Bundeswehr-Ausrüstung "Mir geht es um den Schutz des Feldlagers"

Hellmut Königshaus, der künftige Wehrbeauftragte des Bundestags, verteidigt die Idee, Kampfpanzer nach Kundus zu schicken.

Interview: Peter Blechschmidt

Den künftigen Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), bewegen die Ausrüstungsmängel in Afghanistan.

Süddeutsche Zeitung: Herr Königshaus, für Ihren Vorschlag, Leopard-Kampfpanzer ins afghanische Kundus zu schicken, hagelt es jetzt Kritik. Fühlen Sie sich missverstanden?

Hellmut Königshaus: Ja. Ich habe ja nicht gefordert, was jetzt kritisiert wird. Ich habe vorgeschlagen, die Panzer zum Schutz des Feldlagers und des Flughafens einzusetzen, nicht sie auf Patrouille zu schicken. Und ich wollte auf die bestehenden Ausrüstungsmängel hinweisen. Die sind vielfach angesprochen worden.

SZ: Warum äußern Sie sich überhaupt zu diesen Fragen?

Königshaus: Neue Herausforderungen verlangen neue Antworten. Auch Unionspolitiker fordern Ähnliches.

SZ: Warum überlassen Sie es denn nicht der militärischen Führung, über die Ausrüstung der Einsatzkräfte zu entscheiden?

Königshaus: Wir haben es in Afghanistan mit einer neuen Gefahrenlage zu tun, das dürfen wir als Abgeordnete nicht ignorieren. Die Soldatinnen und Soldaten sind vom Deutschen Bundestag entsandt worden. Ich habe bei den Entscheidungen über die Afghanistanmandate stets zugestimmt, und ich fühle mich deshalb sehr persönlich dafür verantwortlich, dass unseren Soldaten alles für ihren Schutz zur Verfügung gestellt wird.

SZ: Selbst höchste Offiziere sagen, die Leopard-Panzer seien zu schwer und zu unbeweglich für den Einsatz im Raum Kundus.

Königshaus: Niemand behauptet, dass irgendein Einsatzmittel für alle Situationen optimal einsetzbar wäre. Es geht mir um einen vernünftigen Mix, den der Kommandeur vor Ort je nach Situation bestimmen muss. Aber dafür muss er die Mittel erst einmal zur Verfügung haben. Und wenn die bestgeeigneten Einsatzmittel nicht, jedenfalls noch nicht in genügender Stückzahl, zur Verfügung stehen, dann muss man eben sehen, was man stattdessen bereitstellen kann.

SZ: Experten sagen auch, schwere Waffen eignen sich zur Bekämpfung befestigter Ziele, nicht aber für den Guerillakampf?

Königshaus: Das ist ja auch nicht der Kern meiner Forderung. Mir geht es um den Schutz des Feldlagers und des Flugplatzes in Kundus. Durch den Einsatz des Leopard könnten andere Fahrzeuge für Patrouillenfahrten freigesetzt werden. Im Übrigen haben die kanadischen und die niederländischen Verbündeten im Süden mit ihren schweren Waffen gute Erfahrungen gemacht.

SZ: Wie kommen Sie zu Ihrer Einschätzung, die so stark von der Meinung der Bundeswehr-Führung abweicht?

Königshaus: Ich stütze mich zunächst auf die Erfahrungen, die wir im Kosovo-Einsatz gemacht haben. Damals wurde auch der Leopard 2 eingesetzt, und zwar in weit ungünstigerem Gelände. Die kanadischen, niederländischen und dänischen Verbündeten setzen in Afghanistan ebenfalls mit großem Erfolg auf einen Mix von Einsatzmitteln. Neulich in Halifax haben mich kanadische Offiziere gefragt, warum wir Deutschen denn auf diejenigen Mittel verzichten, die sie von uns geleast haben und nun selbst mit großem Erfolg einsetzen, also die Leos.

SZ: Wäre es nicht besser, mehr geschützte Fahrzeuge wie den Dingo oder den Schützenpanzer Marder zu beschaffen? Vor allem für die Ausbildung an diesen Fahrzeugen in der Heimat vor dem Einsatz fehlt doch das Gerät.

Königshaus: Der Verteidigungsminister hat angekündigt, die Bundeswehr werde noch in diesem Jahr bis zu 200 weitere gepanzerte Fahrzeuge nach Afghanistan verlegen. Das begrüße ich sehr. Aber auch in der Heimat werden die Fahrzeuge, die im Einsatz benutzt werden, für die Ausbildung der Soldaten benötigt.

SZ: Geht die Debatte nicht in die falsche Richtung? Man diskutiert, wie ein Krieg gewonnen werden kann. Von zivilem Aufbau ist mittlerweile keine Rede mehr.

Königshaus: Da haben Sie recht. Wir sind in Afghanistan, um aufzubauen. Wir schützen den Aufbau, nicht umgekehrt. Aber ohne Sicherheit gibt es eben auch keinen Aufbau.