CSU-Chef Seehofer betont, dass die Wahlleute seiner Partei frei seien, zusammen mit Guttenberg baut er für den Fall der Fälle vor - die Kandidaten Wulff und Gauck setzen derweil in Interviews Duftmarken.

Horst Seehofer baut vor: Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Parteichef warnt davor, das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl am kommenden Mittwoch auf die Zukunft der Bundesregierung zu übertragen. "Das wäre ein unangemessener Umgang mit der Bundesversammlung", sagte Seehofer der Augsburger Allgemeinen. Die Wahldelegierten seiner Parteien seien schließlich frei in ihrem Stimmverhalten. Der CSU-Chef wählt stattdessen den sanfteren Weg: Ohne Druck auszuüben leiste er Überzeugungsarbeit für den von ihm mit nominierten Christian Wulff, sagte er.

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Horst Seehofer setzt auf Argumente statt auf Zwang, wenn es darum geht, seine Parteikollegen von Christian Wulff als den geeigneten Bundespräsidenten zu überzeugen. (© AP)

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Auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sieht keine Verbindung zwischen Bundesregierung und der Wahl des Staatsoberhaupts. Es gehe hier "nicht um die Koalition", sagte er der Passauer Neuen Presse; und weiter: "Die Wahl des Bundespräsidenten zusammenzubringen mit der Koalitionsfrage, ist schon ziemlich verwegen." 

Sollte Wulff den Sprung ins Schloss Bellevue schaffen, so Seehofer, erwarte er von ihm, dass er sich als Bundespräsident in gesellschaftspolitische Debatten einschalte und sich "pointiert" zu den anliegenden Themen äußere. Bisher ist der amtierende niedersächsische Ministerpräsident jedoch nicht gerade durch ausgeprägte Meinungsfreudigkeit in Erscheinung getreten.

Indes meldete sich auch der 51-jährige CDU-Politiker in verschiedenen Tageszeitungen zu Wort und kündigte an, was die Deutschen von ihm als Bundespräsident zu erwarten hätten. So wolle er "vor allem Sprachrohr der zunehmend verdrossenen Bürger" sein, sagte er der Saarbrücker Zeitung. Unangenehme Wahrheiten aussprechen, sich für die Menschen starkmachen.

Auch politisch wolle er sich äußern. Dabei aber nicht zu weit gehen. Die Einmischung in Tagespolitik gehöre nicht in den Kompetenzbereich des Bewohners von Schloss Bellevue, meinte Wulff. Vielmehr profitiere er von seiner politischen Erfahrung und seinen vielen Kontakten zu Entscheidungsträgern, um eine Veränderung und Öffnung des politischen Systems zu bewirken. Ein besonderes Anliegen sei dem schwarz-gelben Kandidaten das Thema Integration: "Wir müssen uns weitaus intensiver um die nach Deutschland gekommenen Bürger kümmern."

Seine positiven Eigenschaften versucht er gegenwärtig während seiner Sommerreise durch Niedersachsen zu beweisen. "Die Bürger wollen gar keinen Supermann, der alles zu wissen und zu durchschauen glaubt", sagte der gebürtige Osnabrücker der Stuttgarter Zeitung.

Während Wulff seine Stärken betont, versucht der rot-grüne Gegenkandidat Joachim Gauck die Linke zu besänftigen. Der DDR-Bürgerrechtler und entschiedene Gegner einer Verklärung des Staatssozialismus kündigte an, als möglicher Bundespräsident keinen Unterschied zwischen Stasi-Opfern und -Tätern zu machen. Er verspüre keine "Rachegesinnung", sagte Gauck dem Sender Radio Berlin 88,8.

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(sueddeutsche.de/dpa/ddp/hana/odg)