Bundeswehr-Skandal Ausbilder fristlos entlassen

Auch in den USA löste der Vorfall Empörung aus: In einem im Internet verbreiteten Privat-Video hatte ein Offizieranwärter einen Rekruten am Maschinengewehr aufgefordert, sich Afroamerikaner aus der Bronx als Ziele vorzustellen und sie zu beschimpfen. Jetzt hat die Bundeswehr Konsequenzen gezogen.

Nach der Entgleisung bei der Ausbildung von Rekruten in Rendsburg wird der verantwortliche Soldat fristlos entlassen. Mit Ablauf des Tages werde sein Dienstverhältnis aufgelöst, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag in Berlin mit. Er verliere seinen Dienstgrad und Anspruch auf Dienstbezüge.

Inzwischen ermittelt auch die zuständige Kieler Staatsanwaltschaft. "Wir haben ein Verfahren eingeleitet, um zu prüfen, ob der Tatbestand der Volksverhetzung gegeben ist", sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick am Dienstag in Kiel.

Der Fahnenjunker hatte im Juli 2006 einem Rekruten ein fiktives "Feuern" auf Afroamerikaner im New Yorker Stadtteil Bronx befohlen. Ein weiterer Vorgesetzter filmte die Szene. Gegen ihn werde weiter ermittelt, sagte der Ministeriumssprecher.

Die Entlassung des Mannes, der Anfang 20 sei, erfolge nach Paragraf 55 des Soldatengesetzes. Danach sei bei einem Soldaten auf Zeit in den ersten vier Dienstjahren eine fristlose Entlassung möglich, wenn er seine Dienstpflicht schuldhaft verletzt hat und sein Verbleiben im Dienstverhältnis die militärische Ordnung oder das Ansehen der Bundeswehr ernstlich gefährden würde.

Einladung nach New York

Wegen des Skandal-Videos hat der Bürgermeister der Bronx die deutsche Bundeswehr in den New Yorker Stadtteil eingeladen. Sollte sie eine Abordnung schicken, sei er gern für sie da, sagte Adolfo Carrión der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post (Dienstagausgabe). "Ich werde sie herumfahren, damit sie sehen, wie die Bronx wirklich ist", erklärte er.

Carrión, ein 46-jähriger ehemaliger Pfarrer, betonte erneut seine Empörung über die deutschen Soldaten: "Das ist barbarisch. Ganz klar, diese Burschen wissen gar nichts, weder über Afroamerikaner noch über die Bronx." Carrión forderte, Deutschland müsse die Menschen seines Viertels um Verzeihung bitten.