In der SPD mehren sich die Stimmen, die einen eigenen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl 2009 fordern. Offenbar wird Parteichef Kurt Beck doch umschwenken und die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina, Gesine Schwan, als Kandidatin der SPD vorschlagen.

Die SPD wird nach einem Bericht des Online-Dienstes FAZ-NET eine eigene Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten vorschlagen. Zwar sei die Angelegenheit in der SPD noch nicht förmlich entschieden, berichtete der Online-Dienst am Dienstag. Doch werde die Meinungsbildung in den Gremien darauf hinauslaufen, dass der Parteivorsitzende Kurt Beck die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina, Gesine Schwan, als Kandidatin der SPD vorschlagen werde.

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Auch in Union und FDP wurde demnach von "neuer Dynamik" in der Präsidentenfrage gesprochen, die von der SPD ausgehe.

Dieser Vorschlag entspräche dem Bericht zufolge auch den Erwartungen des Parteivorstands, der vor der Sommerpause das Vorgehen der SPD in der Bundesversammlung beschließen soll. Beck hatte am Montag im Präsidium das formale Vorgehen zur Abstimmung gestellt, zunächst solle die Entscheidung Horst Köhlers abgewartet werden, ob er für eine zweite Amtsperiode zur Verfügung stehe. Dann werde die SPD vor der parlamentarischen Sommerpause über ihr Vorgehen entscheiden.

Gerüchte über Köhler-Verzicht

Nun wurde laut FAZ.NET bekannt, dass die SPD-Führung auch dann vor der Sommerpause entscheiden will, wenn sich Köhler bis dahin nicht festgelegt haben sollte. Die Sommerpause beginnt Ende Juni.

Im Bundespräsidialamt hieß es dem Bericht zufolge, Köhler werde sich zwischen dem 23. Mai und dem 1. Juli erklären. Mittlerweile gebe es in den Parteien Unsicherheiten, ob Köhler angesichts der wahrscheinlich unklaren Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung überhaupt noch zu einer erneuten Kandidatur für die Wahl am 23. Mai 2009 bereit sei. In der FDP heißt es demnach, es sei nicht undenkbar, dass Köhler verzichtet.

Die Linkspartei will sich bis zum Herbst offenhalten, welchen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten sie unterstützt. "Die Linke wird ihre Haltung dazu nach der Landtagswahl in Bayern festlegen, wenn die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung klar sind und wir wissen, welche Kandidaten sich zur Wahl stellen", sagte Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine im sueddeutsche.de-Interview. Er verwies darauf, dass die ehemalige PDS im Mai 2004 die SPD-Kandidatin Gesine Schwan unterstützt hatte.

Ein Jahr vor der Bundespräsidentenwahl verfügen Union und FDP nur über eine hauchdünne Mehrheit in der Bundesversammlung. Ob sie die absolute Mehrheit ganz verlieren, entscheidet sich im Herbst bei der Landtagswahl in Bayern. 2004 konnten Union und FDP schon im ersten Wahlgang Horst Köhler zum Bundespräsidenten wählen.

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(sueddeutsche.de/AFP)