Der Bundestag hat das größte Maßnahmenbündel der Nachkriegsgeschichte gebilligt. Union und SPD stimmten zu - und setzten auch die Reform der Kfz-Steuer und den Nachtragshaushalt 2009 durch.
Der Bundestag hat dem zweiten Konjunkturpaket der Bundesregierung mit der Mehrheit der Koalitionsfraktionen zugestimmt. Zu dem Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von 50 Milliarden Euro gehören ein umfangreiches Investitionsprogramm sowie Entlastungen bei Steuern und Abgaben. Die Oppositionsfraktionen FDP, Linke und Grüne stimmten gegen das Konjunkturpaket. In der vorangehenden Debatte hatten sie nochmals heftige Kritik an den Plänen geäußert.
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Das neue Team gegen die Krise: Deutschlands neuer Wirtschaftsminister Guttenberg mit Finanzminister Steinbrück und Kanzlerin Merkel. (© Foto: ddp)
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Zum Konjunkturpaket kommt die Neugestaltung der Kfz-Steuer, die im Anschluss in einem eigenen Gesetz beschlossen wurde. Der Bundestag machte den Weg frei für eine Übertragung der Einkünfte aus der Kfz-Steuer von den Ländern auf den Bund. Er stimmte mit Zwei-Drittel-Mehrheit einer entsprechenden Grundgesetzänderung zu. Der Bund entlastet die Länder dafür mit jährlich 8,9 Milliarden Euro.
Ebenfalls wurde am Vormittag der Nachtragshaushalt für das Jahr 2009 beschlossen. Die Neuverschuldung steigt damit drastisch auf 36,9 Milliarden Euro. Dazu kommen noch weitere, ebenfalls durch Kredite finanzierte Kosten für das Konjunkturpaket, die aber getrennt vom Haushalt in dem Sondervermögen "Investitions- und Tilgungsfonds" verbucht werden. Bislang war für 2009 eine Neuverschuldung von 18,3 Milliarden Euro vorgesehen gewesen. Das Haushaltsvolumen erreicht mit dem Nachtrag 297,6 Milliarden Euro. Die Oppositionsfraktionen lehnten die Vorlage ab.
Guttenberg verteidigt Konjunkturpaket: "Nicht in Sack und Asche"
Der neue Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte das Paket in der Aussprache vor den Abstimmungen verteidigt und zu mehr Zuversicht aufgerufen. "Wir müssen nicht in Sack und Asche gehen", sagte Guttenberg in seiner ersten Rede als Minister vor den Parlamentariern.
Deutschland habe ein Konzept, das über das Jahr hinausreiche und sei erfahren in der Krisenbewältigung. An die Politiker appellierte zu Guttenberg, den Menschen zu vermitteln, dass sich die Parteien nicht um die Einzelheiten "kloppen", sondern gemeinsam den Menschen Zuversicht geben.
Guttenberg warnte davor, angesichts der Ausmaße der Krise die soziale Marktwirtschaft in Frage zu stellen. Deutschland habe eine Wirtschafts-, aber keine Systemkrise.
Es sei richtig, dass der Staat in dieser Situation nicht allein auf die Selbstheilungskräfte des Marktes vertraue. Wenn die Maßnahmen wirken, müssten erweiterte Grenzen aber auch wieder zurückgenommen werden. Zu viel Staat behindere private Initiative und Investitionen.
Opposition: Paket ist "ziellos" und ein ökologischer "Blindflieger"
FDP-Partei- und Fraktionschef Guido Westerwelle nannte das Paket dagegen "enttäuschend" und "ziellos". Er forderte erneut größere steuerliche Entlastungen der Bürger. Mit dem Paket würden die Schulden rapide steigen und lange bleiben. Für die Bürger werde aber sehr wenig herausspringen, sagte Westerwelle. Ohne deutliche Steuersenkungen sei kein nennenswerter Konjunkturimpuls zu erwarten.
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn kritisierte das Konjunkturpaket II in ökologischer Hinsicht als "Blindflieger". Das Maßnahmenpaket habe keine klare Richtung für "Klima, Bildung und soziale Gerechtigkeit" aufgezeigt, sagte Kuhn im Bundestag. Konjunkturpolitik müsse mit Gerechtigkeitspolitik verbunden werden. Steuersenkungen erteilte Kuhn eine Absage. Diese kämen nur der Hälfte aller Haushalte zugute. Vielmehr müssten Transferleistungen wie das Arbeitslosengeld II erhöht werden.
Linken-Chef Oskar Lafontaine forderte, den Kreditsektor in öffentliche Verantwortung zu übernehmen. Dies sei der beste Weg, um der Wirtschaftskrise "Herr zu werden", sagte Lafontaine im Rahmen der abschließenden Beratungen. Die Übernahme in öffentliche Verantwortung stelle zudem sicher, dass Zinssenkungen der Zentralbank auch entsprechend weitergegeben würden. Das Paket müsse zudem "sozial ausgewogen" sein.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) lobte hingegen die im Konjunkturpaket geplanten Maßnahmen im Bildungsbereich. Das Investitionsprogramm werde eine "große Dynamik" am Bildungs- und Forschungsstandort Deutschland auslösen. Dies sei die Voraussetzung dafür, um "Brücken aus der Krise in die Zukunft" zu schlagen.
Oettinger im Bundesrat: "Wer schnell hilft, hilft doppelt"
Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) appellierte an die Länder, dem Konjunkturpaket zuzustimmen. "Wer schnell hilft, hilft doppelt", sagte Oettinger am Freitag im Bundesrat bei der Behandlung des Nachtragshaushalts. Er forderte die kleineren Regierungspartner in den Ländern auf, die Hilfsmaßnahmen nicht zu verzögern.
"Eine Anrufung des Vermittlungsausschusses oder gar ein Ablehnung des zweiten Pakets wäre falsch", sagte der CDU-Politiker. Der Bundesrat stimmt in einer Woche in einer Sondersitzung über das Paket ab.
Änderungen will Oettinger bei der Umlage der Kfz-Steuer von den Ländern auf den Bund. Dies soll mit dem Nachtragshaushalt beschlossen werden. Oettinger zeigte sich grundsätzlich einverstanden, kritisierte aber, dass der Bund der Gerechtigkeit nicht genügend nachgekommen sei. In seiner Stellungnahme forderte der Bundesrat, die finanziellen Kompensation zugunsten der Länder zu korrigieren.
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(AFP/dpa/ddp-bay/AP/woja/bica/ihe/bosw)
In ein paar Monaten erwarten unsere Volksvertreter wieder von uns -
dem Volk - dass wir alle zu den Urnen schreiten uns die netteste Gruppierung
aussuchen, ankreuzen und dann kommentarlos wieder nach Hause gehen.
Schön.
Ich für meinen Teil vermag keinerlei Unterschiede unter diesen selbstgefälligen,
geldgeilen, machtbesessenen Wänsten, die es nicht mal mehr nötig haben, an den
Parlaments-Sitzungen im Reichstag teilzunehmen, zu erkennen.
Deshalb erlaube ich mir, frei nach Theodor Heuss zu sagen:
NUN WÄHLT MAL SCHÖN. Aber ohne mich.
Thomas Fuhrmeister, Physiker, 51 Jahre
Die Banken haben kein Geld mehr und leihen sich deswegen und weil sie sich untereinander nicht mehr trauen kein Geld.
Der Staat will mit immer mehr Hilfspaketen durch das Aufnehmen von immer mehr Schulden, die Krise beseitigen.
Es drängen sich da Fragen auf:
Einmal, wieso hat irgendwer noch soviel Geld, dass er es dem Staat leihen könnt und hat es überhaupt jemand, so viel Geld?
....und wieso hat oder haben verschiedene Leut soviel Geld und setzen es nicht ein, ist doch dumm es in der Matratze vergammeln zu lassen?
....und was ist wenn keiner mehr dem Staat Geld leihen mag, weil ich mein ich könnts verstehen, wenn so einer schon von Wirtschaftsminister ist, was sind dann die anderen?
Stefan Homburg, renommierter Wirtschaftswissenschaftler der Uni Hannover, hat im Streitgespräch mit Bernd Rürup im Spiegel interessante Erkenntnisse von sich gegeben.
Zu der Äusserung von Steinbrück zur Bankenkrise, er habe in den Abgrund geschaut, sagte Homburg, da sind Amateure über den Abgrund gehalten worden. Und so scheint es auch gewesen zu sein. Homburg mahnte in diesem Streitgespräch mehr Markt an und man hätte nicht alle Banken retten dürfen, andere hätten von selbst deren operative Geschäfte übernommen.
Und Amateure haben jetzt weitere 50 Milliarden Euro versenkt, für die unsere Kinder und Kindeskinder keinen entsprechenden Gegenwert bekommen. Hier wurde nur das jeweilige Klientel dieser politischen Versorgungsprofis bedient und vorab Wahlgeschenke ausgeteilt.
Dafür dürfen die nachfolgenden Generationen das Werk dieser hilflosen politischen Amateure bezahlen. Dies ist der eigentliche Skandal, abgesehen davon, dass es ordnungspolitisch, siehe Kfz-Steuer, komplett vermurkst wurde.
..und auch niemand, der sich weigert, die systematischen Probleme der nur noch angeblich sozialen Marktwirtschaft wahrzunehmen. Was wir bräuchten wäre ein Wirtschaftsminister, der die Bruchstellen zwischen diesem, an sich guten, Konzept und den Folgen der Globalisierung aufzeigen kann und eine Strategie entwickelt, wie sozialverträglicher Kapitalismus unter diesen Umständen wiederhergestellt werden kann. Scheuklappensicht, Wunschdenken und parteipoltischen Erwägungen die höchste Priorität geben sind da absolut nicht hilfreich. Daher kann man realistisch gesehen keine großen Erwartungen an dieses jüngste Kind der CSU-Kaderschmiede hegen. Der müßte schon alles vergessen, was er bisher gelernt hat, um in diesem neuen Job erfolgreich zu sein. Wir können nur hoffen, daß er uns positiv enttäuscht.
die großen Wachstumsraten während des Wirtschaftswunders sind leicht zu erklären. Wenn das Grundniveau niedrig ist und die meisten nur wenig haben, ist ein großes Wirtschaftswachstum möglich. So ähnlich ist es ja jetzt auch in China oder anderen asiatischen Ländern. Anders jetzt: Die Märkte sind gesättigt, keiner braucht ja drei Autos oder fünf Kühlschränke. Also stockt der Absatz und das Wachstum.
Dazu kommt mit Blick auf die Arbeitsplätze: Es gab einen gewaltigen Rationalisierungsschub durch die Mikroelektronik (sie ist noch nicht abgeschlossen). Dadurch wurde immer mehr menschliche Arbeit ersetzt.
Es gibt einige (linke) Ökonomen, die den Nachkriegsboom als Ausnahmefall bezeichnen. Ich denke dass ist ein Ansatz, den man weiterverfolgen sollte. Wieviel Zeiten der Vollbeschäftigung gab es eigentlich in den letzten 200 Jahren? Und wieviel fällt davon auf Kriegsrüstung oder Kriegsschädenbeseitigung (das Wirtschaftswunder)? Vielleicht wird man dann feststellen, dass die soziale Marktwirtschaft gar nicht so tolle ist, wie wir immer denken.
Das ist natürlich eine sehr verkürzte Darstellung, keine ausgearbeitete Theorie, es gibt noch viele andere Faktoren, Rohstoffe oder die Finanzmärkte, die man berücksichtigen muss.
Ich denke allerdings: Auch Ludwig Erhard hätte heute seine Schwierigkeiten.
Paging