Von Daniel Steinmaier

Bundespräsident Köhler bereist den thüringischen Landkreis Gotha und zeigt, dass kein Wahlkampf der beste Wahlkampf für ihn ist. Nur die örtlichen CDU-Mitglieder haben das offenbar nicht verstanden.

Bundespräsident Horst Köhler beugt sich vor, reißt die Augen auf, lächelt Lisa Kunkel ins Gesicht und nickt. Der Bundespräsident ist an diesem Mittwoch im Rahmen seiner Regionalbesuche in den Landkreis Gotha in Thüringen gekommen. Gekommen, um zuzuhören. Damit klar ist, dass ein Bundespräsident keinen Wahlkampf gegen eine Herausforderin namens Gesine Schwan führt, redet er ganz wenig, sondern spitzt die Ohren und hört auf Lisa Kunkel.

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Bundespräsident Horst Köhler kommt bei den Menschen in Thüringen offenbar gut an. (© Foto: dpa)

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Lisa Kunkel ist elf, und sie erzählt dem Bundespräsidenten vom Thüringer Kindergipfel. "Das Motto war: Kinder reden, Erwachsene hören zu", erklärt Lisa, und der Bundespräsident hört auch zu, so konzentriert wie er nur kann, den linken Arm angewinkelt, die rechte Hand mit dem Zeigefinger am Kinn.

"Ich hab das Gefühl, du hast das alles gut im Griff", sagt er zu Lisa. Und dann fragt er: "Hat's denn auch Spaß gemacht?" "Klar", sagt Lisa.

"Es hat auch Spaß gemacht"

Die Frage stellt Köhler heute noch öfters. "Hat's Spaß gemacht?" fragt er auch den 15-jährigen Phillip, der dem Staatsoberhaupt von Aktionstagen gegen Rechtsextremismus berichtet.

"Hat natürlich auch Spaß gemacht", antwortet Phillip, der sich ein Sakko über sein rotes Che-Guevara-Shirt geworfen hat, aber angesichts der vertrauten Wortwahl des Bundespräsidenten schnell eine lockere Haltung annimmt.

Auf die Frage, was er denn am lokalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus verbesserungswürdig findet, fällt Phillipp "so spontan" aber doch nichts ein. "Ist Okay", sagt der Bundespräsident, nickt und lächelt als wolle er sagen: Bitte kein Aufregung, ich bin nur der Bundespräsident.

Auch in der Evangelischen Akademie Thüringen in Neudietendorf warten Schüler mit roten Köpfen und Schweißperlen auf der Stirn auf ihren Auftritt vor dem Staatsoberhaupt. Timothy von der Regelschule Kranichfeld berichtet von einem Schülerprojekt zur DDR-Geschichte, und wieder beugt sich Horst Köhler leicht vor, nickt beruhigend, legt den Zeigefinger ans Kinn, und manchmal stellt er Fragen.

"Ich würde den wählen"

"Redet ihr dann auch so mal über die DDR, zum Beispiel mit den Eltern?", fragt Köhler. "Mit meinem Opa", sagt Timothy, "aber der sieht eher das Gute an der DDR". Mit dem ließe sich da nicht gut diskutieren, sagt er und senkt den Blick.

"Respekt vor dem Opa ist allemal richtig", sagt Köhler, und breitet die Arme aus, als gelte es, ostdeutsche Wähler zu gewinnen. "Jede Biographie hat auch Respekt verdient. Die haben ja auch hart gearbeitet."

Vor der Mehrzweckhalle in Ohrdruf warten ostdeutsche Rentner auf Horst Köhler. "Wir finden den Bundespräsidenten sehr sympathisch", erklärt das Ehepaar Adolf und Liselotte Siegfried im Thüringer Dialekt. "Unser Bundespräsident ist so bürgernah."

Lesen Sie auf Seite zwei, wie ausgerechnet die CDU-Mitglieder die Harmonie des Tages trüben.

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