Nach dem jüngsten Anschlag in Afghanistan hat Verteidigungsminister Jung die dort stationierten Truppen verteidigt- sie seien Attentätern gegenüber oft wehrlos.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung hat eine Schwäche der Bundeswehr gegenüber Selbstmordattentätern in Afghanistan eingeräumt.

Franz-Josef Jung; Reuters

Warnt vor einem Abzug der deutschen Isaf-Soldaten aus Afghanistan: Bundesverteidigungsminister Jung. (© Foto: Reuters)

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Patrouillen und Missionen zur Auffindung von Waffenlagern würden zwar verstärkt geschützt, aber "gegen solche hinterhältigen und feigen Anschläge" seien die Soldaten oft wehrlos, wenn sie nicht vorher Informationen erhielten, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in Berlin.

Am Montag waren zwei Bundeswehrsoldaten und fünf afghanische Kinder bei einem Selbstmordanschlag in der Region Kundus getötet worden, zwei weitere Soldaten und ein Kind wurden verletzt. Einer der Verletzten soll am Mittwoch nach Deutschland in ein Bundeswehrkrankenhaus gebracht werden. Der zweite könne in Kundus weiter behandelt werden. Der Zustand des schwer verletzten Kindes sei stabil.

Trauerfeier am Mittwoch

Zugleich betonte Jung, ein Abzug der deutschen Isaf-Soldaten aus Afghanistan wäre "ein schwerer Fehler". Ein Rückfall Afghanistans in ein Ausbildungslager für Terroristen und mit Herrschaft der Taliban würde auch die Bürger in Deutschland zusätzlich bedrohen.

Die Bundeswehr sorge für eine "vernetzte Sicherheit" in Afghanistan, betonte der Minister. Die Soldaten müssten helfen, schützen und vermitteln, gegebenenfalls aber auch kämpfen, um Sicherheit zu gewährleisten. Jung fügte hinzu, es gebe überhaupt keinen Zweifel, dass die Bundesregierung allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hinter dem Bundeswehrmandat stehe.

Für die beiden Toten, einen 25-jährigen Stabsunteroffizier und einen 22-jährigen Stabsgefreiten, die in Zweibrücken stationiert waren, soll ebenfalls am Mittwoch in Afghanistan eine Trauerfeier stattfinden. Anschließend sollen sie nach Deutschland übergeführt werden. Ort, Zeit und Umstände der hiesigen Trauerfeier wurden laut Jung noch nicht festgelegt.

Der Attentäter hatte sich mit dem Fahrrad den Soldaten genähert. Sie waren mit sieben Fahrzeugen unterwegs, eines davon, ein Mungo-Kleinlastwagen, wurde von dem Sprengsatz des Attentäters getroffen. Die Mission galt einem Waffenlager, auf das die Soldaten aus der Bevölkerung Hinweise erhalten hatten. Sie hatten auch zwei Raketen gefunden.

Jung bezeichnete es als Spekulation, dieser Hinweis könne eine Falle gewesen sein. Er ergänzte, die Aufklärungsaktivitäten im Land seien mit der sich verschärfenden Gefährdungslage verstärkt worden. Es habe bereits mehrfach hilfreiche Ratschläge aus der Bevölkerung gegeben, die zur Entdeckung teils umfangreicher Waffenlager geführt hätten. Jung nannte einen Fund von zehn Lastwagen voller Waffen und einen von 1000 Mörserhandgranaten.

Für solche Missionen und Patrouillen seien vor einiger Zeit verstärkte Schutzmaßnahmen angeordnet worden. Die Opfer des Anschlages vom Montag seien genau diese Verstärkungskräfte gewesen. Dank eines Arzttrupps in dem Konvoi hätten die Verletzten aber sofort versorgt werden können.

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(AP/cag/gdo)