Anders sehen das Friedensaktivisten, so zum Beispiel die Informationsstelle Militarisierung in Tübingen. Sie beklagt in einer Analyse das verstärkte Engagement der Bundeswehr in diesem Bereich, spricht von einer "Eroberung der Schulen": Die Armee brauche "Nachwuchskräfte für die immer umfangreicheren Auslandseinsätze", schon die Kinder würden entsprechend "auf Kurs gebracht". Unterrichtsmaterialien, die von der Bundeswehr zur Verfügung gestellt werden, beanspruchten die "militärische Deutungshoheit", auch Annoncen in Schülerzeitungen hätten zum Beispiel zugenommen. Am schärfsten geht die Informationsstelle allerdings mit den offiziellen Rahmenabkommen ins Gericht.
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"Keine institutionelle Zusammenarbeit"
In Schleswig-Holstein, wo die Schüler in den Waffen-Simulator durften, gibt es so ein Abkommen jedoch nicht - ebenso wie zum Beispiel in Bremen, Brandenburg und Thüringen. Man wolle "keine institutionelle Zusammenarbeit", heißt es im Kultusministerium. Die Handhabung, ob man etwa Offiziere zu sich einladen will, bleibe jeder Schule selbst überlassen, sagte ein Sprecher des Ministeriums in Kiel. Die Bundeswehr sei ja schließlich "kein verfassungsfeindliches Organ". Ebenso halten es auch alle anderen Bundesländer, die kein Abkommen haben.
Die Bundeswehr räumte auch schnell ein, die Vorfälle in Schleswig-Holstein seien "ein klarer Verstoß gegen die Vorschriften" gewesen. "Das ist nicht das Bild, das wir vermitteln wollen." Doch viele Lehrer sind verunsichert, vor allem in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben die Rahmenabkommen für hitzige Diskussionen unter den Pädagogen gesorgt.
Und auch grundsätzliche Zweifel an Soldaten in Schulen mehren sich: Die Jugend der Bildungsgewerkschaft GEW hat einen Aufruf "Schulen ohne Bundeswehr" gestartet, auf der Liste finden sich Prominente wie der Journalist und Schriftsteller Günter Wallraff. Gemäßigte Kritiker schlagen vor, die Kooperationen zumindest nicht verpflichtend für die Schüler zu machen. Wer nicht an der Veranstaltung seiner Schulklasse teilnehmen will, soll dem Unterricht an diesem Tag fernbleiben dürfen.
Gegenwind kommt auch aus dem Land Berlin, wo ohne ein Rahmenabkommen seit 2007 Vorträge von Jugendoffizieren an 98 Schulen stattgefunden haben. Der Berliner Linkspartei-Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich kritisiert "einseitige Informationsveranstaltungen der Bundeswehr" im Schulunterricht. "Krieg und Frieden müssen sachgerecht diskutiert werden", sagt er, doch bei den Veranstaltungen könne oft nur schwer zwischen direkten Anwerbeversuchen und generellen Informationen über die Aufgabe der Bundeswehr unterschieden werden. Das Mitglied des Landesvorstands der Berliner Linken, Sebastian Schlüsselburg, fordert mehr "Fingerspitzengefühl". Die Wahrscheinlichkeit der Einflussnahme sei durch die Jugendoffiziere sehr hoch, da nur in seltenen Fällen auch Zivildienstbeauftragte an den Schulen zu Wort kämen.
Auch bei den Umworbenen selbst gibt es mehr als nur Bedenken: Die Landesschülervertretung Berlin hat an diesem Freitag zu einer Protestkundgebung an einem Zehlendorfer Gymnasium aufgerufen. Dort sollen bei einem Berufsberatungstag auch Bundeswehr-Offiziere auftreten. An einer Schule in Berlin-Steglitz fand im November ein Vortrag gar unter Polizeischutz statt, nachdem es zuvor Drohungen im Internet gegeben hatte. Online mehren sich aber auch Stimmen, die das Thema gelassen sehen. Eine, aufgeschnappt in einem Internet-Forum, lautet zum Beispiel: "Was erwartet man denn bitte von der Bundeswehr: meditative Übungen, pazifistische Exkurse oder Häkeln und Stricken?"
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(SZ vom 15. März 2010/sueddeutsche.de/segi/gba)
ICE-Strecke
Auch darin stimme ich Ihnen zu.
Der Realismus kann durchaus warten. Aber WENN schon BuWe in die Schulen kommt, dann MIT diesem realismus. Nur hat die BuWe dort nichts verloren. Soldatsein ist nicht ein beruf wie jeder andere, auch wenn uns das suggeriert werden soll.
"Hingegen halte ich es durchaus für ein Teil des berufsbilds eines Soldaten, eben " zu töten und getötet zu werden"
Sie haben schon wieder Recht. Es ist Teil des Berufsbildes. Vielmehr: es kann Teil dessen sein. Ebenso wie leider der Selbstmörder für viele Lokführer. Aber es ist ebenso wenig das Berufsziel des Soldaten. Glücklicherweise werden die allermeisten Bundeswehrsoldaten eben nicht getötet oder kommen in die schreckliche Lage, andere Menschen töten. Ich denke, das man von der Bundeswehr Aufklärung über den Soldatenberuf erwarten darf ohne etwas zu beschönigen. Allerdings finde ich es ebenfalls verständlich, dass man bei der Berufsvorstellung keinen ultrabrutalen Hyperrealismus walten lässt. Zum einen, weil die dies ja wiederum auch keine realistische Darstellung des Berufes und der Aufgabe der Bundeswehr darstellen würde, zum anderen weil dies womöglich wohl nur die absolut schmerzlosen Gefühlsklötze in die Bundeswehr locken würde, die den Beruf als den ultimativen Test für die eigene Härte und Willensstärke sehen würden.
War es die Frage: "Wer knackt den High-Score von Oberst Klein ?" die Ihnen missfiel?
Wäre die Aussage: "Der High-Score liegt der Zeit bei 142" ohne Nennung eines Namens, noch akzeptabel?
Haben Sie etwas gegen "einen romantischen Abend mit Lagerfeuer, wo unsere Afghanistan-Veteranen den Pimpfen von ihren Abenteuern im wilden kurdistan berichten."?
Ist die Annahme dass "Der Heimcomputer verliert seinen Reiz für den, der einmal am Bundeswehrsimulator üben durfte," unzutreffend?
Verabscheuen Sie nicht auch den Menschen der einen "ultimativen Kick verspürt" wenn er "die Gelegenheit erhält auf echte Menschen zu schießen." ?
Und Ist es nicht wirklich tragisch für die Soldaten der Bundeswehr, die ausgezogen sind in Afghanen Demokratie und Menschenrechte zu verwirklichen, durch die widrige Umstände, für die sie selbstredend keinerlei Verantwortung tragen, dazu gezwungen werden gegen das 5. Gebot zu verstoßen?
Militär Indoktrination gehört nicht zum Bildungsauftrag in deutschen Schulen. Noch nicht.
Ich hoffe doch sehr, Schüler und Schülerin war es freigestellt an dieser miesen Veranstaltung teilzunehmen.
Ich hoffe ferner, die jungen Teilnehmer bekamen realistisches Bildmaterial gezeigt. Wohl eher nicht.
Es schmerzt Jugendliche in Händen des Militärs zu wissen, ohne jemanden der sie aufklärt wo das hinführen soll.
Killer oder Kanonenfutter, was willst du werden?
"wenn man Nachwuchs gewinnen will. Wenn die Deutsche Bahn nach jungen Lokführern Ausschau hält wird man wohl auch nicht zuallererst zerfetzte Selbstmörder auf Bahngeleisen zeigen. "
Wohl wahr. Allerdings ist es nicht einmal ansatzweise Ziel des Lokfahrens, Leute um-, sondern sie irgendwo hinzubringen.
Hingegen halte ich es durchaus für ein Teil des berufsbilds eines Soldaten, eben " zu töten und getötet zu werden", wie es ein Komentator zuvor sagte und worauf ich reagierte. Beim Arztberuf werden auch mal leichen produziert- es ist aber nicht das ziel.
Die "Vernichtung des feindes" (terminus technicus) ist der Job der buWe im Krieg - nicht das Brunnenbohren.
Paging