Bundeswehr für Drohnen Sehende gegen Blinde

Friedensforscher fordern die Ächtung von Kampfdrohnen. Doch bewaffnete, unbemannte Fluggeräte sind nicht per se inhuman - im Gegenteil.

Ein Kommentar von Joachim Käppner

Wen es trifft, der sieht den Tod nicht kommen. Aus heiterem Himmel stößt eine Hellfire-Rakete herab, abgeschossen von einem unbemannten Fluggerät, das nicht zu hören und zu sehen ist, von einer Drohne. Den Feuerbefehl gibt ein Offizier, der das Geschehen weit entfernt am Monitor verfolgt. Es ist, als ob Sehende gegen Blinde kämpfen. Erst am Wochenende töteten die USA auf diese Weise in Jemen fünf gesuchte Al-Qaida-Mitglieder.

Aufklärungsdrohne vom Typ Heron 1:  In Afghanisten unterstützen die unbemannten Flugzeuge die Bundeswehr-Truppen mit Daten aus der Luft. Verteidigungsminister Thomas de Maizière möchte die Drohnen nun auch bewaffnen.

(Foto: dpa)

Darf ein demokratischer Staat Menschen einfach exekutieren, selbst wenn sie ihm den Heiligen Krieg erklärt haben und Terroranschläge aushecken? Das ist völkerrechtlich umstritten. Weniger fraglich als die Ethik solcher targeted killings, gezielter Tötungen, ist die Technologie. Die Drohnen sind dabei, die militärische Luftfahrt zu revolutionieren.

Sie können, was ein herkömmliches, bemanntes Kampfflugzeug nicht kann: Viele Stunden lang unentdeckt auf engstem Raum über einer Stelle bleiben, etwa einem Haus, in dem sich Talibankämpfer aufhalten. Sie liefert Livebilder, sieht Dinge, welche die Soldaten am Boden nicht sehen: Hinterhalte, Sprengfallen, die Position des Feindes. Für all dies nutzt die Bundeswehr in Afghanistan seit Kurzem die israelische Hightech-Drohne Heron 1.

Nur eines kann die Heron nicht: kämpfen. Sie ist lediglich mit Kameras bewaffnet. Eben dies will Verteidigungsminister Thomas de Maizière ändern. Sein Argument: Die Präzisionswaffen einer Drohne richteten weniger Schaden an als ein Luftangriff mit Flugzeugen, die schwere Bomben abwerfen. Das ist ein Argument, dem man sich nach dem Debakel des Bombardements von Kundus 2009 schlecht verschließen kann, als Dutzende Menschen umkamen, Taliban wie Zivilisten.

Nicht ob, sondern wie

Friedensforscher fordern dagegen, die Kampfdrohne zu ächten, so wie die Landminen, auf welche die Bundeswehr zum Glück verzichtet, anders als die USA. Der Anti-Minen-Konvention hat sich Deutschland angeschlossen, weil diese tückische Waffe unermessliches Leid über die Zivilbevölkerung im Kampfgebiet bringt. Die Kampfdrohne, und das ist kein Zynismus, steht eher für das Gegenteil.

In einem asymmetrischen Krieg gegen einen Feind, der keine Regeln kennt, etwa in Afghanistan, bietet sie einen wichtigen Vorteil: Diese Waffe würde das Leben von Soldaten retten und von Zivilisten, die sonst, in der Sprache des Militärs, zum "Kollateralschaden" werden könnten. Die Drohne ist nicht inhumaner als die Panzerhaubitze, die am Hindukusch im Einsatz ist. Entscheidend ist nicht die Frage, ob man bewaffnete Drohnen einsetzen soll - entscheidend ist das Wie.

Gezielte Exekutionen in fremden Ländern dürfte das Grundgesetz ohnehin verbieten, und die Bundesrepublik wäre gut beraten, hier bei ihrer Kultur militärischer Zurückhaltung zu bleiben. Der Einsatz in einem Kampfgebiet ist jedoch etwas ganz anderes. Wer, wie die Grünen 2001, Soldaten in einen Krieg geschickt hat wie jenen in Afghanistan, sollte jetzt nicht vorschnell Kampfdrohnen als unethisch abtun, wenn solche Kriege neue Waffen erfordern.