Die Bundeswehr soll in Afghanistan das erste Mal einen Kampfverband übernehmen - und es gibt sofort Kritik am geplanten Einsatz. Afghanistans Präsident Hamid Karsai äußert sich skeptisch über neue Truppen im Land.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat sich skeptisch über die geplante Verstärkung ausländischer Truppen in seinem Land geäußert. "Ich bin nicht sicher, ob die Entsendung weiterer Truppen die richtige Antwort wäre", sagte Karsai der Tageszeitung Die Welt.

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"Für uns findet der Krieg nicht hier, sondern anderswo statt", sagte der Präsident. Wichtiger als das militärische Vorgehen gegen Terroristen sei es, sich auf die Zufluchtsstätten und Ausbildungslager zu konzentrieren.

"Afghanistan ist keine Zufluchtsstätte. Es war eine, aber wir haben es uns zurückgeholt", sagte Karsai. Mehr als alles andere brauche sein Land Hilfe beim Aufbau "unseres Humankapitals und unserer Institutionen", so Karsai.

Es gehe etwa um die Armee, die Polizei, die Beamten und Richter. "Wir müssen unseren institutionellen Standard heben", sagte Karsai.

Am Dienstag war beim Verteidigungsministerium in Berlin eine Anfrage der Nato eingegangen, Verantwortung für Kampfverband in Nordafghanistan zu übernehmen.

Die Allianz bat um die Entsendung einer schnellen Eingreiftruppe, die bislang von Norwegen gestellt wird. Damit steht die Bundeswehr vor ihrem ersten Einsatz mit einem Kampfverband für die Nato.

Die sich Entsendung einer schnellen Eingreiftruppe nach Nordafghanistan darf aus Sicht der Grünen nicht zu einer Ausweitung des deutschen Einsatzes in den umkämpften Süden des Landes führen. Die sogenannte Quick Reaction Force (QRF) "darf kein Türöffner für die Bundeswehr in den Süden sein", sagte der Grünen-Verteidigungspolitiker Winfried Nachtwei der Leipziger Volkszeitung.

Es sei von entscheidender Bedeutung, "dass die Bundesregierung die Einhaltung der bisherigen Mandatsgrenzen garantiert". Die schnelle Eingreiftruppe dürfe nur zur Stabilisierung und Unterstützung im Norden Afghanistans eingesetzt werden, nicht aber zur "offensiven Aufstandsbekämpfung".

Kritik an der Truppenausrüstung

Unterdessen hat der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, die Ausrüstung der Bundeswehr in Afghanistan kritisiert. Mit Blick auf die Forderung der Nato nach einer von Deutschland gestellten schnellen Eingreiftruppe im Norden Afghanistans sagte er: "Die Eingreifkräfte der Bundeswehr verfügen bisher nicht über funktionierende Geräte, mit denen sie mit den Verbündeten in Afghanistan kommunizieren könnten."

Zuvor hatte Gertz bereits mit drastischen Worten vor einer völlig neuen Qualität des Einsatzes gewarnt. "Ich hoffe, es geschieht nicht, aber wir müssen damit rechnen, dass nach einem solchen Kampf auch Kameraden in Holzkisten zurückkommen", hatte er in einem Interview gesagt.

In der Passauer Neuen Presse verlangte Gertz von Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) eine umgehende Behebung der Mängel: "Hier muss der Verteidigungsminister investieren."

Auch fehlten Gefechtsfahrzeuge, die mit dem Hubschrauber CH-53 transportiert werden können, sagte Gertz. Hier setze die Bundeswehr auf die Hilfe des norwegischen Militärs, von dem gepanzerte Wiesel-Fahrzeuge und die entsprechenden Mörsergranaten übernommen würden.

Gertz forderte die Politik auf, den Einsatz als das zu bezeichnen, was er sei: "Wenn hier deutsche Soldaten aus der Gewalt der Taliban befreit werden müssten, ist das zweifellos ein Kampfauftrag", sagte der Oberst und wies auf die möglichen Risiken hin: "Jedem sollte auch klar sein, dass es bei diesen Einsätzen auch zu Verlusten auf der Seite der Gegner, aber auch auf der eigenen kommen kann." Ein neues Mandat sei nicht erforderlich, da "solche Schutzaufträge" Bestandteil des bisherigen Mandats seien.

Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, sieht ebenfalls "gravierende Ausrüstungsdefizite". So gebe es keine durchgehende, weiträumige Aufklärungskapazität zur Versorgung der Truppe mit Informationen in Echtzeit, sagte er dem Hörfunksender NDR Info.

Außerdem fehle ein modernes, leistungsfähiges Führungs- und Informationssystem. Zudem mangele es an Waffensystemen, um Gegner auf größere Distanzen bekämpfen zu können.

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(AP/AFP/dpa/gdo/bavo)