SZ: Man hat mitunter das Gefühl, dass die einstmals hohe Motivation der deutschen Soldaten schwindet aus Sorge, dass so richtig nichts vorangeht.

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Jung: Ich habe nicht den Eindruck, dass die Motivation abnimmt. Ich habe mit den Soldaten in Kundus gesprochen. Die sind rausgefahren und wussten, da sind drei Selbstmordattentäter unterwegs, da sind Sprengfallen versteckt. Ich bewundere die Art und Weise, in der sie ihren Auftrag erfüllen. Und wenn ich Soldaten frage, ob sie schon im Auslandseinsatz waren, dann ist die häufigste Antwort: Leider noch nicht, Herr Minister.

SZ: Es gibt immer wieder Klagen über Ausrüstungsmängel. Im Fall des Hauptfeldwebels, der in Kundus getötet wurde, heißt es, er sei in einem nicht ausreichend geschützten Militärfahrzeug Wolf unterwegs gewesen.

Jung: Diese Klagen haben mit der Realität nichts zu tun. Wir haben mittlerweile 700 geschützte Fahrzeuge in Afghanistan, mehr als alle anderen Nationen. Ich habe angeordnet, es wird nur noch in geschützten Fahrzeugen auf Patrouillen gefahren, und das geschieht auch. Aber welches Fahrzeug genommen wird, das muss schon der Patrouillenführer entscheiden. Die Fahrzeuge müssen da sein, und sie sind da.

SZ: Sie sagen, die Zunahme der Anschläge hat auch das taktische Ziel, die jetzt wieder anstehende Debatte über die Verlängerung der Bundeswehr-Mandate für Afghanistan zu beeinflussen. Könnte man dann die Mandate nicht länger laufen lassen? Im Endeffekt heißt das doch, dass Soldaten, die aufgrund solch taktisch motivierter Anschläge ums Leben kommen, Opfer der Gesetzeslage sind?

Jung: Als Verteidigungsminister sage ich, dort, wo wir wissen, dass ein Einsatz länger dauert, sollten wir auch über eine längere Perspektive sprechen. Aber hier habe ich das Parlament zu respektieren, und das will regelmäßig nur für ein Jahr verlängern. Hier ist das Parlament Herr des Verfahrens.

SZ: Also trägt das Parlament eine gewisse Verantwortung für die zunehmende Zahl von Anschlägen?

Jung: Das ist abwegig. Worum es mir geht: Wenn ein Soldat bei einem Anschlag ums Leben kommt, beginnt sofort eine Diskussion, raus aus Afghanistan. Und damit spielt man den Attentätern in die Hände.

SZ: Demnächst will die Nato - mit deutscher Beteiligung - Awacs-Aufklärungsflugzeuge nach Afghanistan schicken. Bedeutet das nicht eine weitere Eskalationsstufe? Schließlich koordinieren die Awacs-Besatzungen auch den Einsatz von Kampfflugzeugen.

Jung: Es geht beim Awacs-Einsatz um Flugsicherung und nicht um Feuerleitung. Da haben wir doch auch ein Eigeninteresse. Mehr als 40 Prozent des Nato-Lufttransports in Afghanistan übernimmt die Bundeswehr. Wir haben eine Zunahme im militärischen und im zivilen Flugverkehr. Der Luftraum muss sicherer werden. Diese Diskussion hat eine Schlagseite, die mit der Realität nicht übereinstimmt.

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