Zwei deutsche ISAF-Soldaten sind tot - umgekommen bei einem Selbstmordanschlag. Nun fordern Verteidigungsexperten einen höheren Sold für Einsätze in Afghanistan.

Nach dem jüngsten Selbstmord-Anschlag auf die Bundeswehr in Afghanistan mit zwei Toten haben mehrere Politiker höhere Bezüge für Soldaten im ISAF-Einsatz gefordert. Der CDU-Verteidigungsexperte Henning Otte sagte der Bild-Zeitung vom Freitag: "Eine Anpassung des Auslandsverwendungszuschlags an die erheblich gestiegene Gefahrenlage ist absolut notwendig." Die FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff nannte eine Erhöhung des Zuschlags "ein spürbares Signal der Anerkennung und Unterstützung für den lebensgefährlichen Einsatz".

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Die Alexanderkirche in Zweibrücken am Freitag: Bundeswehrsoldaten trauern um ihre getöteten Kameraden. (© Foto: ddp)

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Bessere Bezahlung für hohes Risiko

Auch der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, sprach sich für eine Änderung der Besoldung aus. "Soldaten, die in Gefahrengebieten wie in Afghanistan ein besonderes Risiko tragen, müssen künftig auch besser bezahlt werden", sagte er der Bild-Zeitung. Auch FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sieht diese Notwendigkeit. "Jeder weiß, wie gefährlich der Soldatenberuf ist und wie unumgänglich die Auslandseinsätze für unsere Sicherheit sind." Daher sei es notwendig, die Bezahlung so zu gestalten, dass der Soldatenberuf "auch in Zukunft attraktiv ist und die Besten begeistert".

92 Euro pro Tag, steuerfrei

Der derzeitige Zuschlag für die Teilnahme am Afghanistan-Einsatz liegt nach Angaben des Verteidigungsministeriums bei steuerfreien 92 Euro pro Tag. Die Höhe werde regelmäßig überprüft, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag in Berlin. Er könne daher nicht ausschließen, dass sich der Satz ändere. Das Ministerium begrüße es, wenn die besonderen Belastungen öffentlich wahrgenommen und diskutiert würden.

Die Linke bekräftigte ihre Ablehnung von Auslandseinsätzen generell: "Eine Erhöhung des Zuschlags für Soldaten im Auslandseinsatz macht keinen Toten lebendig," erklärte die Linkspartei-Abgeordnete Inge Höger in Berlin. Die Politik der Bundeswehr, "immer mehr Soldaten in immer gefährlichere Kriegseinsätze im Ausland zu schicken", werde dadurch nicht richtig. Höger ist Mitglied im Verteidigungsausschuss.

Verteidigungsminister spricht von "Gefallenen"

In Zweibrücken wurden am Freitag die beiden Opfer des Anschlages in Afghanistan in einer Trauerfeier gewürdigt. Sie seien "gefallen im Einsatz für den Frieden," sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung. Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit des Einsatzes am Hindukusch.

Der 25-jährige Stabsunteroffizier Patrick Behlke und der 22-jährige Stabsgefreite Roman Schmidt waren am Montag in der Nähe von Kundus getötet worden, als sie ein Waffenversteck ausheben wollten. Bei der Trauerfeier am Heimatstandort ihres Fallschirmjägerbataillons sagte Jung: "Ich verneige mich in Dankbarkeit und Anerkennung vor den Toten, die für unser Land im Einsatz für den Frieden gefallen sind."

Außer ihnen waren fünf afghanische Kinder in den Tod gerissen worden. Zwei weitere Soldaten wurden verletzt. Die radikal-islamische Taliban hatte sich zu dem Anschlag bekannt. Jung sagte: "Es braucht Männer und Frauen, die sich mit ganzer Kraft für die Würde des Menschen, für Frieden und Freiheit einsetzen und dabei Risiken für sich selbst in Kauf nehmen." Er sprach in seiner Rede mehrfach davon, dass die Soldaten "gefallen" seien. Bei der letzten Trauerfeier für einen ebenfalls in Afghanistan getöteten Hauptfeldwebel Anfang September verwandte er noch Formulierungen wie "aus dem Leben gerissen" und "ums Leben gekommen".

"Absoluter Schutz ist nicht möglich"

Der Bundeswehrverband verlangt seit einiger Zeit eine präzisere Ausdrucksweise im Zusammenhang mit dem Einsatz in Afghanistan. Nach dem Empfinden des Verbandsvorsitzenden Bernhard Gertz findet in Afghanistan ein "Krieg" statt, bei dem Soldaten "fallen". Jung hat vor allem die Verwendung des Wortes Krieges in dem Zusammenhang stets abgelehnt und spricht von einem bewaffneten Konflikt.

In seiner Trauerrede bekräftigte er, beim Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan gingen militärisches und ziviles Engagement Hand in Hand. Den Einsatz als solchen rechtfertigte er damit, dass Risiken und Bedrohungen weder Länder noch Grenzen kennen: "Entweder bekämpfen wir den Terror in Afghanistan oder der Terror kommt zu uns." Die Soldaten würden für ihre Aufgabe gut ausgebildet und ausgerüstet. Aber selbst "bei bester Vorsorge sind absolute Sicherheit und absoluter Schutz nicht möglich", räumte er ein.

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(sueddeutsche.de/AP/AFP/jkr)