Bundeswehr Gutachten zum Tod eines Soldaten belastet Ausbilder schwer

Bundeswehrsoldaten bei einer Übung in der Nähe von Munster.

(Foto: Archiv/dpa)
  • Nach einem fatalen Marsch von jungen Bundeswehrsoldaten im niedersächsischen Munster erheben Rechtsmediziner Vorwürfe gegen die verantwortlichen Ausbilder.
  • Der Tod des Soldaten sei demnach vermeidbar gewesen.
  • Nun will die Bundeswehr die Ausbildungsstrukturen in ganz Deutschland untersuchen.
  • Unterdessen wurde bekannt, dass bei einem Lehrgang in Baden-Württemberg 12 von 36 Soldaten bei einem mehrtägigen Marsch in klirrender Kälte aufgeben mussten.

Nach dem Tod eines Soldaten bei einem Marsch im niedersächsischen Munster droht den verantwortlichen Ausbildern bei der Bundeswehr ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung. Wie der Spiegel berichtet, wäre der Tod eines 21-Jährigen vermeidbar gewesen, wenn sich die Ausbilder an die Regeln der Bundeswehr und ihre Fürsorgepflicht gehalten hätten. Dies gehe aus einem Gutachten von Rechtsmedizinern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hervor.

Bei einem Fußmarsch am 19. Juli 2017 waren vier Soldaten kollabiert. Einer von ihnen starb zehn Tage später in einem Krankenhaus. Die Bundeswehr sprach im September in einem vorläufigen Bericht zu dem Vorfall von "nicht sachgerechten Entscheidungen" der Befehlshaber. Demnach entsprachen die körperlichen Anforderungen unter anderem nicht dem Leistungsstand der Teilnehmer. Zudem trugen sie bei knapp 30 Grad Feldjacken über ihren Splitterschutzwesten.

Die Rechtsmediziner des UKE erheben nun konkrete Vorwürfe gegen die Ausbilder. In ihrem Obduktionsbericht stellen sie laut Spiegel fest, dass das Kollabieren der Soldaten alleine durch den Marsch und nicht durch Vorerkrankungen ausgelöst wurde. Auch die kolportierte These, die Soldaten hätten Aufputschmittel oder Drogen genommen, verneinen sie eindeutig.

Stattdessen kommt das UKE-Gutachten zu dem Ergebnis, dass die kollabierten Soldaten keinen Hitzschlag erlitten hätten, wenn die Ausbilder die Bundeswehr-Regeln für solche Märsche und ihre eigene Fürsorgepflicht gegenüber den Soldaten ernst genommen hätten.

Konkret geht es bei den Vorwürfen demnach um Bundeswehr-Regeln, die etwa das Anhalten der ganzen Gruppe vorsehen, wenn ein Soldat auf einem Marsch zusammenbricht. Stattdessen aber hätten die Ausbilder in Munster ihre Rekruten weiter angespornt, schreibt das Nachrichtenmagazin. Den Rest des Trupps hätten sie sogar Strafrunden drehen lassen, als die ersten Soldaten zusammengesackt seien. Das Gutachten haben die Rechtsmediziner laut Spiegel für die Staatsanwaltschaft Lüneburg erstellt, die aufgrund des Papiers wohl ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen die Ausbilder eröffnen werde.

Als Reaktion auf das Gutachten will die Bundeswehr nun ihre Ausbildungsstrukturen in ganz Deutschland untersuchen. Die Inspekteure sollen nach dpa-Informationen melden, wie die Planung und Durchführung der Ausbildung läuft. Das Ergebnis soll demnach Mitte März vorliegen. Dann soll sich der Verteidigungsausschuss des Bundestages mit dem Thema befassen. Bereits im Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD darauf geeinigt, die Ausbildungsstrukturen der Bundeswehr zu überprüfen und zu entwickeln.

Pfullendorf: Soldaten brechen Lehrgang bei Eiseskälte ab

Unterdessen wurde bekannt, dass in der Staufer-Kaserne in Pfullendorf (Baden-Württemberg) erneut mehrere Soldaten eine Übung abbrechen müssen. Zwölf von 36 Teilnehmern eines viertägigen Lehrgangs seien aus verschiedenen Gründen ausgefallen, sagte ein Sprecher des Heeres am Samstag. Zuvor hatte die Südwest Presse über den Vorfall berichtet.

Eine Teilnehmerin bekam dem Sprecher zufolge gesundheitliche Probleme und wurde zeitweise in einem Krankenhaus untersucht. Zum fraglichen Zeitpunkt sei es minus 9 Grad kalt gewesen. Die Soldatin hatte demnach vor der Übung angegeben, Antibiotika genommen zu haben, sich für die Teilnahme an dem Lehrgang aber fit zu fühlen.

Erst kürzlich war bekannt geworden, dass junge Soldaten bei einem Marsch in Pfullendorf wohl bis zur absoluten Erschöpfung getrieben wurden. Nach Angaben der Bundeswehr fand beim Ausbildungszentrum Spezielle Operationen Anfang Januar ein Geländelauf statt, den sechs Soldaten wegen körperlicher Erschöpfung oder Verletzung abbrachen. Einer musste ins Krankenhaus. Die Bundeswehr versetzte einen Ausbilder und ermittelt nun intern.

Bei dem nun betroffenen Lehrgang, der dem Sprecher des Heeres zufolge vom 26. bis 1. März ging, sollten Offizieranwärter der Luftwaffe lernen, wie sie sich nach einem Absturz verhalten sollen. Dabei waren sie rund um die Uhr gefordert und übernachteten in den ersten beiden Nächten auch im Freien. In den vergangenen Tagen war es im Südwesten klirrend kalt. Warum die anderen Soldaten den Lehrgang abbrachen, wurde nicht im Detail mitgeteilt.

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