Von O. Das Gupta

Nach dem tödlichen Gefecht klagen Soldaten über schlechte Ausbildung. Sie meinen, die Truppe könne sich nicht verteidigen - wegen des Falls Oberst Klein.

Unverhohlen machte der Verteidigungsstaatssekretär seinem Unmut Luft: "Wir führen eine kriegerische Auseinandersetzung", erklärte Christian Schmidt, in Afghanistan gehe es "nicht nur um Brunnen bohren". Politik und Öffentlichkeit hätten sich in den ersten Jahren des Einsatzes etwas vorgemacht, sagte der Christsoziale der Passauer Neuen Presse.

Bundeswehr Afghanistan Kundus Taliban Reuters

Gefährliche Mission fern der Heimat: Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (© Foto: Reuters)

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Den Zeitraum hätte Schmidt ruhig ausdehnen könne, vom Beginn des deutschen Engangements 2002 bis in den Spätherbst 2009. So lange scheuten nämlich die politisch Verantwortlichen den Konflikt am Hindukusch beim Namen zu nennen: "Kriegsähnliche Zustände", erkannte der damals neu ins Amt gekommene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Afghanistan, vor wenigen Tagen redete der CSU-Politiker erstmals kurz und bündig von "Krieg".

Guttenbergs Statement kam, nachdem die Taliban am Karfreitag die Bundeswehr in einen Hinterhalt gelockt hatten - drei Deutsche starben.

Bei der Truppe wurde es begrüßt, dass der Minister Klartext redete. Auch der Bundeswehrverband ist froh, dass sich die Politik "nicht hinter Beschönigungen versteckt", wie Pressesprecher Wilfried Stolze im Gespräch mit sueddeutsche.de sagt.

Mit Nennung des K-Worts konnte Guttenberg nicht die Diskussion um die Mission in Zentralasien beenden - er befeuerte sie ebenso wie Reinhold Robbe. Der scheidende Wehrbeauftragte kritisierte mit Blick auf die Lage in Afghanistan, dass das Training für Gefechtssituationen unzureichend sei.

Der Sozialdemokrat hatte die Seedorfer Fallschirmjäger, die von den Taliban am Karfreitag eingekesselt wurden, bei ihrer Verabschiedung in den Afghanistan-Einsatz besucht. "Die Soldaten haben mich darauf hingewiesen, dass es Defizite bei der Ausbildung gibt", erinnert sich Robbe.

Soldaten klagen über Defizite in der Ausbildung

Der Bundeswehrverband bestätigt die Causa: Infanteristen und Fallschirmjäger hätten von solchen Ausbildungsdefiziten berichtet. "Das Auf- und Absitzen" am Dingo - Fahrzeuge dieses Typs waren in das Gefecht am Karfreitag verwickelt - konnte beispielsweise nicht geübt werden.

Wie sueddeutsche.de erfuhr, meinen einige Soldaten, der für den Balkan konzipierte Dingo sei in Afghanistan als "Kampffahrzeug ungeeignet". Beim Militär ist man trotzdem froh, den Dingo zu haben: Das Fahrzeug hätte das Leben etlicher Soldaten gerettet, meint der Bundeswehrverband.

Nicht das richtige Gerät, nicht die passenden Fertigkeiten: Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes gibt es ähnliche Klagen. So monierte 2006 der Abschlussbericht des 10. Bundeswehrkontingents, viele Soldaten seien mit den Waffensystemen nicht vertraut: "Aufgrund fehlender Ausbildung kam es anfangs wiederholt zu ungewollten Schussabgaben, die teilweise lebensbedrohlich waren."

Im Jahr 2007 berichtete der Tagesspiegel von Versorgungsengpässen: Wichtige Ersatzteile und sogar Munition von Pistolen seien erst Wochen nach der Bestellung bei der Truppe in Afghanistan angekommen. Es fehle "an allen Ecken und Enden". Soldaten beklagten damals sogar, nicht ausreichend für einen möglichen Angriff der Taliban auf die Lager Kundus, Faizabad und Mazar-i-Scharif gerüstet zu sein.

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