Die Bundeswehr wirbt um Sympathie und Nachwuchs - und nutzt dafür auch einen Schießsimulator. Darf die Bundeswehr so vor Schülern auftreten und für sich werben? Kritiker befürchten, schon Kinder würden so "auf Kurs gebracht".
Es sollte ein Informationstag über "marktgängige Berufe bei der Bundeswehr" werden, für den 50 Schüler des Berufsbildungszentrums Plön in Schleswig-Holstein kürzlich in die Heeresflugabwehrschule Todendorf gefahren waren. So hatte es zumindest - und zwar ausschließlich - im Konzept der Bundeswehr gestanden, das Schulleiter Axel Böhm im Vorfeld erhalten hatte. Dass neben kriegsfernen Berufen wie Mechaniker oder Bürokaufmann auch ein Schießsimulator eine Rolle spielen würde, ahnte vorher keiner.
"Tausend Mal besser als die Spielkonsole zu Hause": Soldatinnen bei einer Geländeübung. (© Foto: Reuters)
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Und erst recht nicht, dass die Schüler dort mit Handfeuerwaffen Zielübungen machen dürften, darunter - entgegen den Vorschriften der Bundeswehr - sogar Minderjährige. "Das war vorher nicht ersichtlich. Dafür hätte ich nie Unterrichtszeit bereitgestellt, wir wären nicht hingefahren", sagt Böhm heute. Einige Monate zuvor hatte ein Soldat, wie regionale Medien berichten, in einer anderen Kaserne vor begeisterten Achtklässlern aus Ostholstein geprahlt, als er das computeranimierte Schieß-Kino vorführte: "Tausend Mal besser als die Spielkonsole zu Hause."
Dies sind - nach jetzigem Stand - Einzelfälle, doch sie befeuern eine Grundsatzfrage: Wie darf die Bundeswehr in Schulen auftreten und somit auch in gewisser Weise für sich selbst werben? Jüngst haben die Kultusminister von fünf Bundesländern mit der Bundeswehr Rahmenabkommen geschlossen, mit denen die Armee offizieller Bildungspartner wird: für Vorträge von Jugendoffizieren, für Lehrer-Schulungen in Sicherheitsfragen oder Exkursionen in Kasernen. Etwa in Rheinland-Pfalz, wo das Ministerium aber ausdrücklich betont, man intensiviere auch den Kontakt zu Kirchen oder Friedensdiensten, um "einen gleichberechtigten Beitrag zur Demokratieerziehung" zu ermöglichen.
Neben Rheinland-Pfalz handelt es sich nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung um das Saarland, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. In Hessen wird derzeit intern an einer solchen Vereinbarung gearbeitet, in Bayern "das sehr hochwertige Angebot" geprüft, heißt es.
Thema Sicherheit in den Schulen unterentwickelt
"Wir stellen seit Jahren fest, dass das Thema Sicherheit und Verteidigung in den Schulen unterentwickelt ist", sagt ein Bundeswehrsprecher. Es gehe um ein "gesellschaftliches Signal", um den klassischen Auftrag der politischen Bildung. Man wolle die Lehrer unterstützen und "entlasten" und dabei auch "durchaus selbstkritisch" sein. Berufsmöglichkeiten würden nur dann erörtert, wenn dies von der Schule so gewünscht werde. Gerade bei den Jugendoffizieren gehöre Nachwuchsfindung absolut nicht zu den Aufgaben. Vielleicht zeige aufgrund der Informationen jemand Interesse für die Bundeswehr und lasse "sich animieren" - der Offizier gehe aber nicht aus diesem Grund in die Schulen.
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Auch darin stimme ich Ihnen zu.
Der Realismus kann durchaus warten. Aber WENN schon BuWe in die Schulen kommt, dann MIT diesem realismus. Nur hat die BuWe dort nichts verloren. Soldatsein ist nicht ein beruf wie jeder andere, auch wenn uns das suggeriert werden soll.
"Hingegen halte ich es durchaus für ein Teil des berufsbilds eines Soldaten, eben " zu töten und getötet zu werden"
Sie haben schon wieder Recht. Es ist Teil des Berufsbildes. Vielmehr: es kann Teil dessen sein. Ebenso wie leider der Selbstmörder für viele Lokführer. Aber es ist ebenso wenig das Berufsziel des Soldaten. Glücklicherweise werden die allermeisten Bundeswehrsoldaten eben nicht getötet oder kommen in die schreckliche Lage, andere Menschen töten. Ich denke, das man von der Bundeswehr Aufklärung über den Soldatenberuf erwarten darf ohne etwas zu beschönigen. Allerdings finde ich es ebenfalls verständlich, dass man bei der Berufsvorstellung keinen ultrabrutalen Hyperrealismus walten lässt. Zum einen, weil die dies ja wiederum auch keine realistische Darstellung des Berufes und der Aufgabe der Bundeswehr darstellen würde, zum anderen weil dies womöglich wohl nur die absolut schmerzlosen Gefühlsklötze in die Bundeswehr locken würde, die den Beruf als den ultimativen Test für die eigene Härte und Willensstärke sehen würden.
War es die Frage: "Wer knackt den High-Score von Oberst Klein ?" die Ihnen missfiel?
Wäre die Aussage: "Der High-Score liegt der Zeit bei 142" ohne Nennung eines Namens, noch akzeptabel?
Haben Sie etwas gegen "einen romantischen Abend mit Lagerfeuer, wo unsere Afghanistan-Veteranen den Pimpfen von ihren Abenteuern im wilden kurdistan berichten."?
Ist die Annahme dass "Der Heimcomputer verliert seinen Reiz für den, der einmal am Bundeswehrsimulator üben durfte," unzutreffend?
Verabscheuen Sie nicht auch den Menschen der einen "ultimativen Kick verspürt" wenn er "die Gelegenheit erhält auf echte Menschen zu schießen." ?
Und Ist es nicht wirklich tragisch für die Soldaten der Bundeswehr, die ausgezogen sind in Afghanen Demokratie und Menschenrechte zu verwirklichen, durch die widrige Umstände, für die sie selbstredend keinerlei Verantwortung tragen, dazu gezwungen werden gegen das 5. Gebot zu verstoßen?
Militär Indoktrination gehört nicht zum Bildungsauftrag in deutschen Schulen. Noch nicht.
Ich hoffe doch sehr, Schüler und Schülerin war es freigestellt an dieser miesen Veranstaltung teilzunehmen.
Ich hoffe ferner, die jungen Teilnehmer bekamen realistisches Bildmaterial gezeigt. Wohl eher nicht.
Es schmerzt Jugendliche in Händen des Militärs zu wissen, ohne jemanden der sie aufklärt wo das hinführen soll.
Killer oder Kanonenfutter, was willst du werden?
"wenn man Nachwuchs gewinnen will. Wenn die Deutsche Bahn nach jungen Lokführern Ausschau hält wird man wohl auch nicht zuallererst zerfetzte Selbstmörder auf Bahngeleisen zeigen. "
Wohl wahr. Allerdings ist es nicht einmal ansatzweise Ziel des Lokfahrens, Leute um-, sondern sie irgendwo hinzubringen.
Hingegen halte ich es durchaus für ein Teil des berufsbilds eines Soldaten, eben " zu töten und getötet zu werden", wie es ein Komentator zuvor sagte und worauf ich reagierte. Beim Arztberuf werden auch mal leichen produziert- es ist aber nicht das ziel.
Die "Vernichtung des feindes" (terminus technicus) ist der Job der buWe im Krieg - nicht das Brunnenbohren.
Paging