SZ: Demnächst wollen Sie sich auch noch an einer Mission gegen Piraterie vor Somalia beteiligen. Gerät die Bundeswehr nicht an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit?

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Jung: Das denke ich nicht. Wir haben jetzt circa 6500 Soldaten im Einsatz. Natürlich sind Soldaten mit Spezialkenntnissen auch überproportional stärker gefordert. Aber wir sind schon in der Lage, unseren Beitrag zu leisten, wenn es um die Bekämpfung der Piraterie im Rahmen einer EU-Mission ginge.

SZ: Aber das qualifizierte Personal - Piloten und Ärzte - läuft ihnen weg.

Jung: Deshalb sind wir dabei, die Attraktivität der Bundeswehr zu steigern. Aber für eine Offiziersstelle haben wir immer noch fünf Bewerber.

SZ: Gerade im Sanitätsbereich sind die Klagen sehr massiv.

Jung: Tatsache ist, dass wir 1,6 Prozent unserer Ärzte verloren haben. Tatsache ist auch, dass die Lage bei einigen Fachärzten schwierig ist. Dass wir dort gegensteuern müssen, ist völlig unbestritten. Aber für Panikmache gibt es keinen Anlass. Überall, wo unsere Rettungsketten gefordert waren, haben sie hervorragend funktioniert.

SZ: Herr Jung, Sie sind jetzt drei Jahre im Amt. Beim Start hatten Sie nicht nur gute Kritiken. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?

Jung: Wenn man in solch ein herausforderndes Amt kommt, braucht man auch ein Stück Einarbeitung. Die Landespolitik ist schon etwas anderes als die Bundespolitik und als ein solches Ministerium. Wenn ich Bilanz ziehe, habe ich nicht nur die Auslandseinsätze im Kopf. Dann nenne ich Ihnen das Weißbuch, das Gesetz über die Weiterverwendung von verwundeten Soldaten, die Erhöhungen des Haushalts, Wehrsolderhöhung, das Ehrenmal - wenn ich mal Revue passieren lasse, kann sich die Bilanz aus meiner Sicht gut sehen lassen.

SZ: Hängt der Job des Verteidigungsministers daran, dass bei den Auslandseinsätzen möglichst wenig Soldaten ums Leben kommen? Wenn etwa wie bei den Franzosen zehn Soldaten auf einmal getötet würden, müssten Sie dann Ihren Hut nehmen?

Jung: Die Frage würde sich so nicht stellen. Aber wenn man sich Vorwürfe machen müsste, dass man nicht das jeweils bestmöglich Erreichbare für den Schutz der Soldaten getan hätte, dann ergäbe sich sicher eine kritische Situation.

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(SZ vom 25.09.200/pir)