Zahlreiche Kündigungen, wenige Bewerbungen: Der Sanitätsdienst der Bundeswehr ist bald nur noch begrenzt einsatzfähig.
Die Bundeswehr sorgt sich um die Funktionsfähigkeit ihres Sanitätswesens. In diesem Jahr haben sich allein bis Ende Oktober 68 Ärzte aus der Truppe verabschiedet; 57 von ihnen sind in ein ziviles Beamtenverhältnis gewechselt, 11 haben dem Staat den Rücken gekehrt und gekündigt.
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Sie sind schlecht bezahlt und von Auslandseinsätzen stark belastet: Immer häufiger verlassen Ärzte die Bundeswehr. Weil gleichzeitig der Nachwuchs ausbleibt, droht der Truppe ein Ärztemangel. (© Foto:)
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Im ganzen Jahr 2007 verzeichnete die Bundeswehr hingegen nur sechs Kündigungen und fünf Verbeamtungen. Ein "Sachstandsbericht" des Verteidigungsministeriums zur Personalentwicklung im Sanitätsdienst, der in diesen Tagen dem Verteidigungsausschuss des Bundestages zugeleitet wurde, diagnostiziert einen "sprunghaften Anstieg unplanmäßiger ärztlicher Personalverluste in 2008". Der in der Bundeswehrplanung angestrebte Zuwachs von derzeit 3070 auf 3500 Sanitätsoffiziere bis 2010 sei "unter den derzeitigen Rahmenbedingungen" nicht zu realisieren.
Personalnöte lange bekannt
Die Personalnöte im Sanitätswesen der Bundeswehr sind seit langem bekannt, doch liegen nun erstmals belastbare Zahlen aus dem Ministerium vor. Offiziell waren die Probleme, auf die unter anderen ein Kreis kritischer Ärzte im Bundeswehrkrankenhaus Koblenz, aber auch der Wehrbeauftragte des Bundestags Reinhold Robbe schon seit Jahren hinweisen, bisher immer als relativ harmlos dargestellt worden.
Inzwischen aber spricht selbst aus der zurückhaltend formulierten Analyse des Ministeriums eine deutliche Warnung. Sollten sich die Personalverluste und der gleichzeitig eingetretene drastische Rückgang an Bewerbern verstetigen, werde "weder der Bestand zu halten noch der erforderliche Aufwuchs zu realisieren sein", heißt es in dem Papier. "Hieraus würde zwangsläufig eine Einschränkung der Einsatzfähigkeit des Sanitätsdienstes resultieren."
Wenig Geld, hohe Belastung
Als wesentlichen Grund für die hohe Abwanderungsrate nennt der Bericht, dass Klinikärzte derzeit in zivilen Krankenhäusern besser verdienen als bei der Bundeswehr. Auch wird die hohe Belastung gerade des medizinischen Personals durch die vielen Auslandseinsätze anerkannt. Das Koblenzer "Forum Sanitätsoffiziere" verweist darüber hinaus auf mangelnde Karriereaussichten, überbordende Bürokratie und die zunehmende Unvereinbarkeit von Familie und Beruf.
Für die Bundeswehr kommt erschwerend hinzu, dass sich im Gesundheitswesen generell ein Ärztemangel abzeichnet. Die Zahl der Studierenden sei rückläufig, viele Ärzte wanderten ins Ausland ab, und bis 2015 würden etwa 57000 niedergelassene Ärzte in den Ruhestand gehen, heißt es in dem Bericht. In diesem Umfeld wird die Bundeswehr immer weniger konkurrenzfähig, was sich im Rückgang der Bewerberzahlen zeigt. Gab es 2006 noch 2095 Bewerbungen für eine Ausbildung zum Sanitätsoffizier, so waren es 2007 nur noch 1497, ein Minus von 29 Prozent.
Für 2008 rechnet das Ministerium mit einem weiteren Rückgang um 20 Prozent. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, würde dies "die Gewinnung geeigneter Kandidaten hinsichtlich Qualität und Quantität gefährden", heißt es in dem Papier. Auch die Zahl fertig ausgebildeter Ärzte, die als Seiteneinsteiger zur Bundeswehr kommen, sowie die Bewerbungen als Berufsoffizier sind rückläufig. Besonders gravierend ist die Lücke zwischen Stellenbedarf und -besetzung gerade in Bereichen, die für die Auslandseinsätze wichtig sind: Anästhesie, Chirurgie und Innere Medizin.
Eine Arbeitsgruppe im Ministerium soll nun Vorschläge machen, wie der Sanitätsdienst attraktiver werden kann. Eine erste Maßnahme enthält eine vor kurzem verabschiedete Reform des Dienstrechts. Darin wird den Fachärzten der Bundeswehr eine monatliche Zulage von 600 Euro gewährt. Dies ist jedoch zunächst auf sechs Jahres befristet.
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(SZ vom 02.12.2008)
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Ich habe kürzlich einen zugegebenermaßen recht alten Kommentar von Norbert Blüm gehört, der sagte, man müsse die Ärzteschwemme bekämpfen, indem man Medizinstudienplätze abschafft und härtere Zulassungsbeschränkungen für ein Medizinstudium einführt.