Ein Kommentar von Peter Blechschmidt

Der jüngste Todesfall zeigt, dass der Einsatz in Afghanistan weit mehr Opfer fordern wird - und dass die Politik nur halbherzig dahinter steht.

Der Kanzlerin war der Tod des Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan am Mittwoch drei Sätze wert. Sie sei tief erschüttert, spreche den Angehörigen ihr Beileid aus und wünsche den Verwundeten baldige Genesung, ließ Angela Merkel ihren Sprecher verkünden. Verteidigungsminister Franz Josef Jung trat immerhin noch selbst vor die Fernsehkameras und wirkte ehrlich betroffen.

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Für die Soldaten sind Verwundung und Tod inzwischen sehr reale Bestandteile ihres Denkens und Handelns. Die überaus routinierte Reaktion auf die Todesnachricht vom Mittwoch lässt befürchten, dass die Politiker, aber auch viele Medien, sich bereits damit abgefunden haben, was die Kundigen schon seit langem voraussagen: dass der Einsatz in Afghanistan weit mehr Opfer fordern wird als bisher.

Das steht im Einklang mit der Halbherzigkeit, mit der die verantwortlichen Politiker von Merkel über Außenminister Frank-Walter Steinmeier bis zu Verteidigungsminister Jung ihre Afghanistan-Politik vor der Öffentlichkeit vertreten. Jüngstes Beispiel ist die Art und Weise, wie Berlin mit der Bitte der Nato um Entsendung von Awacs-Aufklärungsflugzeugen nach Afghanistan umgeht.

Die Kanzlerin ist verärgert, dass diese Anfrage überhaupt bekannt wurde, und sie lässt in Brüssel auf Zeit spielen. Offenkundig ist schließlich die Unfähigkeit, dem ständigen Gerede von einer neuen Strategie für Afghanistan auch Taten folgen zu lassen. Gewiss: In einer Demokratie und in einem multinationalen Bündnis wie der Nato Entscheidungen herbeizuführen, ist ein mühsames Unterfangen. Die Soldaten im Einsatz aber verdienen es, dass dieses Bemühen konsequenter vorangetrieben wird.

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(SZ vom 29.08.08/vb)