Von Daniel Brössler

Der Abschied von George W. Bush in Meseberg: Nettigkeiten im Nirgendwo. Tapfer hält die Kanzlerin beim Besuch des US-Präsidenten ihre Strategie zwischen Nähe und Distanz durch - nun warten alle auf den Mann danach.

Am Ende greift der Präsident zum Taschentuch. George W. Bush hat soeben eine kurze Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel absolviert und nun, während beide zum Mittagessen schreiten, holt er das Tüchlein aus der Hosentasche. Tränen sind es nicht, die er trocknen muss. Der Präsident putzt sich nur die Nase. Ohne große Emotionen, ohne große Gesten geht Bushs Abschiedsbesuch zu Ende.

Bush, Merkel

Was kommt nach Bush? In Berlin warten alle auf den neuen Mann. Auch Angela Merkel. (© Foto: dpa)

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Angela Merkel hat den US-Präsidenten ins Schloss Meseberg geladen, in jene brandenburgische Abgeschiedenheit, die eine britische Radiojournalistin ihren Hörern als "mitten im Nirgendwo" beschreibt. Viele aus dem Pressepulk des Weißen Hauses nehmen den Weg in die deutsche Pampa erst gar nicht auf sich und vertreiben sich die Zeit bis zum Weiterflug von Air Force One nach Rom in einem eigens eingerichteten Pressezentrum in Berlin. Nicht einmal Globalisierungsgegner, Kriegskritiker und Autonome vermag Bush noch hervorzulocken.

Gewohnt verkniffenes Lächeln

Nur in einem Örtchen namens Keller, fünf Kilometer vor Meseberg, haben sich auf einem Acker zwischen ein paar Treckern zwei Dutzend Demonstranten versammelt. Sie halten rote Karten in die Höhe und haben auf Schilder gemalt: "Bauern wollen Bauern bleiben." Die Landwirte protestieren gegen die Agrarpolitik und nutzen den Medienauftrieb. Bush interessiert sie nicht.

Elf Mal in zweieinhalb Jahren ist Angela Merkel dem Präsidenten begegnet. Als "freundschaftlich, direkt und auch sehr konstruktiv", beschreibt sie nun vor Schloss Meseberg das Verhältnis zu dem Mann aus Texas, der mit dem gewohnt verkniffenen Lächeln neben ihr steht. Die Formulierung klingt gezwungen und ist es auch - so gezwungen wie das als so freundschaftlich gepriesene Verhältnis zu Bush. Im Umgang mit dem Amerikaner hatte die Kanzlerin nämlich von Beginn an ein Problem.

Spargel oder Guantanamo

Einerseits wollte sie zeigen, dass sie es besser kann als Gerhard Schröder, der sich wegen des Irak-Kriegs mit Bush überwarf wie kein Kanzler mit einem US-Präsidenten seit Bestehen der Bundesrepublik.

Andererseits wusste sie um das verheerende Image des Texaners in Deutschland, wo er einen Beliebtheitswettbewerb gegen den Simbabwer Robert Mugabe oder den Weißrussen Alexander Lukaschenko nicht ohne Weiteres für sich entscheiden würde. Merkel entschied sich in dieser Lage für eine Mischung aus Nähe und Distanz. Sie grillte mit Bush Wildschwein an der Ostsee, kam zum Barbecue auf die Prairie Chapel Ranch. Immer wieder aber entzog sie sich Bushs Umarmungen, antwortete auf amerikanisches Pathos mit trockener Nüchternheit.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, dass Bush bis zum Ende keine neuen Wesenszüge oder Einsichten erkennen lässt.

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