Ein Kommentar von Peter Blechschmidt

Die Bundesregierung will heute ihr überarbeitetes Afghanistan-Konzept beschließen. Die Bevölkerung muss sie noch von ihren Zielen überzeugen.

Mut zu Wahrheit und Klarheit steht einer Regierung gut an. Zumal dann, wenn sie eine Politik verfolgt, die von der Mehrheit des Volkes nicht mitgetragen wird. Dass die deutsche Afghanistan-Politik von immer weniger Menschen verstanden wird, bekommen Minister und Abgeordnete bei jeder Begegnung mit der Basis zu spüren. Da ist nicht Durchhaltewillen gefragt, sondern Überzeugungskraft.

Der Einsatz deutscher ISAF-Soldat in Afghanistan ist umstritten (© Foto: AP)

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In den kommenden Wochen wird Afghanistan eines der beherrschenden Themen der deutschen Innenpolitik sein. Der Bundestag muss über die Verlängerung der drei Mandate entscheiden, welche die Basis für die deutschen Aktivitäten am Hindukusch bilden. Die Parteien ringen um ihre Linie.

Nun hat als erste die Bundesregierung Position bezogen - mit ihrem überarbeiteten Afghanistan-Konzept, das am heutigen Mittwoch im Kabinett verabschiedet werden soll. Darin redet die Regierung nicht einem bloßen Weiter-so das Wort. Vielmehr zeichnet sie ein nüchternes Bild der Lage.

Ziemlich undiplomatisch nennt sie die Grundübel der afghanischen Misere - Korruption und Drogenwirtschaft - beim Namen. Misserfolge beim Aufbau einer ordentlichen Verwaltung und der Sicherheitskräfte werden ohne Umschweife eingeräumt.

Indem sie bisherige Versäumnisse anspricht, macht die Regierung zugleich deutlich, welche verheerenden Folgen es hätte, ließe der Westen Afghanistan und die überwiegende Mehrheit seiner Menschen, die auf die westliche Hilfe setzen, im Stich.

Auf Dauer ist eine Politik gegen das Volk nicht durchzuhalten. Deshalb muss das Volk überzeugt werden. Das geht am besten mit der ungeschminkten Wahrheit. Das neue Afghanistan-Konzept ist ein Schritt auf diesem Weg.

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(SZ vom 5.9.2007)