Was dann jedoch folgt, klingt über weite Teile wie die Regierungserklärung der Kanzlerin einer großen Koalition. Sie lobt die erfolgreiche Stabilisierung der Finanzmärkte, den nur moderaten Zuwachs an Arbeitslosen, den Rückgang von Jugendarbeitslosigkeit, die Konjunkturprogramme und Bankenrettungspakete. Nichts davon hat Schwarz-Gelb zu verantworten.

Anzeige

Zur aktuellen Regierung fällt ihr nur das sogenannte Wachstumsbeschleunigungsgesetz ein, dem sie tapfer attestiert, seinen Namen zu Recht zu tragen, womit sie in der Fachwelt ziemlich alleine dasteht.

Für die Lösung der Probleme - Überschuldung, Arbeitslosigkeit, demographischer Wandel - hat sie einen schlichten Vorschlag parat: Arbeit schaffen. Klingt einfach und muss es auch wohl sein, so wie Merkel es verkauft. Es gebe fünf Millionen Hartz-IV-Empfänger im Land, sagt sie, die 1,8 Millionen Kinder in Hartz-IV-Bezug hat sie dabei großzügig herausgerechnet. Merkel: "Wenn wir es hier schaffen, dass immer mehr Menschen in reguläre Arbeit kommen, dann haben wir es geschafft". So leicht kann Politik sein.

Kauder versucht zu retten, was noch zu retten ist

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi macht sich danach gar nicht mehr die Mühe, sofort darauf zu reagieren. Er arbeitet sich lieber wie gewohnt an der SPD ab, der er immerhin bescheinigt, mit ihren Vorschlägen zu einer Reform der Hartz-Gesetze auf dem richtigen Weg zu sein. Für FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger ist die Welt ohnehin eine blau-gelbe. Der Haushalt, sagt sie, sei ein "Dokument der Handlungsfähigkeit" der Koalition.

Unionsfraktionschef Kauder hat das natürlich so nicht gemeint, als er sagte, er wisse nicht, was Schwarz-Gelb will. Es war lediglich die verunglückte Eröffnung seiner Rede, die den Weg zur Pointe nicht gefunden hat. Kauder versucht zu retten, was zu retten ist: Was nämlich die "christlich-liberale Koalition" (man beachte den semantischen Unterschied zur "schwarz-gelben Koalition) mache und wolle, das wisse er sehr wohl, es gehe ja um Werte.

Diese Feinheit geht unter im anhaltenden Gelächter. Vielleicht muss man aus Baden-Württemberg kommen, um den Witz dahinter zu verstehen. Oder Mitglied dieser Koalition sein. Zu Lachen gibt es da derzeit nicht allzu viel.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Kauder weiß auch nicht, was Schwarz-Gelb will
  2. Sie lesen jetzt Die Pointe von Kauder
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/gba)