Bundeswehr Schrauben locker beim Eurofighter

Ein Kampfflugzeug der Deutschen Luftwaffe vom Typ Eurofighter.

(Foto: dpa)
  • Der Eurofighter der Bundeswehr bereitet weiter Probleme.
  • Bei einem der im Baltikum stationierten Jets der Bundeswehr fiel bereits Ende vergangener Woche ein Außentank ab.
  • Als Konsequenz dürfen die Bundeswehr-Eurofighter in Deutschland derzeit nur ohne Außentanks fliegen.
Von Christoph Hickmann, Berlin

Beim Kampfflugzeug Eurofighter gibt es weitere Pannen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung fiel bereits Ende vergangener Woche bei einem der im Baltikum stationierten Jets der Bundeswehr ein Außentank ab. Das Flugzeug befand sich zu diesem Zeitpunkt noch am Boden.

Als Konsequenz dürfen die Bundeswehr-Eurofighter in Deutschland derzeit nur ohne Außentanks fliegen. Bereits am Dienstag hatte die SZ berichtet, dass Deutschland wegen eines neu festgestellten Fertigungsmangels die Abnahme weiterer Eurofighter vorerst ausgesetzt hat.

Notwendige Anzugstärke der Schraube nicht vorhanden

Am Montag beschäftigte sich der Flugsicherheitsausschuss beim Luftfahrtamt der Bundeswehr mit dem Vorfall. In dem der SZ vorliegenden entsprechenden Bericht des Generals Flugsicherheit heißt es über den Vorfall in Estland, der rechte Außentank sei "beim Rollen zur Startposition" auf dem Rollweg abgefallen. Bei der Überprüfung aller Maschinen habe man dann festgestellt, dass "das notwendige Drehmoment", also die Anzugstärke der Schrauben an der Haltevorrichtung für den Außentank, "nicht vorhanden war".

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Diese Haltevorrichtung, die auch das kontrollierte Absprengen der Außentanks in Notsituationen ermöglicht, habe man bei dem beschädigten Jet ausgebaut und dabei festgestellt, dass eine Befestigungsschraube des Sicherungsmechanismus gebrochen gewesen sei. Ob dies oder auch die Anzugstärke der Schrauben allerdings Ursache für den abgefallenen Außentank ist, muss erst noch untersucht werden. Das Verteidigungsministerium bestätigte den Vorfall, betonte aber, dass weitere Untersuchungen zur Ursache noch andauerten.

Überwachung des Luftraums "uneingeschränkt" möglich

"Einsatz und einsatzvergleichbare Verpflichtungen können uneingeschränkt durchgeführt werden", heißt es im Bericht des Generals Flugsicherheit weiter. Dazu zählt auch die Überwachung des Luftraums über dem Baltikum, an der sich die Luftwaffe derzeit mit Eurofightern beteiligt. Dort sollen die Jets auch weiterhin mit Außentanks aufsteigen, wenn beispielsweise russische Maschinen im Luftraum unterwegs sind. Aus Militärkreisen hieß es, dies sei notwendig, um die Entfernungen im Baltikum zu überbrücken. Allerdings führten die Flugrouten dort über weite Strecken ohnehin über das Meer. Ohne Außentanks verringert sich die Zeit, in der die Flugzeuge in der Luft bleiben können.

Am Dienstag hatte die SZ zudem über den jüngst festgestellten Fertigungsmangel am Eurofighter berichtet. Eine "Schädigung der Struktur des Luftfahrzeuges" kann laut Ministerium nicht ausgeschlossen werden, das Problem habe aber "keinen unmittelbaren Einfluss" auf den Flugbetrieb der deutschen Eurofighter-Flotte.

Folgen des Fertigungsmangels noch "nicht berechenbar"

Ein Sprecher des Ministeriums erklärte dies auf Nachfrage damit, dass der Mangel keine "kurzfristige Schädigung" zur Folge habe. Stattdessen sei noch "nicht berechenbar", welche Folgen der Fertigungsmangel langfristig für die Lebensdauer der Flugzeuge habe. Das Fachblog Augen geradeaus berichtete zudem über einen neuen Fehler in der Elektronik des Eurofighters, der eine Nachrüstung erforderlich mache.

Die Grünen-Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger sagte, die Probleme schienen "kein Ende zu nehmen". Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dürfe sich dies "nicht weiter einfach so gefallen lassen".

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