Bundespräsident Joachim Gauck, die Ossis und Dunkeldeutschland

Bundespräsident Gauck nach dem Besuch der Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Wilmersdorf.

(Foto: dpa)

Bundespräsident Gauck warnt vor einem "Dunkeldeutschland" der Hetzer und Brandstifter. Der Begriff hat eine Vorgeschichte.

Von Lukas Ondreka

Geht es nach Bundespräsident Joachim Gauck, hat Deutschland eine helle und eine dunkle Seite: das Engagement für Flüchtlinge auf der einen, rechtsextreme Anschläge, Gewalt und Hetze auf der anderen. "Es gibt ein helles Deutschland, das sich leuchtend darstellt gegenüber dem Dunkeldeutschland", sagte Gauck bei seinem Besuch einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin und warnte vor Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus.

Der dunkle Osten

Dunkeldeutschland, ein Wort, das er sich nicht ausgedacht hat. Vor allem Bürger der Bundesrepublik gebrauchten den Begriff in der Wendezeit abwertend für die neuen Bundesländer. Er wurde von Kritikern immer dann benutzt, wenn Worte wie "Zone" oder "drüben" als Beschreibungen für das Erbe sozialistischer Tristesse nicht mehr ausreichten. Dunkeldeutschland sagte der "Wessi" zum Beispiel, wenn er sich über die spärliche Straßenbeleuchtung in der ehemaligen DDR lustig machen wollte.

1994 war der Begriff prompt Kandidat für das Unwort des Jahres. Die Jury des Preises beschäftigte sich gleich mit mehreren Wörtern, die sie als "sprachliche Demütigung" der Menschen in der ehemaligen DDR einstufte. Darunter findet sich auch der Begriff "Buschzulage", der die Gehaltszulage für so genannte Aufbauhelfer in den neuen Bundesländern bezeichnete.

Auf Twitter hagelte es unter dem Hashtag #Dunkeldeutschland sogleich Kritik:

Eine Twitter-Nutzerin wies darauf hin, dass der Begriff suggeriere, es handle sich bei rassistischer Gewalt um ein rein ostdeutsches Phänomen:

Das dunkeldeutsche Abendland

Warum Gauck diesen ressentimentbehafteten Begriff benutzt, ist unklar. Der Bundespräsident ist damit in der jüngeren Vergangenheit aber nicht der erste: "Euer Abendland heißt Dunkeldeutschland", hatten vergangenes Weihnachten mehr als 50 ehemalige DDR-Bürgerrechtler in einer Erklärung geschrieben, mit der sie die Vereinnahmung der friedlichen Revolution in der DDR durch die islamophobe und fremdenfeindliche Pegida-Bewegung aus Dresden kritisierten.

Zu diesem Zeitpunkt stand Deutschland unter dem Eindruck wöchentlicher Demonstrationen der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehörten Mitglieder verschiedener Organisationen der DDR-Bürgerbewegung von 1989 - darunter auch ehemalige Aktivisten des Neuen Forums, dem auch Gauck angehörte. Er selbst war nicht unter den Unterzeichnern.