Bundeswehr in Afghanistan Minister Sprachlos

Wenn Soldaten getötet werden, ist der Posten des Verteidigungsministers der schwierigste. Franz Josef Jung ist dieser Aufgabe nicht gewachsen.

Ein Kommentar von Nico Fried

Wenn in Afghanistan deutsche Soldaten getötet werden, ist der Posten des Verteidigungsministers der schwierigste in der Regierung. Er trägt die Verantwortung gegenüber den Angehörigen, aber auch gegenüber der Öffentlichkeit. Franz Josef Jung ist dieser Aufgabe nicht gewachsen.

Franz Josef Jung: Nur mit Durchhalteparolen überzeugt man die Bürger nicht.

(Foto: Foto: ddp)

Es ist zwar respektabel, dass er sich jedes Mal wieder auf allen Kanälen den drängenden Fragen stellt. Aber die Antworten, die er gibt, und die Art, wie er sich präsentiert, sind diesem schwierigen Unterfangen nicht dienlich.

Um es klar zu sagen: Es kann keinen Zweifel geben, dass Jung der Tod der Bundeswehr-Soldaten sehr nahegeht.

Trotzdem ist man bis an die Schmerzgrenze verstört, wenn der Minister diese Betroffenheit wie auswendig gelernt vorträgt; wenn er von Anschlägen spricht, die "durchgeführt" wurden, als handele es sich um Verwaltungsakte; wenn er den Ansatz der vernetzten Sicherheit im Munde führt, aber kaum jemand recht kapiert, was damit gemeint ist. Die Skepsis in der Bevölkerung ist groß. Nur mit Durchhalteparolen aber überzeugt man die Bürger nicht.

Jungs Schwäche verdeutlicht in eklatanter Weise die Sprachlosigkeit der ganzen Regierung.

Ja, die Kanzlerin hat in ihrer Haushaltsrede einige Absätze Afghanistan gewidmet. Ja, der Außenminister hat zur Mandatsverlängerung gesprochen. Aber reicht das, gemessen an dem, was sich in Afghanistan ereignet, ob man es nun Krieg nennt oder nicht?

Krisenmanagement ist auch Öffentlichkeitsarbeit - wer wüsste das besser als diese Regierung nach dem Finanzdesaster. Wenn Ähnliches zu Afghanistan nicht geschieht, gibt es nur zwei Erklärungen: Die Regierung sieht die Krise nicht, oder es fehlt ihr am Management.