Erhielten etwa alle 17 Reaktoren zusätzliche Strommengen für sechs oder acht Jahre, müssten aber zugleich ältere Anlagen wegen der neuen Sicherheitsauflagen abgeschaltet werden, dann ließe sich deren Strommenge auf die jüngeren Anlagen übertragen - die dann deutlich mehr zusätzliche Laufzeiten erhielten als nur sechs oder acht Jahre. Röttgen, aber auch die Ressorts für Inneres und Justiz, gehen bislang davon aus, dass sich nur eine moderate Verlängerung auch ohne Zustimmung des Bundesrats bewerkstelligen lässt. Gleichzeitig drängen vor allem Bayern und Baden-Württemberg, die stark von der Kernkraft abhängen, auf eine möglichst lange Lebensdauer der Anlagen.

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Die Ministerien für Wirtschaft und Umwelt wollten sich am Sonntag nicht zu Spekulationen über Laufzeiten äußern. Die Entscheidung werde erst im Lichte des geplanten Energiekonzepts fallen. Derzeit arbeiten Wissenschaftler an Berechnungen über den künftigen Energiemix; Ergebnisse sollen sie Ende des Monats vorlegen. Eine Vorentscheidung im Kabinett soll Ende September fallen.

Auf die Auflagen kommt es an

Die Zeit drängt: Ende März wird unter anderem in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. In der Koalition wächst die Sorge, das Thema könnte die Wahl überschatten. Doch auch innerhalb der Länder ist die Atomfrage umstritten. So forderte Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki am Wochenende abermals den Verzicht auf längere Laufzeiten. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) trat dafür ein, die Atommeiler so rasch wie möglich abzuschalten.

Ob und welche Kernkraftwerke vorzeitig abzuschalten wären, hinge allein von den Auflagen ab. Müssten die Außenhüllen etwa künftig Schutz vor gezielten Terrorangriffen bieten, wären die meisten älteren AKWs kaum wirtschaftlich nachzurüsten. Auch waren mit Blick auf den Atomausstieg in einigen älteren Anlagen seit Jahren schon bestimmte Nachrüstungen unterblieben. Sie nachzuholen würde für die Betreiber teuer. Bliebe es beim geltenden Atomkonsens, müssten die sieben ältesten Kernkraftwerke bis Mitte 2012 vom Netz gehen.

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(SZ vom 02.01.2011/mob)