Bundesparteitag der Piraten Verhaltener Protest

Die Basis protestiert nur verhalten. Lediglich einzelne Aufmüpfige stellen die Fragen, die in den vergangenen Wochen durchs Netz geisterten: Wird Johannes Ponader zurücktreten? Wird es vor der Bundestagswahl noch eine Vorstandswahl geben?

"So wichtig sind wir nun auch wieder nicht", entgegnet Schlömer. "Wir müssen bis zur Bundestagswahl ein Programm haben." Auf dem Bundesparteitag soll es zwar eine Abstimmung geben, ob sich der nächste Parteitag ums Programm oder um Personalien drehen wird - doch die Mehrheit der Mitglieder habe sich, so betonen es die Vorstände, ohnehin schon für einen Programmparteitag ausgesprochen.

"Wie kann ich dafür sorgen, dass Ihr zurücktretet", ruft ein Mitglied in Richtung Bühne. "Ihr könntet ein Parteiausschlussverfahren beantragen oder das Schiedsgericht um die Aberkennung des Amtes anrufen oder zehn Prozent der Mitgliederstimmen für einen Sonderparteitag sammeln und den zum Wahlparteitag machen. Oder morgen Sachen in die Satzung einbauen, die sonstige Wege ermöglichen", rattert der stellvertretende Parteivorsitzende Markus Barenhoff herunter.

"Mein Problem ist, dass ihr resistent geworden seid gegen Kritik", versucht es ein anderes Mitglied. "Geht doch nicht immer auf Abwehr. Und die Sprüche, die ihr anbringt, die klingen so abgesprochen. Wir sind doch nicht die Presse, wir sind Eure Basis, wir sind Piraten." Es klingt verzweifelt. Die Partei, die einst angetreten war, um alles anders zu machen, macht an diesem Abend doch vieles so wie die anderen: miese Umfragewerte schönreden, Standardformulierungen vorbringen, Meinungsverschiedenheiten kleinmachen.

Zwei Stunden sitzt die Parteispitze die Aussprache mit der Basis aus - fest entschlossen, keine Flanken mehr offen zu lassen. Dann beendet zu ihrem Glück der Hausmeister der Halle die Veranstaltung: "Raus, raus, Ihr müsst jetzt alle raus", schreit er. Der Saal werde anderweitig gebraucht. Wirklich traurig über das plötzliche Ende ist kaum einer.