Von P. Blechschmidt

Mit großer Mehrheit: Der Bundestag stimmt auch für die Entsendung zusätzlicher Soldaten zur Schutztruppe Isaf.

Der Bundestag hat am Donnerstag mit großer Mehrheit der Fraktionen von Union, SPD und FDP das Mandat für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan verlängert. Für die weitere Beteiligung an der Internationalen Schutztruppe Isaf votierten in namentlicher Abstimmung 442 Abgeordnete, 96 stimmten mit Nein, 32 enthielten sich. Die Mehrzahl der Grünen enthielt sich der Stimme, während die Linke den Einsatz geschlossen ablehnte.

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Die Zahl der Bundeswehr-Soldaten, die maximal nach Afghanistan entsandt werden dürfen, wird um 1000 erhöht. (© Foto: dpa)

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Mit Ausnahme der Linken waren sich in der Debatte über die Mandatsverlängerung alle Redner einig, dass es zur Fortsetzung des Engagements keine Alternative gebe. Die Konsequenz eines sofortigen Abzugs wäre das Wiederaufleben eines blutigen Bürgerkriegs, sagten Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) und der Vizevorsitzende der Grünen-Fraktion, Jürgen Trittin.

Einig waren sich die meisten Abgeordneten auch, dass es beim zivilen Aufbau Fortschritte gegeben habe, dass aber in Zukunft deutlich mehr dafür und für die Bekämpfung von Drogenwirtschaft und Korruption getan werden müsse.

Die "Mammutaufgabe", Afghanistan zu stabilisieren, könne das Militär nur zu 20 Prozent übernehmen, sagte der CDU-Außenpolitiker Andreas Schockenhoff. Die mehrheitliche Enthaltung der Grünen begründete Trittin damit, dass die Regierung eine klare Perspektive für einen Rückzug aus Afghanistan vermissen lasse. Der Linke Paul Schäfer wertete die Isaf-Mission als gescheitert.

Das neue Mandat gilt für 14 statt wie bisher üblich für zwölf Monate. Damit soll dem voraussichtlich im September 2009 zu wählenden neuen Bundestag die Möglichkeit gegeben werden, über die nächste Verlängerung selbst zu entscheiden.

Mehr Flexibilität

Die Zahl der Bundeswehr-Soldaten, die maximal nach Afghanistan entsandt werden dürfen, wird um 1000 auf 4500 aufgestockt. Das bedeutet jedoch nicht, wie Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) betonte, dass nun sofort 1000 Mann zusätzlich eingesetzt werden sollten.

Vielmehr solle mehr Flexibilität geschaffen werden, falls bei einer weiteren Verschärfung der Sicherheitslage oder zur Absicherung der für 2009 und 2010 geplanten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen zusätzliche Kräfte benötigt würden. Die Gesamtkosten des Militäreinsatzes werden für die 14 Monate mit 688 Millionen Euro veranschlagt.

Das Mandat gestattet nun auch dauerhaft den Einsatz von Fernmelde-Spezialisten, die in Kandahar im Süden Afghanistans die Kommunikationszentrale der dortigen Isaf-Kräfte betreiben.

Hilfe bei Bekämpfung des Drogenanbaus

Kandahar liegt außerhalb des eigentlichen deutschen Einsatzgebietes, das den Raum Kabul und die Nordregion umfasst. Die Anwesenheit der deutschen Fernmelder in Kandahar war bisher nur unter sehr großzügiger Auslegung des Mandats möglich, das Operationen außerhalb des Einsatzgebiets nur befristet zulässt.

Der Bundestag billigte auch den weiteren Einsatz der deutschen Aufklärungs-Tornados im gesamten afghanischen Luftraum. Nicht enthalten ist in dem neuen Mandat die vom Nato-Militär angeforderte Entsendung von Awacs-Aufklärungsflugzeugen.

Die politische Entscheidung der Allianz darüber steht noch aus. Die Verantwortung für die Bekämpfung des Drogenanbaus wird in dem Mandat weiterhin der afghanischen Regierung zugewiesen. Die Bundeswehr soll sie dabei lediglich unterstützen.

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(SZ vom 17.10.2008)