Bundestagswahl Diese Abgeordneten sitzen für die AfD im Bundestag

Für die AfD in den Bundestag gewählt (von rechts, oben): Siegbert Droese, Wilhelm von Gottberg, Frauke Petry, Armin-Paul Hampel; (unten) Mariana Harder-Kühnel, Alice Weidel, Alexander Gauland, Detlev Spangenberg

(Foto: dpa/imago/AFP)

Verschwörungstheoretiker, Holocaust-Bezweifler und ein früherer Stasi-Mitarbeiter: Eine Auswahl der AfD-Politiker, die in den Bundestag gewählt wurden.

Von Katja Riedel, Sebastian Pittelkow, Antonie Rietzschel und Oliver Das Gupta

Alice Weidel, Baden-Württemberg

Die 38-Jährige steht vor allem für eines: für große Widersprüche. Offiziell lebt sie am Bodensee auf deutscher Seite; sehr viel Zeit verbringt die Spitzenkandidatin der AfD aber auch im schweizerischen Biel, wo ihre Lebenspartnerin, eine Filmregisseurin mit Wurzeln in Sri Lanka, die beiden Kleinkinder des Paares großzieht. Wegbegleiter berichten, dass sie sich vor ihrem steilen Aufstieg bei der AfD sehr weltgewandt gegeben habe - ganz anders, als es im Parteiprogramm zu lesen ist. Lesbisch, kosmopolitisch, in einer ihrer vielen, oft kurzen Berufsstationen arbeitete die promovierte Ökonomin für die bei der AfD verpönte Investmentbank Goldman-Sachs.

Weidel steht für vieles, wogegen sich die AfD offiziell ausspricht. Als geradezu Unbekannte schaffte sie es in den Bundesvorstand der Partei, rechnete sich nie eindeutig einem Lager zu, was ihr den Ruf eintrug, eine Opportunistin zu sein. Ihre Stimme sei immer da, wo die Macht gerade liege, lästern ihre Gegner. Und so kam es auch.

Auf dem Bundesparteitag in Köln Ende April, als Frauke Petry sich verspekulierte und den Richtungsstreit in der Partei verlor, griff Alice Weidel in letzter Sekunde zu und ließ sich zusammen mit Alexander Gauland zum Spitzenteam der Partei für den Bundestagswahlkampf küren. Wer von ihrer Antrittsrede damals inhaltliche Impulse für die AfD erwartete, wurde enttäuscht. An deren Ende blieb nur so viel übrig: "Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte", wetterte sie in scharfem Ton.

Tatsächlich wurde dies vor allem in den Wochen vor der Wahl ihr Programm. Weidel stilisierte sich gern als Opfer der "Lügenpresse", verließ publikumswirksam eine ZDF-Talkshow. Vieles an diesen und anderen Eskalationen wirkte inszeniert. Dass Alice Weidel Wirtschaftskompetenz in die AfD einbringen kann, kehrte sie zuletzt kaum heraus. Dabei leitete sie den Bundesfachausschuss Euro und Währung. Vor ihrer Zeit in der AfD lebte sie in China, promovierte über das dortige Rentensystem, machte sich in Deutschland als Beraterin selbständig. Nach Frauke Petry hat die AfD mit Alice Weidel ein neues weibliches Vorzeige-Gesicht, nur welches? Das bleibt noch immer rätselhaft.

Sebastian Münzenmaier, Rheinland-Pfalz

Münzenmaier, Jahrgang 1989, war bislang Fraktionsgeschäftsführer im Mainzer Landtag, nun zieht er in den Bundestag ein als Spitzenkandidat der AfD in Rheinland-Pfalz. Bevor er in die AfD eintrat, war er Mitglied bei der islamfeindlichen Partei "Die Freiheit", die vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet wurde. Gegen Münzenmaier läuft derzeit ein Prozess, Vorwurf: schwere Körperverletzung. 2012 soll er mit Dutzenden Hooligans aus Kaiserslautern auf Mainzer Fußballfans eingeprügelt haben.

Wahlplakat von AfD-Kandidat Leif-Erik Holm (AfD) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Stralsund.

(Foto: dpa)

Leif-Erik Holm, Mecklenburg-Vorpommern

Der frühere Radiomoderator führte seine Partei im Herbst 2016 in den Landtag in Schwerin. Aus dem Stand holte die AfD fast 21 Prozent, Leif-Erik Holm wurde Fraktionsvorsitzender und Oppositionsführer. Holm ist ein Vertreter des gemäßigten Flügels. Im Wahlkampf galt er als Unterstützer von Petrys bürgerlich-moderatem Kurs. Als diese ihre Strategie jedoch ausdrücklich mit einer Fundamentalkritik an Bundesvize Alexander Gauland verknüpfte, wollte Holm das nicht mittragen. Die strategische Debatte möchte er nicht mit einer Personaldiskussion verbinden, sagte Holm damals.

Martin Hohmann, Hessen

Hohmanns Name ist mit einem der großen politischen Skandale der Nullerjahre verknüpft. Die "Tätervolk"-Debatte kostete den damaligen CDU-Abgeordneten erst seinen Platz in der Bundestagsfraktion, dann seine Parteimitgliedschaft. Der Skandal hatte sich an einer Rede Hohmanns zum Tag der Deutschen Einheit entzündet, in der es um die Schuldfrage am Holocaust und den Begriff "Tätervolk" ging. Hohmanns Worte wurden als antisemitisch bewertet. Den Rücken stärkte Hohmann, der lange Bürgermeister in Neuhof bei Fulda war, sein damaliger CDU-Parteifreund Alexander Gauland. Der rechtskonservative Katholik gehört wie Gauland zu jener Gruppe, die der heutigen Union einen Linksrutsch attestieren und dafür Bundeskanzlerin Merkel verantwortlich machen. Hohmann steht für das Milieu ehemaliger CDU-Politiker, für die angeblich heute kein Platz mehr in der Union ist.

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In die AfD ist der lange parteilose Hohmann erst im März 2016 eingetreten, als diese sich längst von der Euroskeptikerpartei zu einer rechtspopulistischen Partei gewandelt hatte. Nun kehrt er über die hessische Landesliste in den Bundestag zurück, wo er von 1998 bis 2003 bereits saß. In seinen neueren Reden provoziert er wieder, benutzt einschlägige Begriffe wie "Volksgemeinschaft". Dieses Wort gehörte zum Vokabular des Nazi-Regimes, aber in der AfD zuckt bei dem Ausdruck niemand. Selbst AfD-Chefin Frauke Petry, die sich dem bürgerlich-gemäßigten Spektrum ihrer Partei zurechnet, schlug vor, dem Begriff "völkisch" neue Bedeutung zu geben. Umso mehr passt der studierte Jurist Hohmann zur AfD, die solche "Denkverbote" abschaffen will. Hohmann sagt, er sei "besorgt" um sein "Vaterland". Er sei fit, trotz seines fortgeschrittenen Alters, schreibt der 69-Jährige auf seiner Homepage. Immerhin halte er 52 Sportabzeichen.