in düsteren Zeiten zwischen den beiden Ländern.
Weshalb Zbigniew Brzezinski, der realpolitische Altmeister internationaler US-Politik, nun auch spottet, im Kreml habe man garantiert "schallend gelacht" über diese Einladung: "Putin hat ein Jahr lang die Vereinigten Staaten angespuckt, und was ist die Reaktion? Eine Einladung zu einem Familientreffen."
Putin beweist seine Blockademacht
Gemeint sind damit die verbalen Attacken des Russen, die Amerika zum Beispiel in die Nähe des Dritten Reichs rückten. Bush, so Brzezinski, wiederhole seinen Fehler, gegenüber Moskau nur ein persönliches Verhältnis mit dem Machthaber zu pflegen - statt eine strategische Beziehung zu Russland aufzubauen.
Deshalb habe der kalte Putin die USA doch mit Beweisen seiner Blockademacht genervt: Die Europäer, zumal die Deutschen, hetzte er gegen die geplante US-Raketenabwehr auf, im Streit um Irans verdächtiges Atomprogramm verweigerte er schärfere Sanktionen contra Teheran.
Und seit Monaten sperren sich seine Diplomaten in den Vereinten Nationen in New York gegen eine neue Resolution des Sicherheitsrats, die dem kleinen Kosovo den Weg in die ersehnte Unabhängigkeit von Serbien eröffnen soll.
Erst in der Nacht zum Freitag hat Moskau erneut einen von den USA, Großbritannien und Frankreich überarbeiteten Entwurf einer UN-Resolution für eine Unabhängigkeit der serbischen Provinz Kosovo in New York abgelehnt.
Nirgendwo auf der Welt setzen Menschen wohl so große Hoffnungen auf den "Hummer-Gipfel" wie im ärmlichen Kosovo. George W. Bush ist dort ein Held, das haben ihm bei seiner jüngsten Europareise die Nachbarn in Albanien mit frenetischem Jubel bewiesen.
Moskau wäre wütend
Denn die USA sind die treibende Kraft hinter dem Versuch, möglichst schnell in der UN die Anerkennung einer selbständigen Republik Kosovo zu verabschieden. Russland ergreift Partei für die Serben und droht mit seinem Veto, die Europäer sind innerlich gespalten: Die Briten sind einverstanden, Länder mit starken nationalen Minderheiten wie Spanien, die Slowakei und auch Griechenland bremsen. Der Rest, auch Berlin, dümpelt irgendwo in der Unentschlossenheit.
Aus Rücksicht auf die EU-Europäer mahnt Washington die Kosovaren bisher zur Geduld. Aber falls Russland bis Dezember nicht einlenkt, droht Washington mit einem anderen Weg: Dann könne die Provinz einseitig ihre Unabhängigkeit deklarieren - und die Weltmacht würde prompt die Anerkennung bescheinigen, auch ohne UN-Plazet. Belgrad und Moskau wären wütend, die EU-Staaten (trotz ihrer vielen Soldaten, Polizisten und zivilen Helfer) blamiert.
Eine solche Eskalation zu verhindern - das ist eines der Ziele des Gipfels. Tolle Schlagzeilen, so sagt ein US-Diplomat, werde Kennebunkport allerdings kaum abwerfen: "Wir wären schon zufrieden, wenn es überhaupt keine gibt."
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 30.6.2007)
Bilder des Tages
Es gibt keinen Frieden mit Leuten die glauben ihr verbrämter imperialistischer globaler Herrschaftsanspruch sei ein Segen für die Welt (USA).Russland wurde bereits angegriffen und wehrt sich jetzt wo es nur kann.Entweder nehmen sich die USA zurück, was sie nicht können(Dollar-Hegemonie) oder sie werden merken dass der Rest der Welt ihnen ihre Aktionen gut heimleuchten werden.
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB