Der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg setzt derweil seinen Afghanistanbesuch gemeinsam mit Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in Kundus fort. In dem deutschen Feldlager in einer Unruheprovinz gedachten sie am Ehrenhain der gefallenen deutschen Soldaten. Im April waren insgesamt sieben deutsche Soldaten bei zwei Angriffen der Taliban getötet worden, drei davon waren in Kundus stationiert.
Bild vergrößern
Zu Besuch in Afghanistan: Verteidigungsminister Guttenberg spricht am Samstag, 28. August2010 im Feldlager Marmal der Bundeswehr in Masar-i-Sharif Afghanistan, zu deutschen Soldaten. Auf seinem Besuch begleitet ihn Bundestagspräsident Lammert (CDU). (© dpa)
Anzeige
Für die internationale Schutztruppe Isaf ist 2010 das bisher verlustreichste Jahr. Mit 465 Soldaten wurden in den ersten acht Monaten bereits fast genauso viele Soldaten getötet wie im gesamten Vorjahr. Wie die Isaf am Sonntag mitteilte, kamen bei Angriffen radikal-islamischer Aufständischer in Afghanistan erneut vier Soldaten der Internationalen Schutztruppe ums Leben. Nach Informationen der Truppe starben zwei Soldaten im Süden des Landes. Zwei weitere wurden im Osten getötet. Einzelheiten wurden nicht bekannt. Auch zur Nationalität der Toten machte die Isaf wie üblich keine Angaben.
Lammert und Guttenberg informierten sich in Kundus auch über das neue Ausbildungs- und Schutzbataillon mit 650 Soldaten, das ab Anfang September einsatzbereit ist und gemeinsame Operationen mit den afghanischen Streitkräften planen, durchführen und nachbereiten soll. Mit dieser neuen Strategie soll die Ausbildung der afghanischen Soldaten verbessert und beschleunigt werden. Ein zweites Bataillon soll im Herbst folgen.
Lammert und Guttenberg waren bereits am Samstagabend im Hauptquartier für Nordafghanistan in Masar-i-Scharif eingetroffen. Der Bundestagspräsident hatte der Truppe dort die Rückendeckung des Parlaments zugesichert. "Der Bundestag weiß, dass er sich auf die Bundeswehr verlassen kann, und Sie sollten wissen, dass Sie sich auf den Deutschen Bundestag verlassen können", sagte er vor mehreren hundert Soldaten.
Es ist die erste Afghanistanreise Lammerts seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren. Guttenberg besucht das Land bereits zum fünften Mal in zehn Monaten. Der Verteidigungsminister mahnte erneut eine realistische Betrachtung des Einsatzes und mehr Aufmerksamkeit für die gefährliche Aufgabe der Soldaten an. Im Sommer habe er das Gefühl gewonnen, dass es in Deutschland wieder "etwas ruhiger in der Betrachtung Afghanistans" geworden sei.
Guttenberg warb bei den Soldaten auch um Verständnis für die von ihm geplante Reform der Streitkräfte. Die Bundeswehr werde künftig "stärker und besser" sein, sagte er. Er verwies darauf, dass heute bei einer Truppenstärke von rund 250.000 Soldaten deutlich unter 10.000 gleichzeitig im Einsatz sein können. Diese Zahl will der Minister trotz einer drastischen Verkleinerung der Truppe deutlich erhöhen.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Verteidigung RSS
- Reform der Bundeswehr Ja zur Berufsarmee 25.08.2010
- Reform der Bundeswehr Ersatz für den Ersatzdienst 24.08.2010
- Anstatt Wehrpflicht CDU will neuen Pflichtdienst - auch für Frauen 26.08.2010
- Verteidigungsminister Guttenberg Die Geduldsprobe 24.08.2010
- Reform der Bundeswehr Zu viele Häuptlinge, zu wenige Indianer 24.08.2010
- Prozess gegen Jacksons Leibarzt Zeugenaussagen zugunsten Conrad Murrays 25.10.2011
- Gesetzentwurf des Bundeskabinetts Verletzte Soldaten sollen höhere Entschädigung erhalten 31.08.2011
(sueddeutsche.de/afp/dpa/dgr/bgr)
Stockender Kita-Ausbau