Bundespräsident Köhler bereist den thüringischen Landkreis Gotha und zeigt, dass kein Wahlkampf der beste Wahlkampf für ihn ist. Nur die örtlichen CDU-Mitglieder haben das offenbar nicht verstanden.
Bundespräsident Horst Köhler beugt sich vor, reißt die Augen auf, lächelt Lisa Kunkel ins Gesicht und nickt. Der Bundespräsident ist an diesem Mittwoch im Rahmen seiner Regionalbesuche in den Landkreis Gotha in Thüringen gekommen. Gekommen, um zuzuhören. Damit klar ist, dass ein Bundespräsident keinen Wahlkampf gegen eine Herausforderin namens Gesine Schwan führt, redet er ganz wenig, sondern spitzt die Ohren und hört auf Lisa Kunkel.
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Bundespräsident Horst Köhler kommt bei den Menschen in Thüringen offenbar gut an. (© Foto: dpa)
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Lisa Kunkel ist elf, und sie erzählt dem Bundespräsidenten vom Thüringer Kindergipfel. "Das Motto war: Kinder reden, Erwachsene hören zu", erklärt Lisa, und der Bundespräsident hört auch zu, so konzentriert wie er nur kann, den linken Arm angewinkelt, die rechte Hand mit dem Zeigefinger am Kinn.
"Ich hab das Gefühl, du hast das alles gut im Griff", sagt er zu Lisa. Und dann fragt er: "Hat's denn auch Spaß gemacht?" "Klar", sagt Lisa.
"Es hat auch Spaß gemacht"
Die Frage stellt Köhler heute noch öfters. "Hat's Spaß gemacht?" fragt er auch den 15-jährigen Phillip, der dem Staatsoberhaupt von Aktionstagen gegen Rechtsextremismus berichtet.
"Hat natürlich auch Spaß gemacht", antwortet Phillip, der sich ein Sakko über sein rotes Che-Guevara-Shirt geworfen hat, aber angesichts der vertrauten Wortwahl des Bundespräsidenten schnell eine lockere Haltung annimmt.
Auf die Frage, was er denn am lokalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus verbesserungswürdig findet, fällt Phillipp "so spontan" aber doch nichts ein. "Ist Okay", sagt der Bundespräsident, nickt und lächelt als wolle er sagen: Bitte kein Aufregung, ich bin nur der Bundespräsident.
Auch in der Evangelischen Akademie Thüringen in Neudietendorf warten Schüler mit roten Köpfen und Schweißperlen auf der Stirn auf ihren Auftritt vor dem Staatsoberhaupt. Timothy von der Regelschule Kranichfeld berichtet von einem Schülerprojekt zur DDR-Geschichte, und wieder beugt sich Horst Köhler leicht vor, nickt beruhigend, legt den Zeigefinger ans Kinn, und manchmal stellt er Fragen.
"Ich würde den wählen"
"Redet ihr dann auch so mal über die DDR, zum Beispiel mit den Eltern?", fragt Köhler. "Mit meinem Opa", sagt Timothy, "aber der sieht eher das Gute an der DDR". Mit dem ließe sich da nicht gut diskutieren, sagt er und senkt den Blick.
"Respekt vor dem Opa ist allemal richtig", sagt Köhler, und breitet die Arme aus, als gelte es, ostdeutsche Wähler zu gewinnen. "Jede Biographie hat auch Respekt verdient. Die haben ja auch hart gearbeitet."
Vor der Mehrzweckhalle in Ohrdruf warten ostdeutsche Rentner auf Horst Köhler. "Wir finden den Bundespräsidenten sehr sympathisch", erklärt das Ehepaar Adolf und Liselotte Siegfried im Thüringer Dialekt. "Unser Bundespräsident ist so bürgernah."
Lesen Sie auf Seite zwei, wie ausgerechnet die CDU-Mitglieder die Harmonie des Tages trüben.
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liest sich das so als wenn wir (Das Volk) den Bundespräsidenten wählen sollen und nicht die Bundesversammlung.
Ich gebe zu, Köhler steht nicht auf meiner persönlichen "Beliebtheitsskala" von 10 Politikern, daran kann dieser rührselige Artikel leider auch nichts ändern.
Auch gebe ich zu, gestern Frau Schwan in der ARD gesehen zu haben; hoffentlich wird mir das nachgesehen.
Frau Schwan hat gestern zwei Redakteuren und dem zusehenden Publikum eine eindrucksvolle Nachhilfe in Demokratieverständnis gegeben.Man o Man, ist das eine Frau. Da müssten schon zehn Köhler her um dieser Frau das Wasser zu reichen.
Ich verstehe unser Land nicht die solch eine Frau nicht für höhere Aufgaben einsetzt. Nicht die Besten kommen nach oben, sondern die Angepassten.
Ich frage mich immer wieder, wieso die (Koalitions-)Parteien so häufig von der "Beschädigung des Amtes" durch Kritik an Köhler reden. Die aktuelle Besetzung dieser gloriosen Position erfüllt den Tatbestand doch bereits vollständig selbst.
[P.S. Moderator, bzgl. Kürze: Was soll ich denn erst sagen? Ich musste das Ganze immerhin mehrfach (um)schreiben! :) ]
...schon besser ;-)
(wenn auch nicht gerade der kürzeste...)
Best Grüße,
Ihr Moderator
- Realsatirewochen in der Bundespolitik?
"Wo ist denn unser großer Superschweißer?"
Ja wo ist er denn?? Ach, da steht er ja, gleich beim kleinen Mega-Supi-Freufreu-Bundespräsi!
Meine Güte, Köhler ist ja auf "Nicht"-Wahlkampftour mindestens ebenso... ähm..."gewöhnungsbedürftig" wie bei seinen Sonntagsreden. Diese Mischung aus Kindersprache und BILD-Idiom (wobei ich letztere Kombination im weitesten Sinne verstanden wissen möchte, denn mit dem Begriff "Idiom" adelt man die "sehr zielgruppenadaptierte Ausdrucksweise" des Blatts unverdient), gemischt mit der betonten captatio-benevolentiae-Attitüde ist so unglaublich gönnerhaft und belanglos, dass es bereits beim Lesen schwerfällt, die Reaktion entsprechend den AGB, der Nettiquette und dem Großen Zensor dieser kundenorientierten Online-Publikation zu formulieren [So besser, Herr Moderator?]. Redet man so, wenn man sich als "nur der Bundespräsident" dazu herablässt, "bürgernah" mit "nur den kleinen Leuten" zu sprechen?
Die Fragen zeigen sehr gut den echten oder extra für die Tour-de-Germany angeeigneten Interessenhorizont unseres Staatsvertreters:
"Haben Sie Spaß am Singen?"
"Haben Sie Bammel?"
"Hat es Spaß gemacht?" (Zum Kampf gegen Rechtsextremismus!)
Für solche tiefgründigen Fragen, die die Probleme und Nöte der Menschen und des Staates direkt ins Herz treffen, dafür wurde dies hohe Amt eindeutig geschaffen. Was täten wir nur ohne ihn, den unseren geliebten, selbstgewählten, hochverehrten Bundespräsidenten Horst Köhler?
Keiner, der uns Hände schüttelt, interessant und großartig findet, oder tröstet, wenn die ihn ins Amt taktiert habenden Parteien mal wieder soziale Grausamkeiten verschärfen. Der MUSS nochmal ein paar Jahre ran!
Das ist also Volksnähe, wie der Präsident von CDUFDP-Gnaden sie sich vorstellt: Inhaltslos, formelhaft, beliebig.
Ein Kompliment an den Autor: wunderbar entlarvende Berichterstattung! Der "parteiübergreifend beliebte, dem parteipolitischen Wahlkampf ganz enthobene Präsident" macht eben das, was er am besten kann. Lächeln, schmeicheln und sich feiern lassen, auf dass man ihn bloß nicht mit den Regierungsparteien verbinde.
Für Inhalte und echtes Interesse an menschlichen Situationen, die zu verbessern die Politik Mittel und Wege besäße, bleibt da kein Platz. Und morgen wird dann die Agenda 2030 gefordert.
Ich frage mich immer wieder, wieso die (Koalitions-)Parteien so häufig von der "Beschädigung des Amtes" durch Kritik an Köhler reden. Die aktuelle Be
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