Was halten eigentlich die Afghanen von der Bundeswehr? Die erstaunlichen Ergebnisse einer Befragung am Hindukusch.
Thomas Risse ist Politik-Professor an der FU Berlin. Der Beitrag fußt auf einer Studie, für die afghanische Mitarbeiter 2000 Haushalte im Nordosten des Landes besuchten. (www.sfb-governance.de)
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So heftig in Deutschland seit Wochen über den Afghanistan-Einsatz debattiert wird - eine Frage ist dabei nie gestellt worden: Was halten eigentlich die Afghanen selbst vom Engagement der Bundeswehr und der deutschen Entwicklungshilfe?
Die Antwort darauf fällt eindeutig aus: Die große Mehrheit im Nordosten des Landes ist der Meinung, dass sich ihre Sicherheitslage in den vergangenen Jahren verbessert hat. Dies ist ein Ergebnis der ersten repräsentativen Umfrage, die ein Team der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit einer privaten einheimischen Organisation im vergangenen Jahr im Nordosten vorgenommen hat, also dort, wo vor allem die Deutschen im Einsatz sind.
In 77 Gemeinden wurden Bewohnern in anderthalbstündigen Interviews jeweils 57 Fragen gestellt. Wer immer hierzulande der Meinung ist, die ausländischen Soldaten würden von den Einheimischen als Besatzer erlebt, der muss diese Ansicht nun korrigieren.
Große Mehrheit der Afghanen schätzt ausländische Truppen
80 Prozent der Afghanen nämlich finden, dass es ausländische Truppen sind, die zu ihrer Sicherheit beigetragen haben - den lokalen Miliz-Kommandeuren hingegen schreiben fast genau so viele der Befragten, nämlich 78 Prozent, keinerlei Bedeutung zu.
Die internationale Präsenz genießt also höchstes Ansehen. Das gilt auch für die Aufbauhilfe, die Afghanen wissen sehr genau, wem sie den Bau von Straßen, Verbesserungen bei der Trinkwasserversorgung und im Bildungswesen zu verdanken haben: Fast zwei von drei Befragten weisen Fortschritte hier den Helfern aus dem Westen zu.
Ein weiteres Ergebnis: Eine große Mehrheit der afghanischen männlichen Haushaltsvorstände unterstützt die Schulbildung gerade für Mädchen - angesichts der Vorurteile, die in Deutschland über islamische Kulturen herrschen, mag dies überraschen. Demgegenüber wurde die afghanische Regierung als wenig einflussreich eingeschätzt. Nur 13 Prozent führten Verbesserungen der Straßenqualität auf sie zurück, Fortschritte bei der Trinkwasserversorgung wurden sogar nur von fünf Prozent mit ihr verbunden.
Das Bedrückende allerdings ist: So sehr die Afghanen das internationale Engagement begrüßen, so wenig findet es in Deutschland Unterstützung. Die Mehrheit der Deutschen ist für den Abzug aus Afghanistan. Dieser Umstand stellt die Politiker vor ein Problem. Denn allen Beteiligten ist klar, dass das Engagement in Afghanistan für die Zukunft des Landes überlebenswichtig ist - und zwar sowohl das militärische als auch das zivile.
Die afghanische Regierung ist einfach zu schwach - was auch darin deutlich wird, dass sich im Fall von Konflikten die meisten der Befragten an den jeweiligen Dorfrat wenden. Nur zwei Prozent bevorzugen die Distrikt-Administration. Die deutsche Afghanistan-Politik kann auf Dauer aber nur erfolgreich bleiben, wenn sie auch zuhause grundsätzlich unterstützt wird.
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Protest gegen dritte Startbahn
Dass die Heranziehung einer Studie über Nordafghanistan für Aussagen über ganz Afghanistan argumentative Irreführung ist, wurde ja schon erwähnt.
Noch fragwürdiger, da eine ganz aktuelle, sehr umfangreiche Meinungsumfrage existiert, deren Ergebnisse ein ungleich differenzierteres Bild zeichnen.
Mehr Infos:
"POLL: Afghans Criticism of U.S. Efforts Rises; In the Southwest, Taliban Support Grows"
ABC News/BBC/ARD National Survey of Afghanistan
http://abcnews.go.com/PollingUnit/Story?id=3931809&page=1
meine Güte - ein neuer Baustein des Internationalen Systems... Überwindung der Anarchie... Altruismus pur. Nur, dass diese Gutmenschversion des Konstruktivismus bei den Forschungsgemeinschaften brutal durchgehauen wird - auf Kosten realistischerer Forschungsagenden. Wenn es um die Forschungsgelder geht, dann wird der Gutmensch zum Auftragsschreiber...
Die Drogenbarone leben weiter völlig unberührt in Afghanistan. Man wagt es nicht, sich mit den Warlords anzulegen. Es gibt KEINE Chance auf Nachhaltigkeit. Das Ganze soll den Rest der US-"Vision" der democracy promotion retten. Es funktioniert aber hinten und vorne nicht.
... in Hü- und Hot-Form verfasstes Meinungsgeschwätz , wie hier in den letzten 6 Absätzen des Artikels dargeboten - ...dazu muß man anscheinend Politikwissenschaftler sein !
Einem verständigen Laien würde , bei einer gesprächsweise Artikulation der dortigen Argumente , sofort auffallen , dass die sich verheddern , gegenseitig Arme und Beine ausrenken ...!
Nur eines noch , Herr Professor , am Rande :
Wenn die BW und/oder die Nato in allen Ländern tätig werden sollte , in denen es "Unruhen" und keine ordentliche Infrastruktur gibt , dann hätte sie noch sehr lange zu tun . Zum Glück sieht die deutsche Bevölkerung die Aufgabenstellung der BW etwas anders !
mehr zu dieser "unabhängigen " Studie siehe hier:
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57153
Paging