Ein Kommentar von Nico Fried

Die Regierung will ein Mandat zu verlängern, das schon nach der Afghanistan-Konferenz im Januar überholt sein kann. Besser wäre es, gemeinsam über den Abzug aus Afghanistan nachzudenken.

Der Bundestag befasst sich am Donnerstag mit der Verlängerung des deutschen Einsatzes in Afghanistan. Das Isaf-Mandat soll für ein weiteres Jahr gelten.

Bild vergrößern

Über Afghanistan wird nur herumgedruckst, nicht offen geredet: Schwarz-Gelb führt die Tradition der Vorgängerregierung fort. (© Foto: AP)

Anzeige

Das ist eine erstaunlich lange zeitliche Festlegung, wenn man bedenkt, dass die USA bereits dabei sind, ihre Strategie mit einer massiven Truppenaufstockung zu verändern und der Westen insgesamt Ende Januar auf einer internationalen Afghanistan-Konferenz sein Engagement grundsätzlich überdenken will.

Das Parlament sollte sich darüber im Klaren sein, dass es ein Mandat für zwölf Monate verlängern soll, das schon in zwei Monaten das Papier nicht mehr wert sein kann, auf dem es gedruckt wird.

Denn auf der Afghanistan-Konferenz in London dürfte das Ergebnis wohl kaum sein, dass angesichts der amerikanischen Verstärkung andere Staaten nun die Chance nutzen, ihr Engagement zu reduzieren.

Im Gegenteil: Sehr viel wahrscheinlicher - und auch wünschenswerter - wäre ein gemeinsame Anstrengung, mehr zu leisten, um überhaupt eine Perspektive für einen Abzug aus Afghanistan zu schaffen. Dafür gibt es viele Mittel - mehr Militär ist eines davon. Nicht das einzige, aber eines der wichtigsten.

Die neue Bundesregierung aber setzt die unselige Tradition ihrer Vorgängerregierung fort, über den Einsatz in Afghanistan nicht zu reden, sondern herumzudrucksen. Den Nato-Partnern gibt der Verteidigungsminister Signale, eine Erhöhung des deutschen Truppenkontingents sei möglich.

Zu Hause wird beschwichtigt, abgelenkt oder gleich ganz geschwiegen. Die Abgeordneten im Bundestag sollten sich gut überlegen, ob sie sich mit einer Verlängerung um zwölf Monate für diese unglaubwürdige Strategie der Regierung missbrauchen lassen.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(SZ vom 26.11.2009/liv)