Dem Fernsehsender RTL sind weitere Fotos deutscher Soldaten aus dem Jahr 2004 zugespielt worden - auch darauf posieren die Männer mit einem Totenkopf.
Das Foto zeigt einen deutschen Panzergrenadier in Afghanistan. Er steht aufrecht, hat den Ärmel des Hemdes hochgekrempelt und küsst einen Totenschädel, der auf dem Bizeps seines linken Oberarms liegt.
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Von hinten schaut ihm ein Kamerad zu. Auf einem anderen Foto posiert ein Soldat vor einem Geländewagen, auf dessen Fronthaube als eine Art Kühlerfigur ein Totenschädel zu sehen ist.
Ob es sich um denselben Schädel wie auf dem ersten Bild handelt, ist nicht zu erkennen.
Die Totenkopf-Fotos zeigte am Donnerstagabend der TV-Sender RTL in seiner Nachrichtensendung um 18.45 Uhr. Moderator und RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel sagte, die "Schock-Fotos" seien dem Sender "aus Bundeswehr-Kreisen" zugespielt worden.
Die RTL-Bilder, die mit einer Digitalkamera aufgenommen wurden, stammen angeblich vom 11. März 2004. Demnach wären sie deutlich später als die in der Bild-Zeitung veröffentlichten Bilder entstanden, die angeblich im Frühjahr 2003 bei einer Patrouillenfahrt nahe Kabul aufgenommen wurden.
Scheußlichkeit, fast in Serie
Der Verdacht drängt sich auf, dass die mutmaßliche Totenschändung durch Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan kein Einzelfall war, sondern dass es sich um eine Scheußlichkeit handelte, die fast in Serie passierte.
Nach der Veröffentlichung der Schändungsfotos schließen deutsche Nachrichtendienstler eine Eskalation der Lage am Hindukusch nicht aus. Einer der Beamten sagte der Süddeutschen Zeitung, die Veröffentlichung sei "fast so unverantwortlich wie die Tat selbst".
Die "Bild-Leute und die Fernsehjournalisten", wüssten "gar nicht, was sie anrichten". Die Veröffentlichung könne zu konkreten Gefährdungen für deutsche Soldaten in Afghanistan führen.
Vertreter beider Medien hatten die Bilder vor der Veröffentlichung Vertretern des Verteidigungsministerium gezeigt und die Echtheit überprüft. Für den Deutschen Journalisten-Verband (DJV) sind die Pressebilder der Totenschändung "ein Dokument der Zeitgeschichte" und somit sei die Veröffentlichung "rechtlich und journalistisch einwandfrei".
DJV-Vorsitzender Michael Konken verglich im Gespräch mit einer Nachrichtenagentur die Totenschädel-Fotos mit den Bildern, die vor zwei Jahren von Folterungen durch US-Soldaten im irakischen Gefängnis Abu Ghraib erschienen waren.
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(SZ vom 27.10.2006)
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