Ein Kommentar von Hans Werner Kilz

Die Männer und die Medien im Griff: Angela Merkel ist im Amt gereift. Doch wenn Schwarz-Gelb nicht zustande kommt, wird die Union wenig Gnade mit ihr haben.

Angela Merkel hat etwas geschafft, was vor ihr nur einem Kanzler gelungen ist. Sie kann schon vor der Wahl ziemlich sicher sein, dass sie nach der Wahl wieder die Regierung führen wird. Damals, vor fünfzig Jahren, war es der rheinische Katholik Konrad Adenauer, bei dem sich ein Großteil der Deutschen geborgen fühlte, weil er im Kalten Krieg auf die starken Amerikaner setzte und virtuos die Kommunistenfurcht schürte.

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CDU-Anhänger bei der Abschlussveranstaltung des Wahlkampfes in Berlin-Treptow. (© Foto: AFP)

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Heute ist es die protestantische Pastorentochter aus dem Osten, die in den vergangenen vier Jahren so selbstbewusst regierte, dass am Sonntag unter den 62,2 Millionen Wahlberechtigten viele für die CDU stimmen werden, obwohl sie die Partei gar nicht mögen. Sie wollen Merkel. Es gibt im Volk keine Stimmung, die sich gegen die Kanzlerin wenden ließe, obwohl ihr Regierungsstil zuweilen stark an Helmut Kohl erinnert, der vieles treiben ließ, keiner klaren politischen Richtung zuzuordnen war und immer dann hellwach war, wenn es galt, die eigene Macht zu sichern.

"Das Mädchen", kein Zweifel, hat gelernt. Angela Merkel ist eine selbstbewusste, erfolgreiche Kanzlerin geworden.

Sehnsucht nach Harmonie

Ihre politische Bilanz kann sich sehen lassen. Mit den Amerikanern kommt sie besser aus als ihr Vorgänger Schröder, mit dem schwierigen Nachbarn Polen auch. Sie wahrt mehr Distanz zu den Russen und gibt dem kleinwüchsigen, kapriziösen Franzosen Nicolas Sarkozy das Gefühl, ein ganz Großer zu sein.

Sie hat zusammen mit dem SPD-Finanzminister Peer Steinbrück (auch zwei, die sich mögen) in der weltweiten Finanzkrise jede Panik vermieden, trotz schlimmster Rezession auf sozialen Ausgleich geachtet, die Arbeitslosigkeit gedrosselt, mehr Geld für Forschung und Hochschulen ausgegeben und ihre Partei, die das alles zu sozialdemokratisch fand, beim gelegentlichen Aufmucken ziemlich ruhiggestellt. Sie habe ihren Amtseid dem deutschen Volk geschworen, pflegt sie auf solchen Vorhalt zu sagen, und nicht ihrer Partei.

Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit, ist es aber nicht. Es war klug von ihr, das konsensuelle Element der großen Koalition hochzuhalten, auch im Fernsehduell, das zu ihren Lasten ging, weil sie weniger angriffslustig wirkte als ihr Herausforderer Frank-Walter Steinmeier. Ihrer Beliebtheit hat es nicht geschadet. Die Deutschen sehnen sich doch nach Harmonie, schätzen es überhaupt nicht, wenn Politiker aufeinander eindreschen. Es wäre von Merkel unglaubwürdig und töricht, sich öffentlich über einen Partner zu beschweren, von dem sie bis vor kurzem noch behauptete, gut mit ihm zusammengearbeitet zu haben.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Rolle Frank-Walter Steinmeier im Falle einer SPD-Niederlage zukommt.

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