Die Bundesregierung schickt 500 zusätzliche Soldaten - und beschließt eine neue Strategie für Afghanistan. Deutsche Soldaten werden unter höherem Risiko arbeiten müssen.
Die neue Strategie für die Bundeswehr in Afghanistan erhöht das Risiko für die Soldaten. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kündigte am Montag an, die Bundeswehr solle "mehr Präsenz in der Fläche" zeigen. Dazu gehört auch, mit afghanischen Einheiten in Kampfeinsätze zu gehen. Die neue Maßgabe ist Teil des Gesamtkonzepts, mit dem die Bundesregierung am Donnerstag in die internationale Afghanistan-Konferenz in London gehen will.
Soldaten des Charly-Zugs der Schutzkompanie der Bundeswehr sind in Kundus in Afghanistan auf Patrouille unterwegs. (© Foto: AP)
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Das Konzept sieht nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vor, das Bundeswehr-Kontingent um 500 Mann aufzustocken. Zudem soll die Zahl der Polizeiausbilder verdreifacht und die Entwicklungshilfe verdoppelt werden. Endgültig verabschiedet werden sollte das Verhandlungspaket für London am Montagabend in einer Ministerrunde unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
"Echt perspektivisch"
Dazu waren die zuständigen Ressortchefs Guido Westerwelle (Außen), Karl-Theodor zu Guttenberg (Verteidigung), Thomas de Maizière (Innen) und Dirk Niebel (Wirtschaftliche Zusammenarbeit) ins Kanzleramt gebeten. Konkrete Entscheidungen sollen nach Angaben von Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans jedoch erst im Lichte der Londoner Ergebnisse getroffen werden.
Verteidigungsminister zu Guttenberg sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der von ihm entwickelte Strategiewechsel lege den Schwerpunkt darauf, die Bevölkerung zu schützen, afghanische Sicherheitskräfte auszubilden und die zivile Aufbauhilfe zu verstärken und zu sichern. Dazu gehöre, dass sich die Bundeswehr auch außerhalb ihrer Feldlager an der Ausbildung beteilige.
Der Minister räumte ein, dass Präsenz in der Fläche auch bedeute, dass Soldaten unter Feuer kommen könnten und sich wehren müssten. Nähe zur Bevölkerung heiße jedoch "nicht automatisch mehr Risiko für die Soldaten", fügte Guttenberg hinzu.
CSU-Chef Horst Seehofer sagte in München, der Einsatz sei nun "echt perspektivisch" angelegt, insofern sei er "sehr einverstanden" damit. Auch die geplante Entsendung zusätzlicher deutscher Soldaten könne er nun mittragen.
Neue Kampftruppen sind für die SPD tabu
Der Bundeswehrverband hat Bedenken gegen die neue Strategie an. Er sehe eine Gefahr in der schwachen Disziplin der afghanischen Armee, sagte Verbandssprecher Wilfried Stolze. Immer wieder ließen sich Afghanen von der Nato ausbilden und liefen dann zu den Taliban über.
Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel machte in Berlin klar, dass die SPD zwar über eine maßvolle und zeitlich begrenzte Aufstockung des Kontingents mit sich reden lasse, nicht aber über mehr Kampftruppen. Nach Sitzungen von Präsidium und Vorstand sagte Gabriel, das Nein der SPD beziehe sich nicht auf zusätzliche Ausbilder. In Gesprächen mit Merkel werde die SPD ihre Forderung nach einem Abzug der Bundeswehr bis spätestens 2015 einbringen.
Die Außenminister der EU-Staaten beschlossen gemeinsame Positionen für die Afghanistan-Konferenz in London, deren Kern es ist, wirtschaftlich attraktive Angebote an die Mitläufer der Taliban zu machen, um sie zum Aussteigen zu bewegen. Durch eine Politik der "Versöhnung und Wiedereingliederung ehemaliger Kämpfer" solle den Aufständischen der Boden entzogen werden, sagte Außenminister Westerwelle.
Die afghanische Regierung und ihre Partnerländer sollen das Programm gemeinsam tragen. Vor der Konferenz trifft der afghanische Präsident Hamid Karsai in Berlin zweimal Kanzlerin Merkel. An einem Essen am Dienstagabend nehmen neben den Fachministern auch die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen teil, die schon am Morgen im Kanzleramt informiert werden sollten.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 26.01.2010/jab)
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Politiker und ihre Pannen
Wer soll das bezahlen,
wer hat soviel Geld,
wer hat soviel Pinke-Pinke,
wer hat das bestellt ?
Sie kapieren es einfach nicht, oder? Gewinnen können sie diesen Krieg ohnehin nicht, auch nicht mit 5000 Leuten mehr, oder vermutlich auch mit 50.000 nicht (ich weiss nicht, wieviel die Sovjets seinerzeit im Einsatz hatten...).
Das Einzige, was verloren geht, ist jeglicher Rückhalt in der deutschen Bevölkerung (sofern der jemals da war). Auch wenn es an sich unfair ist, ich hoffe, dass Rüttgers im Mai ALLES das aufs Brot bekommt:
- Ausstieg aus dem Atomausstieg
- Afghanistan-Einsatz (hatte Westerwitz nicht getönt, es gäbe keine Soldaten zusätzlich??!)
- Hotelier-Begünstigung nach "Spende" durch seinen Koalitionspartner fdP
- Schulden, Schulden, Schulden, mir doch egal, wers dann zahlen muss, für paar Kröten Steuersenkung für die Besserverdiener
Auch Mutti wird merke(l)n, dass frau nicht dauerhaft gegen 2/3 bis 3/4 der öffentlichen Meinung Politik machen kann (der Atomausstieg und Afghanistan sind da nur zwei Hauptpunkte). Ist erst mal die Bundesratsmehrheit futsch (und ich hoffe inständig, dass dies passiert!), dann ist Schluss mit dem Unfug.
In seinem letzten Buch "Der geheimnisvolle Fremde" schrieb Twain:
Als nächstes wird der Staatsmann billige Lügen erfinden, die die Schuld der angegriffenen Nation zuschieben, und jeder Mensch wird glücklich sein über diese Täuschungen, die das Gewissen beruhigen. Er wird sie eingehend studieren und sich weigern, Argumente der anderen Seite zu prüfen. So wird er sich Schritt für Schritt selbst davon überzeugen, dass der Krieg gerecht ist, und Gott dafür danken, dass er nach diesem Prozess grotesker Selbsttäuschung besser schlafen kann.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15280/1.html
Die "neue Strategie" ist natürlich vorher abgesprochen worden. In London wird nicht mehr "diskutiert", da wird nur noch implementiert:
spiegel.de/international/world/0,1518,druck-673790,00.html
Und wenn man hier in einem SZ-Leserbrief die "Endsieg"-Eupgorie der deutschen Befehlsempfänger karikiert durch Verwendung des Sprachschatzes von vor 65 Jahren (also ein wenig "total", "Vergeltung" usw.), dann wird das wegzensiert unter Verweis auf die Netiquette. da finde ich aber nichts, das solches satirisches Tun untersagt.
Und angesichts dieses Gesamtzustands läßt sich nur noch mit Satire reagieren. Das peinliche Schauspiel in London wird wohl WIE HIER in der SZ kommentiert?
"An nichts wird so glänzend verdient wie am Rüstungsgeschäft.
Viele der größten Vermögen der Bundesrepublik im Megamil-
lionen- und Multimilliardenbereich stammen aus Kriegsgewin-
nen, aus Waffenlieferungen ins Ausland, vor allem aber aus
Aufträgen der Bundeswehr. Die Erben von Harald und Herbert
Quandt -geschätztes Vermögen: zusammen 7,3 Milliarden DM
-, der Flick-Erbe Dr. Friedrich Karl Flick und seine Neffen -zu-
sammen mindestens 5,6 Milliarden DM schwer -, Familie v.
Siemens - 3,7 Milliarden DM -, die Röchling-Erben - etwa 3,3
Milliarden - oder, um aus der Fülle der möglichen Beispiele
noch einen weiteren Krösus zu nennen, Karl Diehl, der auf
Munition, Zünder, Panzerketten und Kanonen spezialisiert ist
und auf 1,9 Milliarden DM Vermögen geschätzt wird - sie und
viele andere verdanken ihr vieles Geld großenteils dem gewalti-
gen Rüstungsbedarf, nicht zuletzt dem der Bundeswehr." 1998 /Seite 90 indymedia.org/media/2007/03/881330.pdf
Und nichts hat sich seitdem gebessert!
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