Politiker sollen nach Ansicht der SPD-Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan wahrhaftiger sein und weniger taktisch zur Sache gehen.

Die SPD-Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan hat von den Politikern mehr Ehrlichkeit und weniger Taktierei gegenüber den Bürgern gefordert. Sie sollten der Bevölkerung offen sagen, "was möglich ist, nicht verschweigen, was nicht geht", sagte sie der Wochenzeitung Die Zeit. "Noch wichtiger als 100 Euro zusätzlich ist, dass die Menschen wissen, woran sie in der Zukunft sind."

Gesine Schwan

Gesine Schwan will mehr Ehrlichkeit in der Politik. (© Foto: dpa)

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Zu ihren Wahlchancen sagte die Professorin, sie brauche die Unterstützung der Linken im kommenden Mai genauso wie bei ihrem ersten Anlauf vor vier Jahren, als sie Stimmen von der Linke-Vorgängerpartei PDS und aus dem schwarz-gelben Lager bekommen habe. Nach ihren Worten sollte die SPD die inhaltlichen Unterschiede zur Linken stärker herausstellen statt "einen neuen Schwur" über eine Unvereinbarkeit der Zusammenarbeit im Bund abzulegen.

Stimmen aus allen Richtungen

In der Zeitung Die Welt kündigte Schwan an, verstärkt um die Wahlleute von Union und FDP zu werben. Mögliche Unterstützer könnten schließlich frei entscheiden, ob sie sich in ihren Positionen wiederfänden. Die Wahl in der Bundesversammlung sei eine Persönlichkeits- und keine Koalitionswahl.

Die Politikwissenschaftlerin sieht politische Schnittmengen zwischen SPD und den Liberalen etwa bei der Bildung und den Bürgerrechten. Mit ihrer "aus dem Glauben an Gott" heraus begründeten Politik fühle sie sich auch vielen in der Union nahe. Es gebe zudem Schnittmengen zwischen der sozialdemokratischen und liberalen Tradition. "Denken Sie an die Themen Bildung und Bürgerrechte", sagte Schwan.

Sie wolle im Amt Menschen zusammen zu etwas bewegen, sagte Schwan. "Ich möchte versuchen, als Bundespräsidentin diese Macht auszuüben: Menschen zusammenzuführen - und zwar über innere und äußere Grenzen hinweg", betonte sie.

Schwan sagte, Richard von Weizsäcker sei der Bundespräsident, der sie am meisten beeindruckt habe. "Er hat mit hoher Geisteskraft im Wesentlichen Wirkungsbereich des Bundespräsidenten, nämlich seinen Reden, maßgeblich dazu beigetragen, die deutsche Gesellschaft zusammenzuführen. Denken Sie etwa an seine Rede vom 8. Mai 1985", sagte Schwan. Es sei kein Zufall gewesen, "dass Richard von Weizsäcker bei seiner Wiederwahl eine breite Unterstützung" bekommen habe.

Ein "Gerangel" mit Amtsinhaber Horst Köhler um das Amt des Bundespräsidenten sehe sie nicht, sagte Schwan. "Sehen Sie doch die positiven Seiten: Das Amt wird ja oft mit geringerem Interesse bedacht. Es gilt als unangreifbar, aber auch als unwirksam, als zeremoniell, aber nicht politisch im Sinne von Entscheidungen. Schon die Doppel-Kandidatur im Jahre 2004 hat das Interesse für das Amt gesteigert", sagte sie.

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(sueddeutsche.de/dpa/vw/odg)